Analyse

Warum die HVB-Zahlen streng operativ gesehen fulminant sind

31. Januar 2022

Von Christian Kirchner

In den bereits Ende vergangener Woche veröffentlichten Geschäftszahlen der Unicredit verstecken sich Hinweise auf fulminante operative Fortschritte bei der deutschen Tochter Hypo-Vereinsbank (HVB). Wie in unserem gestrigen Newsletter kurz vermeldet, hatte die italienische Großbank am Freitag für ihr Deutschland-Geschäft auf den ersten Blick unauffällige Zahlen vorgestellt. Laut Präsentation lag das um “nicht-operative Faktoren” bereinigte “Nettoergebnis” im Gesamtjahr bei 0,8 Mrd. Euro, im vierten Quartal bei 0,3 Mio. Euro.

Bei den “nicht operativen Faktoren” geht es im Kern um eine im Schlussquartal angefallene Einmalbelastung in Höhe von 617 Mio. Euro. Im Zahlenwerk der Unicredit ist von “Integrationskosten” die Rede. Dabei handelt es sich dem Vernehmen nach um die kompletten auf Deutschland entfallenden Aufwendungen für das im Dezember veröffentlichte Strategieprogramm “Unicredit Unlocked”, mit dem die Gesamtbank Unicredit bis 2024 10% Eigenktapitalrendite erwirtschaften und 17 Mrd. an Aktionäre zurückzahlen will.

Rechnet man diese Einmaleffekt ein, weist das Deutschland-Geschäft der Unicredit (das praktisch identisch ist mit dem Geschäft der HVB) für das vierte Quartal plötzlich einen Nachsteuerverlust von knapp 300 Mio. Euro aus  – und fürs Gesamtjahr gerade mal einen Nachsteuergewinn von knapp 300 Mio. Euro.

Das liest sich zunächst einmal nicht gut – verschleiert allerdings den Blick darauf, dass die Hypo-Vereinsbank streng operativ betrachtet (also vor Steuern und bereinigt um Einmaleffekte) signifikante Fortschritte zu machen scheint. So stieg im vierten Quartal der Vorsteuergewinn vor Sondereffekten um 47% auf satte 366 Mio. Euro – und im Gesamtjahr verzweieinhalbfachte sich die Kennziffer gar auf spektakuläre rund 1,6 Mrd. Euro. Hintergrund: Der Zinsüberschuss verbesserte sich auf 12-Monats-Sicht um 6%, der Provisionsüberschuss gar um 11% – während es zugleich gelang, die Kosten um 1% zu drücken (dazu passend: Im vierten Quartal sank die Zahl der Vollzeitstellen um weitere 5% auf noch 11.282).

Was der HVB noch zu ihrem 10%-RoE-Ziel fehlt

Mit anderen Worten: Die Hypo-Vereinsbank gelingt es momentan ähnlich wie der Deutschen Bank, die Erträge signifikant nach oben zu drücken, allerdings behalten die Münchner im Gegensatz zu den Frankfurtern (siehe -> Erträge, Erträge, Erträge: Das riskante Spiel der Deutschen Bank) hierbei die Aufwendungen unter Kontrolle. Was der HVB darüber hinaus freilich auch in die Karten spielte: Hatte sie im ersten Corona-Jahr noch üppige 728 Mio. Euro für Kreditausfälle zurücklegen müssen, betrug die entsprechendeRisikovorsorge jetzt nur 118 Mio. Euro  – gerade mal 9 Basispunkte des Kreditvolumens.

