Kurz gebloggt

War’s das mit dem Boom in der Baufinanzierung? Sieht so aus.

14. Juli 2020

Von Christian Kirchner

War’s das mit dem scheinbar ewig währenden Baufi-Boom? Bislang lautete der Tenor unserer Berichterstattung, dass die Corona-Krise noch nicht wirklich auf das private Baufi-Geschäft durchschlägt. Beziehungsweise: Die Sparkassen hatten ja sogar posaunt, bei ihnen sei das Kreditvolumen im April gemessen am Vorjahreswert um 12% gestiegen; und auch die harten (=umsatzbasierten) Bundesbank-Zahlen deuteten bis einschließlich April auf Zuwächse hin. Indes: Im Mai knickten die Baufi-Zahlen erstmals nach unten, wie wir dieser Tage eher zufällig in den Buba-Daten entdeckt haben …

... und nun: Gibt es zusätzlich weiche (=umfragebasierte) Zahlen, die nahelegen, dass es mit dem Boom in der Immofinanzierung zumindest für den Moment vorbei sein könnte. Laut dem gestern veröffentlichten „Bank Lending Survey“ der EZB berichten Deutschlands Banker nämlich mehrheitlich vom einen Nachfragerückgang im zweiten Quartal (zur Einordnung: Das gab in den letzten zehn Jahre auf Dreimonatsbasis nur ein einziges Mal, nämlich irgendwann 2017). Und fast noch schlimmer: Für das laufende Quartal rechnen die befragten Institute mit einem weiteren Rückgang. Um Ihnen die potenzielle Dramatik der Entwicklung zu verdeutlichen, haben wir das Ganze einfach mal grafisch aufbereitet:

Was sehen Sie? So beurteilen die deutschen Banken die Nachfrage nach privaten Immobilienkrediten im zu Ende gegangenen zweiten Quartal. Die angegebenen Wert sind Nettosalden. Das heißt: Gemessen wird die Differenz zwischen der Summe aus „Nachfrage deutlich gestiegen“ und „Nachfrage leicht gestiegen“ und der Summe aus „Nachfrage leicht gesunken“ und „Nachfrage deutlich gesunken“. Der Wert von minus 29 zeigt: Die deutliche Mehrheit berichtet von Nachfragerückgängen.

 

Was sehen Sie? Die zweite Grafik zeigt, wie sich die tatsächlichen Neugeschäftsvolumina bei privaten Immobilienkrediten in Deutschland entwickelt haben, und zwar in % zum Vormonat und zum Vorjahresmonat. Die Werte sind bis Mai verfügbar (Monatswert: 22,3 Mrd. Euro). Klarer Fall: Bis März war alles gut. Im April war’s immer noch okay. Im Mai dann aber definitiv nicht mehr.

 

 

Was sehen Sie? Dasselbe wie in der oberen Grafik. Allerdings nicht bezogen auf die drei zurückliegenden, sondern auf die drei kommenden Monate.

Alles nicht schön, oder?

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing