Rückblick

Was während unserer Pause in der Branche passiert ist

9. Januar 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Nach der HVB will auch die BayernLB umziehen

Die eine große Münchner Bank, nämlich die Hypo-Vereinsbank, hat es vorgemacht. Die alte Zentrale im Stadtzentrum? Ist aufgegeben. Der Bürokomplex am Tucherpark? Ist verkauft. Stattdessen? Ist eine neue Verwaltungszentrale im Osten der Stadt geplant. Und nun? Folgt die andere Münchner Großbank, nämlich die BayernLB, dem Vorbild des örtlichen Rivalen. Wie zunächst die „Immobilien-Zeitung“ berichtete, will die Landesbank ihr in den 80er-Jahren erbautes Stammhaus in der Innenstadt verlassen (wobei mal dahingestellt sei, ob es wirklich daran liegt, dass das Gebäude heutigen Anforderungen nicht mehr genügt – oder ob nicht auch ein möglicher Verkaufserlös lockt). Gesucht werde ein alternativer Standort „zur Miete“.

Erst Cook, dann Corona: Concardis mit weiterem Verlustjahr

Der mittlerweile im Nexi/Nets-Konstrukt aufgegangene Eschborner Zahlungsdienstleister Concardis hat seinem Horrorjahr 2019 erwartungsgemäß ein weiteres Verlustjahr folgen lassen. Zur Erinnerung (siehe unsere Exklusiv-Geschichte -> Heimlicher „Bail-out“: Nets musste Concardis stützen!): Concardis war vor zwei Jahren mit mehr als 200 Mio. Euro von Nets gerettet worden – mutmaßlich infolge unter anderem der Thomas-Cook-Pleite. Daneben hatte der bis vor wenigen Jahren noch bankeneigene Payment-Spezialist aber auch mit weiteren GuV-Killern kämpfen. Dazu gehörten: Belastungen aus Restrukturierungen. Und eine starke Abhängigkeit von Branchen, die von der Corona-Krise stark betroffen waren – etwa die Hotellerie. So überrascht nicht, dass 2020 auf Ebene der deutschen GmbH erneut ein operativer Verlust von 37 Mio. Euro stand, wie die „BÖZ“ (Paywall) vergangene Woche als erstes berichtete.


