Analyse

Warum sich der DWS-Chef dreier Topmanager entledigt

9. Juni 2020

Von Christian Kirchner

Drei Geschäftsführer raus (von bislang acht). Kein Geschäftsführer rein. So hat’s die DWS gestern verkündet. Von einer „schlankeren“ und „kompakteren“ Führung ist die Rede. Macht Vorstandschef Asoka Wöhrmann jetzt doch noch, was er kurz nach seinem Amtsantritt Ende 2018 versprochen hatte – nämlich „die Treppe von oben“ zu kehren?

Gemach. Tatsächlich dürfte die Maßnahme folgenden drei Motiven geschuldet sein:

  1. Die alten Strukturen durchbrechen, die noch aus Zeiten stammen, als die Deutsche Bank die volle Kontrolle über ihre mittlerweile an die Börse entlassene Tochter hat. Heißt vor allem: weniger Köpfe, denn man ist „nur“ Asset Manager, keine Bank-Einheit mehr.
  2. Mal ordentlich aufräumen in jenen Geschäftsbereichen, die schon seit langem als problematisch gelten, zum Beispiel dem US-Geschäft (siehe unten)
  3. Kosten sparen. Punkt.

Die DWS ist seit März 2018 an der Börse, rund ein Fünftel der Aktien sind frei handelbar. Die übrigens vier Fünftel liegen noch immer bei der Deutschen Bank. Für diese ist die DWS wichtig, weil sie kaum Kapital bindet und zugleich ein verlässlicher Lieferant operativer Gewinne ist. Aus Sicht und nach Bilanzart der Deutschen Bank erwirtschaftete die Asset-Management-Tochter vor zwei Jahren 368 Mio. Euro Ergebnis  vor Steuern, 2019 waren es 468 Mio. Euro, im laufenden Jahr sollen es laut Analystenschätzungen 462 Mio. Euro werden. Das klingt überschaubar, stabilisiert aber die Ertragslage der Deutschen Bank ungemein. Denn: Inklusive Umbaukosten und DWS-Gewinn gehen Analysten bei der Deutschen Bank in diesem Jahr von einem Verlust von rund 1,8 Mrd. Euro aus.

An der Börse ist die DWS, deren Aktie im Zuge der Kursgewinne der letzten Woche wieder auf das Prä-Corona-Hoch von rund 35 Euro geklettert ist, aktuell 6,8 Mrd. Euro wert. Rechnerisch ist damit allein das Deutsche-Bank-Paket an der Tochter rund 5,4 Mrd. Euro wert. Macht knapp ein Drittel des Börsenwerts von 17,9 Mrd. Euro.

Künftig soll es bei der DWS fünf Einheiten geben, das regionale und sektorale Eigenleben soll dann beendet sein:

  • Investment
  • Vertrieb
  • Produkt
  • Operations
  • Finanzen und Risiko.

Dafür gehen:

  • Pierre Cherki, bislang Co-Leiter der Investment Group
  • Bob Kendall, bislang Regional Head Americas und Leiter des dortigen Vertriebs
  • und Nikolaus von Tippelskirch, bislang Chief Controlling Officers

Cherkis Aufgaben gehen an den Chief Investment Officer Stefan Kreuzkamp, der damit an Macht gewinnt. Denn die bislang zu Cherkis Beritt zählende Einheit für Alternative Anlagen wie Hedgefonds, Infrastruktur, Immobilien und mehr ist für die DWS von großer Bedeutung, um Margen und Gewinne zu verteidigen. Bei ihr liegen lediglich 12% der Vermögenswerte, sie trug aber knapp doppelt so viel zu den Gebührenerträgen im abgelaufenen Jahr bei. Grund: Die „Alternative“-Abteilung erwirtschaftet mit 54 Basispunkten eine nahezu doppelt so hohe Marge auf das verwaltete Vermögen wie der Schnitt aller anderen Abteilungen (<30 Basispunkte) und steht auch nicht so sehr unter Wettbewerbsdruck wie etwa die Passiv-Sparte. Entsprechend selbstbewusst soll die Abteilung gleichwohl auch intern agieren, wenn es um Budgets geht.

Dass Nordamerika-Vertriebsmann Kendall weichen muss, überrascht nicht. Seine Tätigkeiten übernimmt der Chief Operating Officer Marc Cullen, der seinen Dienstsitz in die USA verlegt.Dort wartet einiges an Arbeit auf ihn. In Nordamerika verwaltet die DWS heute mit 194 Mrd. Euro trotz Super-Bullenmarkt weniger Geld als noch vor drei Jahren (210 Mrd. Euro). In guten Jahren verbucht das dortige Geschäft minimale Zuflüsse (2017: 0,1 Mrd. Euro, 2019: 3,5 Mrd. Euro) und in schlechten horrende Abflüsse (2016:  minus 31 Mrd. Euro, 2018: minus 21,3 Mrd. Euro).

Cullen indes bekommt nicht nur das Nordamerika-Geschäft, sondern auch die Recht- und Compliance-Aufgaben des bisherigen CCO Nikolaus von Tippelskirch (während Finanzvorständin Claire Peel dessen Risikobereich übernimmt). Die CCO-Struktur war dem Vernehmen nach noch ein Überbleibsel aus der Zeit, in der die DWS komplett in Besitz der Deutschen Bank war und nicht mit den regulatorisch größeren Freiheiten eines reinen Asset-Managers arbeiten konnte.

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