Kurz gebloggt

Welche Banken es am härtesten trifft – und was Hoffnung macht

10. März 2020

Von Christian Kirchner

Was lässt sich zu den Folgen der Corona-Krise für die Banken noch sagen, was noch nicht gesagt worden ist? Einiges! Diesen Eindruck haben wir jedenfalls gewonnen, als wir uns gestern durch diverse Analysten-Studien zum Thema gekämpft haben – und  dabei auf einige, wie wir finden, frische Gedanken gestoßen sind. Zum Beipiel:

  1. Dass die für den morgigen Donnerstag erwarteten geldpolitischen Beschlüsse der EZB den taumelnden Banken wirklich helfen, ist höchst fraglich.
  2. Anders als in früheren Krisen trifft die Corona-Panik vermutlich nicht die großen Banken am härtesten – sondern die, die aufs KMU-Geschäfts spezialisiert sind
  3. Banken und Sparkassen gehen mit recht dicken Kapitalpolstern und halbwegs aufgeräumten Kreditbüchern in die Krise. Wenigstens das!

Hier die Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen diverser Studien der vergangenen zwei Tage:

Moody’s: „Die mittelgroßen Banken sind am stärksten betroffen“

„Wir sehen für Banken zwei zentrale Punkte: Erstens die sinkende Qualität der Unternehmenskredite. Die Banken in Europa haben zwar die Qualität ihrer Kreditbücher verbessert und Eigenkapital aufgebaut. Das heißt, die meisten Banken sind gut positioniert, auch mal eine Schwächephase bei ihren Schuldnern zu absorbieren. Bei einer anhaltenden Krise dürfte es dennoch zu Zahlungsausfällen kommen, vor allem im produzierenden Gewerbe sowie in jenen Branchen, die ohnehin von veränderten Konsumgewohnheiten betroffen sind. Die Nachfrage nach Reise- und Freizeit-Unternehmungen dürfte sinken, hinzu kommt ein Wechsel hin zu Online-Shopping.

Zweitens kommt es nun auf die Zentralbank-Maßnahmen an. Die Hilfen der Notenbanken (als noch niedrigere Zinsen und Anleihenaufkäufe) würden über noch flachere Zinskurven die Ertragsprobleme der Banken noch einmal verschlimmern – und das erst Recht in einem Umfeld, in dem die Risikoaufschläge steigen, die Emissionen von Aktien und Anleihen sinken und die Aktienmärkte fallen.

Im Falle einer längeren Unterbrechung des Wirtschaftslebens und des Alltags dürften vor allem kleine und mittlere Unternehmen von operativen Schwierigkeiten betroffen sein. Das liegt daran, dass kleinere Unternehmen stärker vom ununterbrochenen globalen Warenzufluss abhängen und schlechter in der Lage sind, auf verändertes Kundenverhalten zu reagieren. Innerhalb Europas sind die mittelgroßen Banken die größten Kreditgeber von Krediten an kleine und mittlere Unternehmen. In unserer Stichprobe von 131 großen und mittelgroßen Banken hatten Institute mit einem Kreditbuch von über 500 Mrd. Euro fast alle weniger als 15% an kleine und mittlere Unternehmen verliehen. Umgekehrt machten die Kredite an diese Firmen bei den 20 mittelgroßen Banken über 20% des Kreditbuchs aus.

Goldman Sachs: „Zinssenkung durch die EZB wäre doppelt negativ“

„Wir rechnen mit folgendem Paket im Zuge der EZB-Zinsentscheidung: Eine Senkung des Einlagezinses um 0,1 Prozentpunkte, eine Verbesserung der Attraktivität der Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO), ein Signal, dass man den Staffelzins für Banken ausweitet wird sowie ein auf 40 Mrd. Euro pro Monat erhöhtes Anleihenaufkaufprogramm.

