Kurz gebloggt

Vom Versuch, das „kostenlose“ Girokonto zu bepreisen

17. Februar 2021

Von Christian Kirchner

Kennen Sie das Prinzip des „Attentional Bias“? Im Kern geht es dabei darum, dass sich die Aufmerksamkeit von Menschen von bestimmten Begriffen oder Eigenschaften beeinflussen lässt und man andere geistig unter den Tisch fallen lässt. Recht simpel erklären lässt sich das am Beispiel des Girokontos, noch immer der Anker schlechthin in der Kundenbeziehung.

Das Girokonto kann, so sehen das inzwischen selbst die Direktbanken, eigentlich nicht länger unentgeltlich angeboten werden. Entweder macht man weitere Geschäfte mit den Kunden – oder muss ein Preisschild dranmachen. Zugleich aber muss es „kostenlos“ bleiben. Denn der Begriff „kostenlos“ garantiert eine positive Wahrnehmung und sich abzusetzen. Mithin: Es geht also darum, Leistungen zu bepreisen, die Aufmerksamkeit des Kunden aber darauf zu lenken, dass das Konto weiterhin umsonst sei, wie auch 12,7 Millionen Google-Fundstellen für „Kostenloses Konto“ belegen.

Wie das geht? Das führen uns die DKBs und Spardas und INGs und Consors und Comdirects und durchaus auch die Neobanken inzwischen regelmäßig vor. Der eine Klassiker: Das „kostenlos“ an Bedingungen zu knüpfen. Der andere Klassiker: Das sogenannte Verwahrentgelt. Und sonst? Gibt es 1000 und noch mehr Schräubchen.

  • Bei den Sparda-Banken Baden-Württemberg und West erfolgte der (später ausgebaute) Einstieg in die Bepreisung von „kostenlosen“ Girokonten über die Einführung einer Jahresgebühr für die Girocard, ohne die man gleichwohl kaum das Konto führen kann (siehe hier)
  • N26 etwa verteuerte die Ersatzkarten und strich Freiabhebungen (siehe hier).
  • Die DKB verschonte ihre Retailkunden, langte dafür aber bei den Geschäftskunden zu (siehe hier).
  • Die ING Diba schraubte an ihren Depotgebühren (siehe hier). Etc. pp.

Seit einigen Tagen nun gewinnt das Thema augenscheinlich an Dynamik.

  • Die DKB testet, ob die Kunden die Bepreisung von Kreditkarte und Girocard akzeptieren. (siehe hier).
  • Die Comdirect macht neben der Kreditkarte auch Instant Payments kostenpflichtig (siehe hier)

Und gestern nun? Hat die ING ihr Preis- und Leistungsverzeichnis aktualisiert. Das Konto als solches? Bleibt natürlich kostenlos. Aber an ein paar klitzekleinen Schräubchen wird halt wieder mal gedreht. Betroffen sind Scheckeinreichungen (künftig 3,50 Euro), geplatzte Lastschriften (künftig 1 Euro), die Ein- und Auszahlungen von Bargeld in den Filialen des Kooperationspartners Reisebank (künftig mit Mindestgebühren) sowie der Bezug von Bargeld im Ausland. Keine wirklich weltbewegenden Sachen. Aber eben doch wieder vier weitere Schräubchen. Für Pricing-Connaisseure hier die Details: Finanz-Szene.de

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