Leser-Blog

Was die Deutsche Bank kann, was die Solarisbank nicht kann

24. April 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Eigentlich immer, wenn wir spätabends mit dem Gefühl ins Bett gehen, Ihnen ein bisschen zu magere Kosten serviert zu haben, fallen am nächsten Tag die Kalorienbomben in unser E-Mail-Fach. Manchmal liebevoll garniert (“Ich würde zu Ihrem Artikel noch gerne eine ergänzende Anmerkung machen”); manchmal auch mit der groben Kelle hingeschleudert (“Was Sie da schreiben, ist Quatsch”).

So war es auch am vergangenen Freitag wieder: Nachdem wir im Artikel “Darum partnert Trade Republic mit der Deutschen Bank” stellenweise dann doch ein bisschen subkomplex unterwegs waren, meldeten sich am nächsten Tag gleich mehrere Brancheninsider, um uns zu erklären, was wirklich hinter dem Deal steht. Fanden wir hochinteressant! Und wollen wir Ihnen deshalb unter keinen Umständen vorenthalten.

Unser Leser-Blog (selbstverständlich anonymisiert; die Absender sind uns alle namentlich bekannt), bitte sehr:

“Die Solarisbank kann mit dem Geld nichts anfangen”

Ich halte es für Quatsch (oder höflich: für zu kurz gegriffen), den Wechsel Trade Republics von der Solarisbank zur Deutschen Bank mit dem Zahlungsverkehr zu begründen. Darum geht es nicht – beziehungsweise: Den Zahlungsverkehr schafft auch Solaris. Stattdessen geht es um die “unverzinsliche Transaktionskasse” der Kunden . Also um den Bodensatz der Kundengelder auf den Verrechnungskonten. Kurzes Beispiel gefällig? Sagen wir, es geht um 4 Mio. Kunden à 500 Euro. Das macht 2 Mrd. Euro Einlagen. Da die Solarisbank mit dem Geld nichts anfangen kann, außer es bei der EZB zu parken, kostet das die Solarisbank 10 Mio. Euro p.a. (-0,5% Einlagensatz bei der EZB). Und dieses Geld wird Trade Republic natürlich in Rechnung gestellt. Nicht so schön für den Business Case.

Warum kann die Deutsche Bank mit den Einlagen mehr anfangen? Nun, die hat eine Bilanz von mehr als 1.000 Mrd. Euro – und jede Menge passendes Aktivgeschäft dazu. Hinzu kommt, dass die DeuBa eine ganz andere “Deposit modeling capability” hat. Heißt: Der unverzinsliche Bodensatz auf den Verrechnungskonten ist besser als geschnitten Brot. Durch Anwendung entsprechender Modelle kann ich die Gelder als langfristig stabiles Einlagen-Aggregat betrachten (glauben Sie mir, die Kohle ist extrem sticky und und im Aggregat krisenfest). Und so werden aus 1 Mrd. Euro de jure täglich fälliger Einlagen nun de facto 1 Mrd. Euro langfristig stabiles Funding. Damit kann die Deutsche Bank dann entsprechendes Aktivgeschäft funden und spart sich eine alternative Geldaufnahme. In Zahlen: Für fünf Jahren zahlt die DeuBa alternativ am Kapitalmarkt dafür aktuelle eher um die 1,5%.

Und warum kann die Solaris das nicht? Die haben zu wenig Aktivseite und keine “Modeling capability”. Klar, in der Theorie könnten sie extrem langfristige Bonds als Gegenposition kaufen. Die dadurch hervorgerufenen Diskussion mit der Bafin würde ich allerdings gern erleben.


“Der Move zur Deutschen Bank ist fast ein No-Brainer”

Die Solarisbank hat offenkundig ein Treasury-Problem – das durch den Ärger mit der Bafin sicherlich nicht kleiner wird. Die Deutsche Bank dagegen dürfte im großen Volumen sehr kurzfristiges Lending haben – wo die kurzfristigen Einlagen im Trading das wunderbare Gegenstück darstellen. Darum kann die Deutsche Bank gegenüber Trade Republic deutlich günstigere Zinskonditionen bieten als das die Solarisbank kann. Der Move zur Deutschen Bank ist fast ein No-Brainer.


“Großer Account mit massivem Volumen – perfekt für die Deutsche Bank”

Es gehr zwar mutmaßlich um hunderttausende Konten. Aber aus Sicht der Deuba gibt es nur einen Kunde, und das ist die Wertpapierhandelsbank Trade Republic selbst. Diese „zerstückelt“ das „Treuhandsammelkonto“ bei der Deutschen Bank in Millionen einzelner „Verrechnungskonten“ per „virtuellen“ IBANs und wickelt so alle Zahlungsströme über ein Konto ab. Die Endkunden merken das gar nicht, dass es eigentlich ein einziges Konto für alle Kunden ist.

Das hat den großen Vorteil das die DeuBa sich KYC, AML und so weiter sparen. Was aus meiner Sicht wesentliche Erklärung ist, wieso die Deutsche Bank die Solarisbank in diesem Fall technisch “schlagen“ kann. DeuBa kann super-große Accounts mit massiven Volumen abwickeln, Solaris kann schnell „echte“ Konten inkl. AML und KYC eröffnen – und zwar für eine Masse an echten natürlichen Personen. Das heißt, in anders gelagerten Fällen (etwa: Vivid Money) werden Solarisbank-Kunden ganz sicher nicht einfach zu einer Bank wie der DeuBa wechseln.


“Trade Republic erzielt einen unmittelbaren Ertrags- und Ergebnis-Effekt”

Im Sinne der ersten beiden zitierten Zuschriften hat sich gestern bei LinkedIn auch der frühere Deposit-Solutions-Manager Stephan Simon geäußert:

Beyond the listed reasons this move will most likely have a couple million € IMMEDIATE top=bottom-line POSITIVE IMPACT on Trade Republic:

  • > AuM at least €6-7bn, maybe scratching €10bn acording to reporting
  • > Typically, at least 5-10% of these held in cash at the clearing account of the brokerage by Retail customers = up to €1bn of cash deposits
  • > Solarisbank AG must (have) charge(d) on the „minus 50bps“ (at least partially) on these when looking at their asset liability structure and P&L – Trade Republic seems not to vis-à-vis its Retail customers = at least €1mn of saved negative rates expenses

Darum partnert Trade Republic mit der Deutschen Bank

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