Analyse

Für andere Banken ist das Gras kaum grüner als für Deutsche und Coba

17. Juli 2019

Von Christian Kirchner

IT-Panne bei der Commerzbank, die DKB einen ganzen Tag offline, die Deutsche Bank inmitten einer Restrukturierung mit der Brechstange, die sie 7,2 Mrd. Euro und 18.000 Stellen kosten wird – viel Holz, wissen wir.  „Ab und zu mal ein paar gute Nachrichten von den Banken wären ja auch mal ganz nett!“, wünscht sich Leser P. per eMail an Finanz-Szene.de, offenbar ermüdet von der Kette an schlechten Nachrichten.

Dem Leser kann geholfen werden. Und zwar mit der Nachricht, dass es der Deutschen Bank und der Commerzbank ausweislich ihrer besorgniserregenden Aktienkursentwicklung nicht gut geht. Aber sie damit immerhin, falls es hilft und tröstlich ist, in schlechter Gesellschaft ist.

Denn: In anderen Ländern der Eurozone mögen Banken rentabler, dividendenstärker, gemessen am Börsenwert größer und gemessen an ihren Ratings sicherer sein. Allein: Auch sie haben es mit zunehmend skeptischeren Investoren zu tun, um es vorsichtig zu formulieren.

  • Beispiel Unicredit: CEO Jean-Pierre Mustier gilt als Star europäischer Banken-CEOs, weil er das Institut rekapitalisiert, faule Kredite abgebaut hat und auf eine Cost-Income-Ratio von 54% getrimmt hat. Damit ist die Bank fraglos besser für künftige Stürme gerüstet als zu seinem Antritt 2016. Die Eigenkapitalrendite des Instituts bewegt sich dennoch mit zuletzt knapp 5% deutlich unter den Kapitalkosten – und dürfte es vermutlich auch über die kommenden Jahre bleiben, glaubt man Analysten. Das Institut und Mustier? Basteln an einer neuen Wachstumsstrategie, die man im Dezember vorstellen wird. Die Aktie? Hat binnen eines Jahres 22% verloren und sich seit 2015 gedrittelt.
  • Beispiel Santander: Die Spanier sind nicht nur groß (200.000 Mitarbeiter), sondern die bilanziellen Posterboys der Eurozone mit zweistelligen Kapitalrenditen, über 5% Dividendenrendite und einer ING-Deutschland-mäßigen Cost-Income-Ratio von unter 50% – und das trotz eines großen Filialnetzes. Die Aktie kommt dennoch mit -13% binnen eines Jahres nicht vom Fleck. In Spanien schrumpft inzwischen die Kreditvergabe im Vergleich zum Vorjahr, ticken die Kreditausfallraten allmählich hoch und bröckelt auch die Profitabilität der Banken (wenngleich von hohem Niveau).
  • Beispiel Société Générale: Hätten Sie’s gewusst: Der Kursverlust der SocGen binnen eines Jahres stellt jenen der Deutschen Bank und der Commerzbank deutlich in den Schatten. 39% büßte die Aktie ein. Mit zuletzt 22 Euro ist die Aktie, um es historisch zu verorten, ungefähr auf dem Niveau, auf dem sie kurz nach der Lehman-Pleite und auch auf dem Höhepunkt der Euro-Krise vor Mario Draghis „Whatever it takes“-Rede lag. Gut: da wären Deutsche und Coba gerne. Dennoch: gerade einmal drei von 23 Analysten können sich zu einem „Kaufen“-Urteil für die SocGen durchringen, die Erträge kommen seit drei Jahren nicht vom Fleck und werden es wohl auch die kommenden drei nicht tun – aktuell läuft, wie bei der Deutschen Bank, eine Restrukturierung. Wie skeptisch der Markt für künftige Zahlungsströme für Aktionäre ist, zeigt ein Blick auf die Dividendenrendite: Gemessen an der letzten Ausschüttung für 2018 beträgt sie nunmehr 10%. Was heißt: Entweder lügt aktuell der viel zu tiefe Kurs. Oder doch die viel zu hohe Dividende. Auflösung: folgt vermutlich schon bald.
  • Beispiel UBS:  Keine Bank der Eurozone – und doch oft jenes Institut, von dem es heißt: Hätte es mal die Deutsche Bank so wie die UBS gemacht, früh sich des riskanten Investmentbankings entledigt und auf die Vermögensverwaltung konzentriert. Gewiss: Dann wäre die Deutsche Bank heute ein sichereres und vermutlich auch profitableres und dividendenstärkeres Institut, hätten Aktionäre wenige Geld über Kapitalerhöhungen nachschießen und über Kursverluste abschreiben müssen. Aber wie sieht es bei der UBS aktuell aus in Sachen Aktienkurs? Über ein Jahr steht ein Minus von 22% in Lokalwährung zu Buche, über vier Jahre annähernd eine Halbierung. Die Bank hat die gleichen Probleme wie ihre Pendants der Eurozone: Die Erträge auch nur zu stabilisieren über die kommenden zwei bis drei Jahre, wäre eine Leistung angesichts der Entwicklung von Zinsen und Konjunktur. Bei der UBS kommt hinzu, dass ihr Kerngeschäft der Vermögensverwaltung unter starkem Margendruck steht – genau wie bei der Deuba-Tochter DWS. Kein Wunder also, dass beide Häuser erwägen, anorganisch über einen M&A-Deal etwas für die Profitabilität zu tun.
  • Beispiel Bankenindex: Einzelfälle? Mitnichten: Während sich die breiten Aktienindizes wieder in der Nähe ihrer Rekordhochs befinden, hat der Bankenindex Euro Stoxx Banks seit Anfang 2018 über 30% verloren – eine Bewegung, der sich nur wenige Institute entziehen konnten.