Weitere News aus unserer Winterpause

  • Die hierzulande kaum bekannte, aber mit rund 10 Mrd. Euro Börsenwert sehr stattliche italienische Finecobank strebt auf den deutschen Markt. Die Produktpalette dürfte zunächst einmal die einer Online-Bank sein: Klassische Bankdienstleistungen, Brokerage und möglicherweise auch Sparprodukte. Das 1999 gegründete Institut hatte im vergangenen Jahr auf 9M-Sicht einen Nettogewinn von 257 Mio. erwirtschaftet – bei einer Cost-Income-Ratio von 31%. BÖZ (Paywall)
  • Der Onlinebroker Flatex Degiro hat erste Zahlen für 2021 veröffentlicht. Demnach stieg die Zahl der Kundenkonten um 55% auf 2,06 Millionen, die Zahl der Transaktionen allerdings um (gemessen am Kundenwachstum) bescheidene 21% auf 91 Millionen. Für dieses Jahr rechnen die Frankfurter mit 95 Mio. bis 115 Mio. Orders. Die Aktionäre reagierten enttäuscht, die Aktie verlor infolge der Mitteilung bis zu 11% an Wert.
  • Commerzbank-Chef Manfred Knof hat in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ (Paywall) eine sehr groben Ausblick auf seine Schwerpunkte für 2022 gegeben. Zitat: „Im Privatkundenbereich werden wir das Wertpapiergeschäft und die Baufinanzierung weiter ausbauen“, kündigt Knof an. „Auch mit dem deutschen Mittelstand rechnen wir mit sehr soliden Geschäften, sowohl was die Vergabe von Krediten angeht als auch bei der Platzierung von Anleihen.“
  • Die Deutsche Bank hat den Verkauf ihres Hedgefonds-Geschäfts sowie des elektronischen Aktienhandels an die BNP Paribas abgeschlossen. Kunden, Technologie und Mitarbeiter seien mit dem Jahreswechsel nun vollständig an die französische Großbank übergangen.
  • Nochmal Deutsche Bank: Laut Medienberichten sondieren die Frankfurter die Gründung eines Joint Ventures mit der Vermögensverwaltungs-Sparte der Postal Savings Bank of China. Das Gemeinschaftsunternehmen könnte nicht zuletzt als Vertriebsplattform für die Fondstochter DWS dienen. HB (Paywall)
  • Deutsche Bank zum Dritten: Ungeachtet der Skepsis vieler Analysten hat Finanzvorstand James von Moltke das Renditeziel von 8% gegenüber dem „Handelsblatt“ (Paywall) noch einmal unterstrichen. Er sei „sehr zuversichtlich“, dass die Bank den Zielwert in diesem Jahr erreichen werde.
  • Und Deutsche Bank zum Letzten: Wegen mangelhafter interner Kontrollen bei der Ermittlung des Referenzzinssatzes Euribor hat die Bafin das Institut zu einer Geldbuße in Höhe von 8,66 Mio. Euro verdonnert – für hiesige Verhältnisse ein durchaus saftiger Betrag. Mitteilung 
  • Die deutschen Genossenschaftsbanken haben ihr Kreditvolumen im zweiten Corona-Jahr weiter ausgebaut. Nach Angaben des BVR erreichte der Kreditbestand per Ende 2021 einen Umfang von 710 Mrd. Euro (plus 7%) – davon allein 368 Mrd. Euro bei Firmenkunden (ebenfalls plus 7%).*
  • Die Stadtsparkasse Düsseldorf hält den Druck auf Kunden, die sich trotz hoher Guthaben einer Zahlung von Negativzinsen verweigern, aufrecht. So seien in den vergangenen Monaten weiten 24 Kundinnen und Kunden das Konto gekündigt worden, meldet „Bloomberg“ (via „FAZ“).
  • Aareal Bank (I): Laut Recherchen des „Manager Magazins“ ist die jüngste Aktionärsrevolte bei der Wiesbadener Immobilienbank (zur Erinnerung: der aktivistische Aktionär Petrus Advisers hatte vergeblich versucht, drei eigene Kandidaten in den Aufsichtsrat zu entsenden) aus einem höchst peinlichen Grund gescheitert: Die US-Investmentbank Morgan Stanley habe als Vertreter des mit Petrus lose verbundenen Großinvestors Teleios versäumt, dessen Stimmrechte anzugeben …
  • Aareal Bank (II): Trotzdem ließ Petrus Advisers nicht locker. Nach der missglückten Revolte bei der Hauptversammlung wollte der Aggro-Aktionär während unserer Winterpause die Bestellung seiner drei AR-Kandidaten nun gerichtlich durchsetzen. Der entsprechende Antrag beim Amtsgericht Wiesbaden ist allerdings Ende letzter Woche gescheitert, siehe unsere heutige News-Rubrik.
  • Die Essener National-Bank hat vorläufige und tendenziell rudimentäre Zahlen für 2020 bekanntgeben. Ins Auge fallen: der um 20% auf 53,9 Mio. Euro gesteigerte Provisionsüberschuss sowie die um 4% auf 95,2 Mio. Euro gestiegene Verwaltungsaufwand. Zum operativen Ergebnis machte das Institut keine Angaben (mmmhhh), der Jahresüberschuss wurde mit 13,9 Mio. Euro beziffert.
  • Ist das der Startschuss für das in unserem Ausblick thesenfreudig angekündigte Fusionsjahr im europäischen Banking? Naja, zumindest ist es mal so, dass die französische Großbank Credit Agricole nach dem nicht ganz so großen und vor allem schwer strauchelnden italienische Banca Carige greift – und das, nachdem sich die Credit Agricole im vergangenen Jahr ja auch schon eine andere Italo-Bank, nämlich Cerval, einverleibt hatte. Es soll allerdings Konkurrenzgebote geben, u.a. von Cerberus.
  • Das auf den Handel mit digitalen Währungen und mit Banklizenz ausgestattete Schweizer Krypto-Institut Sygnum hat in seiner Serie-B-Runde bei Investoren stolze 90 Mio. Dollar eingesammelt – und wird nun mit noch stolzeren 800 Mio. Dollar bewertet. Fehlt nicht mehr viel, und die DACH-Region hat ihr zweites Krypto-Unicorn nach Bitpanda aus Wien.

*Korrektur: In der ursprünglichen Version las es sich so, als handele es sich bei den 710 Mrd. Euro um das Neugeschäft. Tatsächlich ist es die Bestandsgröße.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing

Tags