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Warum in Frankfurts Banken bald 70.000 Menschen arbeiten. Oder auch nicht.

Manche Meldungen sind so schön, dass man sich wünscht, sie wären wahr – zum Beispiel, dass Frankfurts Banken schon bald an die 70.000 Menschen beschäftigen.

Kurzer Rückblick: Wie gestern schon kurz aufgespießt, stammt die neue Prognose (nämlich, dass die Main-Metropole per Ende 2024 über rund 69.700 „Bankbeschäftigte“ verfügen wird) von der Helaba. Was insofern erstaunt, als die alte Prognose, welche ebenfalls von der Helaba stammte, erst wenige Monate alt ist – aber lediglich von 67.200 „Bankbeschäftigten“ per Ende 2024 ausging. Ein plötzlicher Job-Boom? Nicht wirklich. Denn nach wie vor sieht die Landesbank bloß einen „gebremsten Anstieg“ bei der Jobentwicklung.

Was also steckt dann dahinter?

Die Helaba bedient sich bei ihren regelmäßigen Studien zur Job-Entwicklung am Finanzplatz Frankfurt der Daten der Bundesagentur für Arbeit. Dabei konzentriert sie sich auf drei Wirtschaftszweige, nämlich (wir folgen der Systematik der BA) …

  • dem WZ 641 („Zentralbanken und Kreditinstitute“),
  • dem WZ 649 („Sonstige Finanzierungsinstitutionen“)
  • sowie dem WZ 661 („Mit Finanzdienstleistungen verbundene Tätigkeiten“).

Aggregiert man nun die Daten für diese drei Zweige, so zeigt sich (was die Helaba bei ihrer letzten Prognose aus dem Februar 2023 noch nicht wusste), dass es im dritten Quartal 2022 einen heftigen Knick nach oben gab. Da nämlich erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten, gemessen am direkten Vorquartal (also in nur drei Monaten), mal eben um 3,2%. Oder anders gesagt: Wäre der Zuwachs real, dann wüssten wir also, was Deutsche Bank, Commerzbank und Co. im letzten Sommer getan hätten. Nämlich mal eben rund 2.000 neue Jobs geschaffen. Allein in Frankfurt.

Diese Annahme, mit Verlaub, ist natürlich abenteuerlich. Auch wenn es im Sommerquartal durchaus zu positiven saisonalen Effekten kommen kann. Stichwort: Azubis. Diese Effekte sind aber viel, viel geringer.

Tatsächlich, darauf verweist auch die Helaba, dürfte viel entscheidender sein, dass „die Zahl der Betriebe in den betrachteten Wirtschaftsgruppen im letzten Sommer deutlich zugenommen hat“. Mithin: Es gibt also offenbar nicht urplötzlich mehr Mitarbeiter pro „Bank“. Sondern mehr „Banken“. Wobei wir hier von Finanz-Szene als emsige Branchenbeobachter nun einwerfen würden: Sooooo viele neue Banken haben im Sommer 2022 in Frankfurt doch gar nicht eröffnet, oder? Bei der Bafin zumindest sind für den nämlichen Zeitraum nur zwei „Erlaubniserteilungen für Kreditinstitute“ hinterlegt, nämlich für die „Morgan Stanley Europe SE“ sowie für die „Westpac Europe GmbH“.

Tatsächlich weiß man an dieser Stelle auch bei der Helaba nicht mehr recht weiter. Haben sich wirklich neue „Betriebe“ angesiedelt? Oder könnte es, nur mal als Beispiel, vielleicht auch so sein, dass innerhalb der Statistik bereits bestehende „Betriebe“ von irgendeinem anderen WZ in einen der drei von der Helaba erfassten Wirtschaftszweige umgehängt worden sind? Unklar!

Kurzum: Ob es also eher 70.000 „Bankbeschäftigte“ per Ende 2024 sein werden oder eher 67.000 „Bankbeschäftigte“ – man weiß es nicht. Wobei es genau genommen ohnehin deutlich weniger sein dürften. Denn, siehe oben: Die Bundesagentur dürfte mit den „Sonstigen Finanzierungsinstitutionen“ sowie mit den „Mit Finanzdienstleistungen verbundene Tätigkeiten“ ja eher keine Banken im eigentlichen Sinne meinen.

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