Analyse

Wie die Deutsche Bank ihr Refi-Kosten markant gesenkt hat

4. Februar 2020

Von Christian Kirchner

Es gibt Stimmen am Kapitalmarkt, die besagen, die Deutsche Bank werde schon eine ganze Weile nicht mehr im Sinne der Aktionäre geführt. Sondern im Sinne der Anleihengläubiger. Ein bröckelnder Aktienkurs ist schließlich lästig – aber verschmerzbar. Taumeln dagegen die Anleihenkurse, so könnte dies bei einer Institution mit einer Bilanzsumme von 1300 Mrd. Euro tatsächlich zu Problem werden. Denn dann steigen die Refinanzierungskosten. Und dann würde es richtig schmutzig.

Nur zur Erinnerung: Als die Deutsche Bank 2016 tatsächlich in eine Schieflage zu geraten drohte, lag dies am Verfall der Anleihen und hier besonders der Nachrangpapiere. Nicht am Verfall der der Aktien.

Was bergab gilt, das gilt freilich auch bergauf. Zwar haben sich die Anteilsscheine der Deutschen Bank von ihrem 60-Jahres-Tief im vergangenen Jahr ein wenig erholt; seit Jahresbeginn legten die Papiere um 20% zu. Viel mehr Wirkung entfalten der Sewing’sche Strategieschwenk und die internen Aufräumarbeiten indes bei den Anleihen bzw. bei den Refi-Kosten. Schon die Bilanz-PK letzte Woche gab darauf einen Hinweis. Denn warum sonst ist der Zinsüberschuss im vergangenen Jahr wohl um 4%? Und warum sonst kraxelte sogar die Zinsmarge von 1,4% auf 1,5%?

Gestern nun hat die Deutsche Bank ihren Finanzierungsbedarf für 2020 öffentlich gemacht – und quasi erklärt, dass sie den „Scholz“ machen will. Heißt: Das Institut will deutlich mehr Anleihen und Verbindlichkeiten tilgen, als netto ausgegeben wird. Es ist im Grunde das, was Finanzminister Olaf Scholz bzw. sein Vorgänger Wolfgang Schäuble schon seit Jahren tun. Konkret plant die Deutsche Bank die Ausgabe neuer Anleihen im Umfang von 15 bis 20 Mrd. Euro. Demgegenüber sollen 32 Mrd. Euro Tilgung stehen. Macht also eine Nettotilgung von näherungsweise 12 bis 17 Mrd. Euro (wobei in die tatsächliche Refinanzierungslage noch andere Faktoren hineinspielen).

Kann sich die Deutsche Bank das leisten? Kurz gesagt: Sieht so aus. Das inzwischen etwas defensivere Geschäftsprofil zum Beispiel erfordert einen geringeren Refi-Bedarf. Zudem senkt die Bank momentan bewusst ihre bislang sehr allzu üppige Liquiditäts-Ausstattung. Eine entscheidende Rolle spielen auch die Einlagen. Die nämlich machen inzwischen 61% der Liquidität aus – vor zwei Jahren waren es erst 53%. Das Gute hieran: Einlagen werden regulatorisch privilegiert und sind zur Refinanzierung letztlich günstiger als der Kapitalmarkt. So hilft der Zinsrutsch auf Spar- und Giroeinlagen (über den Umweg des Treasurers) der Deutschen Bank also, ihre Kosten zu senken – auch wenn das Zinstief dem Geldhaus an anderer Stelle fraglos sehr, sehr wehtut.

Wie genau sich die Refinanzierungs-Situation der Deutsche Bank verbessert hat, lässt sich exemplarisch (und überschlägig) an einer 2028 fälligen Anleihe des Instituts (ISIN: DE000DL19T26) ablesen. Aktuell notiert das mit einem Kupon von 1,75% p.a. ausgestattete Papier bei einem Kurs von 103,52. Das entspricht einer Rendite von 1,3% pro Jahr. Heißt: Aktuell könnte sich die Deutsche Bank unbesichert frisches Geld bei Anleihengläubigern über acht Jahre (also bis 2028) zu einer Rendite von rund 1,3% pro Jahr leihen. Im Vergleich zu Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit (die derzeit mit -0,54% p.a. rentieren) entspricht das einem Risikoaufschlag von gut 1,8 Prozentpunkten.

Zum Vergleich: Ende 2018 lag die Rendite für dieselbe Deutsche-Bank-Anleihe noch bei 3,3%. Dagegen wurden Bundesanleihen mit identischer Laufzeitung damals zu einer Rendite von 0,2% gehandelt. Heißt: Damals betrug der Spread noch rund 3,1 Punkte. Oder anders gesagt: Die Deutsche Bank kann sich heute um 2 Prozentpunkte billiger refinanzieren als noch im Herbst 2018. Zugegeben: Davon gehen 0,7% auf den Rückgang des allgemeinen Zinsniveaus. Satte 1,3 Prozentpunkte sind allerdings der Verbesserung der Kreditwürdigkeit zuzuschreiben. Wow. Und: Besicherte Anleihen kann die Bank heute sogar zu Negativzinsen emittieren.

Was die Refinanzierungs-Kosten angeht, ist die Deutsche Bank somit aus dem Gröbsten raus – ein Anleihe-Analyst gratulierte in der gestrigen Telefonkonferenz sogar zur einer „herausragenden Leistung“.

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