Die Gemeinsamkeit aller europäischer Banken: Die konjunkturellen Risiken nehmen zu, während die Chancen auf eine nachhaltige Zinswende sich binnen eines halben Jahres in Luft aufgelöst haben. Wie auch bei Deutscher Bank und Commerzbank reflektieren die Kursentwicklungen, dass bei den Banken bei einer Eintrübung der Konjunktur die Kreditausfallrisiken steigen, während zugleich die Zinserträge weiter unter Druck geraten könnten. Die Profitabilität geriete dann quasi von zwei Seiten unter Druck, einen Doppelwhopper aus Kosten wie den Erlösen.

Ganz nebenbei bedeutet sinkende Profitabilität natürlich auch: weniger Spielraum für Investitionen, um wettbewerbsfähig im Vergleich zu Fintechs zu bleiben, die mit meist privaten Fundings und ohne den Druck der Kapitalmärkte agieren. Die US-Großbank JP Morgan alleine reserviert für Techologieinvestitionen laut ihrem Conference-Call von Mittwoch 11,5 Mrd. Euro pro Jahr.

Gute Nachrichten für die deutschen Großbanken sind zwar auch das nicht. Immerhin aber: Folgt man der Argumentation, die auch Deutsche-Bank-Chef Sewing seiner Milliarden-Restrukturierung zugrunde legt und die Bafin-Chef Felix Hufeld gebetsmühlenartig wiederholt – dass die Banken hierzulande nach wie vor ein Kostenproblem haben – lässt sich daraus auch aus Aktionärssicht ein Vorteil stricken. Es hieße immerhin, dass die Banken hierzulande noch Mittel hätten, etwas gegen eine Ertragserosion etwa über die Zinsseite zu tun. Die teils schon mehrfach restrukturierten Pendants der Eurozone mit heute schon tiefen Cost-Income-Ratios segeln hingegen ohne große Möglichkeiten zum Gegensteuern gegen den aufkommenden Wind.

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