Die Unicredit hatte im vergangenen Spätsommer ihr Berichtswesen verändert. Seitdem trennt sie nicht länger die Ergebnisse des deutschen Privat- und Firmenkundengeschäfts (“Commercial Banking”) von jenen der ebenfalls in München angesiedelten Investmentbanking-Sparte. Daher bleibt im Dunkeln, welche Sparten wie viel zu der operativen Ergebnisverbesserung beigetragen haben. Sichtbar ist allerdings, dass die Hypo-Vereinsbank beachtlich Fortschritte beim für hiesige Institute typischen Einlagenüberhang macht: Allein im vierten Quartal sanken die Kundeneinlagen gegen den üblichen Branchentrend von 134 Mrd. auf 132 Mrd. Euro. Zugleich weiteten die Münchener ihr Kreditbuch von 121 Mrd. auf 126 Mrd. Euro aus.

Folgt man der Betrachtung vor Einmaleffekten, dann lag die Cost-Income-Ratio der HVB im Gesamtjahr bei 60%, die Eigenkapitalrendite bei 7,5%. Das sind für die hiesigen Banken deutlich überdurchschnittliche Werte – nicht allerdings für die Mutter Unicredit. Die hat auf ihrem Strategietag im Dezember maximal ambitionierte Ziele ausgegeben – für die Gruppe, aber auch die Hypo-Vereinsbank: Sie soll bis 2024 auf mindestens 10% Eigenkapitalrendite und dem Vernehmen nach ebenfalls auf eine Cost-Income-Ratio von unter 50% kommen.

Hier die Detailzahlen zum vierten Quartal …

in Mio. Euro Q4/2020 Q4/2021 Delta in 
Zinsüberschuss 555 716 + 29%
Provisionsüberschuss 237 257 + 8%
Handelsergebnis 270 106 – 61%
Operative Erträge 1.120 1.128 + 1%
Personalkosten -364 -391 + 7%
Verwaltungskosten -307 -255 – 17%
Gesamtkosten -695 -668 – 4%
Riskovorsorge -176 -93 – 47%
Gewinn vor Steuern (vor Einmaleffekten) 249 366 + 47%
sonstige Kosten und Abgaben 54 -81
Integrationskosten -16 -617 + 1682%
Erträge aus Anlagen -5 -107
Gewinn vor Steuern (nach Einmaleffekten) 281 -438
Nettogewinn 133 -285
Cost-Income-Ratio 62,1% 59,3% – 2,7 Ppte.
Risikokosten in Basispunkten 55 30 – 25 BP
Kundenkredite 120,8 125,5 + 4%
Kundeneinlagen 134,0 131,8 – 2%
Risk Weighted Assets (Mrd. Euro) 78,6 82,0 + 4%
Vollzeitkräfte 11.937 11.282 – 5%
Eigenkapitalrendite (ROAC) 5,2%  -12,1%

… und hier die Detailzahlen zum Gesamtjahr:

in Mio. Euro 2020 2021 Delta
Zinsüberschuss 2.376 2.516 + 6%
Provisionsüberschuss 965 1.074 + 11%
Handelsergebnis 600 736 + 23%
Operative Erträge 4.092 4.454 + 9%
Personalkosten -1.443 -1.476 + 2%
Verwaltungskosten -1.176 -1.121 – 5%
Gesamtkosten -2.719 -2.692 – 1%
Risikovorsorge -728 -118 – 84%
Gewinn vor Steuern (vor Einmaleffekten) 645 1.645 + 155%
sonstige Kosten und Abgaben -158 -407 + 157%
Integrationskosten -35 -617 + 1682%
Erträge aus Anlagen 543 -99
Gewinn vor Steuern (nach Einmaleffekten) 996 521 – 48%
Nettogewinn 550 289 – 48%
Cost-Income-Ratio 66 60 – 9%
Risikokosten in Basispunkten 55 9 – 83%
Kundenkredite 121 126 + 4%
Kundeneinlagen 134 132 – 1%
Risk Weighted Assets (Mrd. Euro) 79 82 + 4%
Vollzeitkräfte 11.937 11.282 – 5%
Eigenkapitalrendite (ROAC) 5,2% 3,1% – 40%

Quelle: Unicredit Divisional Database Q4/2021

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