Allerdings ist die Zinssenkung um 10 Basispunkte in doppelter Hinsicht negativ für Banken. Sie belastet Erträge und Profitabilität. In normalen Zeiten geht nur die Profitabilität nach unten. In Krisenzeiten aber schrumpft die Fähigkeit der Banken, Verluste zu absorbieren. Für jeden Schritt um 10 Basispunkte nach unten sinken die Gewinne um 4%, auf individueller Basis der Banken womöglich noch höher. Es sind vor allem die Banken mit ohnehin niedriger Profitabilität, die am stärksten betroffen wären.

Negative Zinsen sind zudem ein Anreiz, möglichst geringe Liquiditätspositionen zu halten – sie stehen ja gewissermaßen ‚unter Strafe‘ mit Negativzinsen. Keine Großbank dürfte freiwillig aufgrund der Krise ihre Liquiditätsposition verbessern, solange sie von der EZB mit -0,5% Zinsen dafür bestraft wird. Das ist nicht nur ein Argument gegen Zinssenkungen – es ist auch eines für de Ausweitung der Staffelzins-Regelungen.“

Berenberg: „In Südeuropa ist die Abhängigkeit von variabel verzinsten Krediten und Filialgeschäft besonders hoch“

„Banken stehen von vielen Seiten unter Druck: Sinkende Zinsen lasten auf den Zinsmargen, eine schwache Kreditnachfrage belastet die Erträge, die Risikovorsorge geht nach oben. Schon jetzt hat die Korrektur einen Rückgang der Gewinne von 15% eingepreist, und das klingt plausibel. In Südeuropa dürfte der Druck aufgrund der dortigen variabel verzinsten Kredite und wegen der hohen Abhängigkeit vom Filialgeschäft noch höher sein.

Allerdings sind die Konsenserwartungen an Banken für das Jahr 2020 mit 1,5% Ertragswachstum und unveränderten Kreditausfällen von 0,4 Prozent recht optimistisch. Gehen wir eher von einem Umsatzrückgang von einem Prozent aus und 0,5 Prozent Kreditausfällen, müssten die Gewinnschätzungen 35% sinken. Zur besseren Einordnung: In der Finanzkrise betrug der Rückgang 75%.“

DBRS Morningstar: „Italien ist das Problem“

„Der italienische Bankensektor wird negativ von der signifikanten Verlangsamung der italienischen Wirtschaft betroffen sein – vor allem im Norden des Landes, der die reichsten und produktivsten Regionen hat. Die Unsicherheit wird die Erträge der Banken belasten, da die Zinserträge unter niedrigeren Zinsen und sinkenden Kreditvolumina leiden – und auch die Gebühren und Kapitalerträge sinken aufgrund der scharfen Korrektur der Kapitalmärkte. Die Kreditausfälle und die Risikovorsorge dürften steigen.“

Scope: „Die Risiken lauern außerhalb des stark regulierten Bankensektors“

„Sollten wir tatsächlich in eine Finanzkrise schlittern (was nicht unser Basisszenario ist, ein kurzer, erschreckender Rückgang ist keine Krise), wären die Banken dieses Mal nicht die Bösen. Der schwachen Profitabilität zum Trotz haben sie recht ordentliche Metriken, einschließlich der Kapitalausstattung und Liquidität. Sie haben keine exzessiven Risiken im letzten Jahrzehnt aufgebaut. Mit diesem Wissen im Kopf, muss man sich vergegenwärtigen, dass Risiken eher außerhalb des stark regulierten Bankensektors aufgebaut wurden – am Anleihenmarkt, im Kreditgeschäft unter Nichtbanken – und dort die „Schuldenvielfache“ gestiegen sind und damit auch die systemischen Risiken.

Natürlich kann es M&A-Transaktionen auch in Zeiten von Stress geben, zum Beispiel wenn die Aufseher zu einer Fusion mit einem finanziell stärkeren nationalen (oder seltener: internationalen) Partner auffordert. Es ist aber zugleich nicht die richtige Zeit für Abenteuer, also Transaktionen, die zu weiteren Risiken führen. Übernahmen oder transformative Deals sollte man sich sparen.“

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