Exklusiv

Wertpapier-Boom treibt Ergebnis von HSBC Deutschland um 40%

2. März 2021

Von Christian Kirchner

HSBC Deutschland hat 2020 nach Informationen von Finanz-Szene.de den Nettogewinn verglichen mit dem Vorjahr um 29% auf 187 Mio. steigern können. Vor Steuern und Kosten für das Restrukturierungsprogramm fällt das Plus mit 40% auf 239 Mio. Euro sogar noch deutlicher aus. Grund des Anstiegs seien vor allem die Rekordvolumina in der Wertpapierabwicklung und im Handel mit Aktien und Derivaten sowie das Investmentbanking, teilte ein Sprecher auf Nachfrage mit.

Zuvor hatte Finanz-Szene.de im kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht 2020 des britischen Mutterkonzerns HSBC die Information entdeckt, dass der Gewinn der deutschen Einheit 2020 um ein Drittel auf 215 Mio. US-Dollar gestiegen sei und wie sich die Spartenergebnisse zusammensetzen. Damit konfrontiert lieferte die Düsseldorfer Bank die vorläufigen Zahlen in Euro, der Geschäftsbericht mit den testierten Zahlen folgt voraussichtlich im Frühjahr.

HSBC Trinkaus & Burkhardt, so der weiter formelle Name, kommt inzwischen auf 29 Mrd. Euro Bilanzsumme und ist vollständig im Besitz der britischen Mutter HSBC. Diese hatte dem Minderheitseigner LBBW vergangenes Frühjahr seinen Anteil von 19 Prozent abgekauft (Preis: unbekannt) und die verbliebenen knapp ein Prozent freier Aktionäre herausgedrängt (per „Squeeze Out“).

Wie bei vielen anderen Instituten in der bisherigen Berichtssaison (siehe hier und hier) zeigt sich wieder: Eine Bank weist um so stärkere 2020er Ergebnisse vor, je wichtiger das Provisionsgeschäft in ihrem Ertragsmix ist und je näher sie operativ am fulminanten Wertpapierboom agiert. Dieser hatte im November weiter Fahrt aufgenommen und laut neuesten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts 2020 knapp drei Millionen Deutsche neu zu Aktionären gemacht. Und Bestandskunden handeln schlicht immer mehr. Gut für HSBC Deutschland, das unter anderem die Wertpapier-Transaktionen für den Neobroker „Trade Republic“ abwickelt.

HSBC Deutschland erhöht Risikovorsorge um 80%

So steht bei dem Institut das Provisionsgeschäft für 55% der 2020 auf den Rekordwert von 888 Mio. Euro gestiegenen Erlöse. In absoluten Zahlen betrug es 494 Mio. Euro und damit 9% mehr als im Vorjahr, getrieben von einer Verdreifachung bei den abgewickelten Wertpapier-Transaktionen auf 232 Millionen. Das Zinsergebnis entwickelte sich stabil, es sank nur minimal von 228 Mio. Euro (2019) auf 227 Mio. Euro. Die Risikovorsorge kletterte um gut 80% auf 84 Mio. Euro, die Cost-Income-Ratio sank unbereinigt auf 71% (bereinigt auf 65%). Die Eigenkapitalrendite betrug knapp 8%, wie der Sprecher mitteilte. Im vergangenen Jahr hatte das Geldhaus eine Restrukturierung begonnen, in deren Zuge 300 von 3100 Stellen abgebaut werden sollten.

Die vorläufigen Zahlen sind ein weiteres (siehe hier) Indiz, dass die Briten bei der seit über einem Jahrzehnt diskutierten Übernahme des 19%-Anteils der LBBW 2020 ein gutes Timing bewiesen haben – und umgekehrt die LBBW beim Verkauf ein nicht ganz so gutes. Als die Transaktion Ende Mai 2020 bekannt gegeben wurde, war allerdings noch nicht absehbar, wie stark der damals erst in seinen Anfängen stehende Wertpapierboom tatsächlich sein würde, der HSBC Deutschland dann so zugute kam. Selbst im August kündigte das von Vorstandssprecherin Carola von Schmettow geführte Institut für 2020 noch ein leicht rückläufiges Ergebnis gegenüber 2019 an – heraus gekommen ist nun ein deutlicher Anstieg.

Preisfrage: Unmittelbar vor dem Verkauf des Aktienpakets notierte die damals noch frei gehandelte HSBC-Trinkaus-Aktie bei 41,50 Euro, mithin war die Düsseldorfer Bank damals mit 1,4 Mrd. Euro bewertet – im Herbst waren es dann, gemessen an der damals vorgelegten Squeeze-out-Offerte, schon 2,4 Mrd. Euro. Wie hoch die Zahl wohl heute wäre?

Deutsche HSBC macht ernst – und schließt Standorte

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