Exklusiv

VÖB schert aus Tarifgemeinschaft mit Privatbanken aus

15. Juni 2020

Von Christian Kirchner

Der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) schert aus der seit 1972 bestehenden Tarif-Verhandlungsgemeinschaft mit dem Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) aus. Das erfuhr Finanz-Szene.de aus Verhandlungskreisen und wurde über entsprechende Pressemitteilungen am Montag Nachmittag bestätigt. Hintergrund dürften die nun beginnenden Vorbereitungen auf die nächsten Tarifverhandlungen sein, denn der aktuelle Gehaltstarifvertrag läuft in genau einem Jahr aus.

Der AGV vertritt rund 110 Institute, darunter Commerzbank, Deutsche Bank, ING und Co.. Der VÖB wiederum muss die Interessen von rund 44 Instituten wahren – unter ihnen die KfW, alle Landesbanken, diverse Förderbanken und einige großen Sparkassen. Für den AGV und ihrem Vorstandsvorsitzenden – den Deutsche-Bank-Vizechef Karl von Rohr – bedeutet das Ausscheren des VÖB eine Schwächung. Allerdings können die Privatbanken so auch direkter ihre Themen adressieren, die den VÖB kaum betreffen.

Dem Vernehmen nach haben sich die Interessen beider Gruppen in den Tarifverhandlungen über die Jahre deutlich verschoben haben – die klassischen Privatbanken-Themen wie Restrukturierungen, Samstags-Öffnungen und die Herausforderungen der stark veränderten Kundenverhaltens sind selten die der öffentlichen Banken, die kaum direktes Kundengeschäft haben. Binnen der letzten 15 Jahre hat der Privatbankensektor rund ein Viertel der Stellen abgebaut.

Bei den öffentlichen Banken wiederum verläuft der Stellenabbau wesentlich langsamer (seit 2003: -15%), obwohl ganze Mitgliedsinstitute wie die WestLB aufgelöst worden sind. Vorsitzender der Tarifgemeinschaft Öffentlicher Banken ist Gunar Feth, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Saar LB. Die Entscheidung für ein Ausscheren soll laut Finanz-Szene.de-Informationen intern mit sehr deutlicher Mehrheit gefallen sein.

Von einem Streit will in Verhandlungskreisen indes auch niemand reden, allerdings sei bereits im Zuge der letzten Tarifverhandlungen 2019 klar geworden, dass die Interessen nicht länger unter einen Hut zu bringen seien. Mit Rücksicht auf die damals angespannte Lage einiger Großbanken und damals laufenden internen Gespräche habe man sich aber entschieden, noch einmal gemeinsam bis zur Einigung bis zum Juli 2019 zu verhandeln. Hintergrund: Im Juni 2019 steckte die Deutsche Bank und ihr Vizechef und AGV-Verhandlungsführer von Rohr quasi zeitgleich in Tarif-Gesprächen über einen Abschluss des Bankgewerbes, aber auch den Modalitäten des Jobabbaus bei Deutscher Bank und Postbank im Zuge der Postbank-Integration. Nun zeichnet sich ab, dass die beginnenden Verhandlungen über den Jobabbau bei der Commerzbank – das Institut will im September an den Betriebsrat herantreten – mit den neuerlichen Verhandlungsrunden zum neuen Tarifabschluss zusammenfallen könnten.

Den letzten großen Verlust musste die Banken-Tarifgemeinschaft 2004 hinnehmen: damals hatte der Arbeitgeberverband der Volks- und Raiffeisenbanken die gemeinsame Verhandlungsgemeinschaft verlassen.

Finanz-Szene.de bat beide Beteiligten – VÖB wie AGV – um eine Stellungnahme. Der VÖB verwies dazu auf eine am Montag Nachmittag versandte Pressemitteilung (Original hier). „Nach Überzeugung des {VÖB-}Vorstandes ist es in einem herausfordernden Geschäftsumfeld, das neben der Corona-Pandemie insbesondere durch Regulatorik, Niedrigzinsen und Digitalisierung beeinflusst wird, in den vergangenen Jahren zunehmend schwieriger geworden, die Interessen der öffentlichen und privaten Banken zu vereinigen“, hieß es seitens der öffentlichen Banken. „Diese Entwicklung schadet nach Überzeugung des Verbandsvorstandes Beschäftigten wie Arbeitgebern gleichermaßen“, so der VÖB weiter. Daher habe hat der Vorstand des VÖB am vergangenen Mittwoch die Beendigung der bestehenden Verhandlungsgemeinschaft zum Jahresende 2020 beschlossen.

Seitens des AGV hieß es in einer am Montag Abend versandten Mitteilung, die Interessenlagen der Bankengruppen hätten sich zuletzt weiter ausdifferenziert und ließen sich deshalb von den jeweiligen Verbänden am besten vertreten. Die Ankündigung des Bundesverbands Öffentlicher Banken, die Verhandlungsgemeinschaft mit den privaten Banken zu beenden, ändere nichts am Fahrplan laufender Verhandlungen. So würden die Verhandlungen über die Modernisierung der Verbandstarifverträge im Vorfeld der Tarifrunde 2021 für das private Bankgewerbe wie geplant fortgeführt.

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