Exklusiv

Weniger Schalter, weniger Kassen: HVB baut Filialgeschäft um

8. Juni 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Die Hypo-Vereinsbank baut ihr Privatkundengeschäft um. So wird es laut Recherchen von Finanz-Szene.de in einem Großteil der aktuell noch rund 300 Filialen künftig keine Kasse mehr geben. An angeblich rund 60 Standorten wird darüber hinaus auch der Schalter abgeschafft. Ein Full-Service alter Prägung soll demnach nur noch in zentral gelegenen und entsprechend gut frequentierten Zweigstellen angeboten werden. Hier ist die Rede von rund 120 Standorten (wobei diese Zahl offenbar noch nicht final ist), die zu sogenannten „Flagship-Filialen“ aufgewertet werden. Weitere Standortschließungen sind keine geplant (wobei erinnert sei, dass die HVB im vergangenen Jahr öffentlich weitgehend unbemerkt rund 25 Zweigstellen abgebaut hatte); auch Stellen sollen keine wegfallen. Allerdings werden sich die Filialmitarbeiter im Zuge der Umstrukturierung neu auf „ihre“ Stellen bewerben müssen, ist zu hören.

Über das neue Filialkonzept hinaus wird im Massengeschäft die „Eins zu eins“-Betreuung aufgehoben. Normalkunden verlieren ihren festen Ansprechpartner und sollen stattdessen von sogenannten „Smart Banking“-Beratern betreut werden. Betroffen von der Maßnahme sind – jedenfalls als Faustformel – Kunden mit weniger als 75.000 Euro liquiden Mitteln. Allerdings macht die HVB bei diversen Kundenprofilen eine Ausnahme. Wer zum Beispiel über mindestens 25.000 Euro verfügt und vier oder mehr Produkte bei den Münchnern abgeschlossen hat, wird auch weiterhin „eins zu eins“ betreut. Dasselbe gilt etwa für Teilnehmer am Vorteilsprogramm „Valyou“.

„Wir reagieren auf das veränderte Verhalten unserer Kunden und wollen ihnen noch stärker als bisher flexible und nahtlos ineinandergreifende Möglichkeiten anbieten, ihre Bankgeschäfte zu erledigen. Der Filiale kommt dabei auch weiterhin eine wichtige Bedeutung zu“, teilte die Hypo-Vereinsbank gestern auf Anfrage von Finanz-Szene.de mit. Im Umfeld des Instituts wird betont, die Aufhebung der „Eins zu eins“-Betreuung führe keineswegs zu einer Verschlechterung im Service. Schließlich entfalle durch den „Smart Banking“-Ansatz auf den einzelnen Kunden nicht mehr nur ein einziger Ansprechpartner, sondern ein ganzes Team von Beratern. Dadurch sollen kürzere Wartezeiten und längere Verfügbarkeiten (nämlich wochentags von 8 Uhr bis 20 Uhr) erreicht werden.

Seit Jahren setzt die HVB auf „Omni-Channel“ – jetzt eben noch stärker

Die Hypo-Vereinsbank hatte 2014/2015 und damit früher als andere Institute ihr Filialnetz zusammengestrichen und auf damals noch relativ junge Konzepte wie Videoberatung gesetzt. Von rund 580 Standorten blieben seinerzeit nur etwa 340 übrig. Seitdem wurden vereinzelt zwar weitere Filialen geschlossen; zu einem neuerlichen Kahlschlag ist es aber nicht gekommen. Tatsächlich sieht es so aus, als hätte die HVB die rechtzeitige Transformation von der Filialbank zur „Omni-Channel-Bank“ besser hingekriegt als andere Großbanken. Die Geschäftszahlen jedenfalls lasen sich in den vergangenen Jahren solide, der operative Gewinn legte zwischen 2015 und 2020 um 48 Mio. auf 703 Mio. Euro zu, während die Cost-Income-Ratio um fünf Punkte auf 70% sank. Indes: Vom schwierigen Zinsumfeld kann sich auch die HVB nicht freimachen. So erodierte der Zinsüberschuss in der Privat- und Firmenkundensparte im ersten Quartal um 16% (!) auf nur mehr 352 Mio. Euro. Im Umfeld der Unicredit-Tochter wird vor diesem Hintergrund eingeräumt, dass bei den neuen Maßnahmen „auch der Sparaspekt eine Rolle spielt“.

Branchenkenner werten die Pläne so, dass die HVB versuchen dürfte, die einfachen Retailkunden noch stärker von der Filiale in die „Remote“-Kanäle zu lotsen; anders lässt sich mit dieser Klientel heutzutage kaum noch Geld verdienen. Mutmaßungen, im Zuge der Umstrukturierung könnten (über die teilweise Schließung von Kassen und Schaltern hinaus …) auch einfache Filial-Services gestrichen werden, wird im Umfeld des Instituts allerdings deutlich widersprochen: Niemand werde am Schalter abgewiesen, kein klassischer Filialkunde in andere Kanäle gedrängt.

Die Mitarbeiter sind über die Umstrukturierung bereits im Bilde; sie wurden in den vergangenen Wochen in entsprechenden Betriebsversammlungen informiert. Beraten wurde der Vorstand bei seinem Vorhaben von Boston Consulting, ist zu hören. Die Maßnahmen sollen überwiegend im vierten Quartal umgesetzt werden. Das ist insofern interessant, als der für die Umstrukturierung verantwortliche Privatkundenvorstand Jörg Frischholz zum 1. Januar seinen neuen Job als NordLB-Chef antreten wird. Innerhalb der HVB gilt es als wahrscheinlich, dass Frischholz die Umsetzung zwar noch einleiten, aber nicht mehr abschließen wird. Ein Problem sieht die Bank hierin aber nicht. Das entsprechende Projektteam umfasse rund 35 Mitarbeiter und könne den Umbau auch eigenständig durchziehen.

Nachdem der Frischholz-Wechsel zur NordLB Ende letzter Woche offiziell vermeldet worden war, erschient im HVB-Intranet gestern ein Interview mit dem Noch-Retailchef. Zumindest an einer Stelle nimmt Frischholz darin auch auf den „Smart Banking“-Ansatz Bezug:

„Es ist wichtig, dass wir meinen beabsichtigten Wechsel proaktiv kommunizieren – aber durch die Ankündigung bin ich ja noch nicht weg. In der Phase, in der meine Nachfolge geregelt wird und für die dann anschließende Übergabe bin ich weiterhin in Verantwortung, die ich auch vollumfänglich wahrnehmen werde. Mein Anspruch ist, bis zum Ausscheiden weiter mein Bestes zu geben und mich mit dem Management Team der PBK um alle Themen zu kümmern, die aufgegleist sind und eine hohe Wichtigkeit für die PBK haben – wie zum Beispiel das Thema Smart Banking.“

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