Analyse

Wie die DZ Bank jenseits ihres Rekordgewinns performt hat

30. August 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Es ist nicht ohne Ironie: Jene beiden deutschen „Banken“, die in den vergangenen Jahren die durchweg höchsten Ergebnisse ausgewiesen haben (also VWFS und DZ Bank) – sie sind bei Lichte betrachtet gar keine Banken. Sondern: ein Autofinanzierer, der sein Geld (abgesehen von Krediten) mit Versicherungen und Leasing verdient. Sowie ein Finanzkonglomerat, das sein Geld (abgesehen von Peanuts) mit seiner Versicherungstochter und einem Fondsanbieter verdient.

Wobei: Ist’s am Ende nicht wurscht, wo das Geld herkommt? Und ist eine gewisse Kapitalmarktabhängigkeit nicht geradezu ein Segen, jetzt, da sich am Kapitalmarkt endlich wieder Geld verdienen lässt (und sei’s mittels ein paar schnuckeliger Bewertungseffekte …).

Jedenfalls: Es gibt nichts, liebe DZ Bank, wofür Du Dich genieren müsstest. 1,8 Mrd. Euro Rekordgewinn sind 1,8 Mrd. Euro Rekordgewinn!!! Gleichwohl: Auf jene Segmente, aus denen dieses H1-Ergebnis eben gerade nicht kommt, (sprich: aufs Bankgeschäft) müssen wir natürlich trotzdem mal gucken. Hier sämtliche DZ-Bank-Sparten im Kurz-Check:

Schwäbisch-Hall: 54 Mio. Euro (-28%)

Bausparen lohnt nicht mehr, jedenfalls nicht aus Sicht des  Anbieters und also auch nicht aus Sicht der DZ Bank. Eine simple Zeitreihe zu den Halbjahres-Ergebnissen der Schwäbisch-Hall verdeutlicht dies:

H1-Ergebnis in Mio. €
2016 151
2017 203
2018 172
2019 149
2020 75
2021 54

R+V Versicherung: 482 Mio. Euro (+372%)

Die Geschäftszahlen der zweitgrößten deutschen „Bank“ (also der DZ Bank) sind in Wirklichkeit die Geschäftszahlen eines stark vom Kapitalmarkt abhängigen Finanzkonglomerats. Oder anders gesagt: Geht’s der R+V Versicherung gut, geht’s in aller Regel auch der DZ Bank gut.  Und wann geht’s der R+V gut? Wenn’s ihrem Kapitalanlage-Ergebnis gut geht. So wie dieses Jahr (nach dem corona-bedingten Einbruch im ersten Halbjahr 2020)


Teambank: 84 Mio. Euro (+71%)

Auch der erfolgsverwöhnte Konsumenten-Finanzierer der DZ Bank hatte im vergangenen Jahr die Corona-Krise zu spüren bekommen (Risikovorsorge …). Dieses Jahr? Sieht’s (weniger Risikovorsorge …) ergebnistechnisch wieder besser aus. Das Neugeschäft allerdings entwickelt sich weiterhin mau. Rund 1,5 Mrd. Euro waren’s. Das entspricht zwar ungefähr dem Vorjahresniveau. Bleibt aber weit hinter dem vor Corona schon mal erreichten Level (2019 waren es gut 1,8 Mrd. Euro) zurück.


Union Investment: 825 Mio. Euro (+213%)

Hatten wir weiter oben angedeutet, die DZ-Bank-Zahlen seien eine Ableitung der R+V-Zahlen? Nun, das natürlich auch. Den größeren Einfluss auf das DZ-Ergebnis hat aber mittlerweile sogar die Union Investment. Und die hat (wie bereits berichtet) im ersten Halbjahr mal wieder mächtig Dampf gemacht beim Vertrieb. Der Nettoabsatz? Sowohl bei institutionellen Kunden (14,7 Mrd. Euro) als auch bei Privatkunden (9,7 Mrd. Euro) signifikant gestiegen. Der Lohn, wie zitieren die gestrige Präsentation zu den H1-Zahlen: „Sehr gute Ergebnisentwicklung infolge der erfreulichen operativen Entwicklung (volumen- und performance-abhängige Erträge).“ Dass noch ein paar Bewertungseffekte on top kamen – geschenkt.


DVB Bank: 70 Mio. Euro (vgl. mit minus 228 Mio. Euro)

Huch, das ewige Sorgenkind der DZ Bank erwirtschaftet Gewinn? Naja, „erwirtschaftet“ in An- und Abführung. Es gab positive Bewertungseffekte, zudem wurde Risikovorsorge nicht etwa gebildet (jedenfalls nicht netto), sondern sogar aufgelöst. Fast wichtiger: Das Kundenkreditvolumen ist mittlerweile auf 2,5 Mrd. Euro heruntergeschrumpft. Zum Vergleich: Vor dreieinhalb Jahren waren es noch fast 20 Mrd. Euro. Sprich: Der Abwicklung Eingliederung in den Mutterkonzern steht nichts mehr im Wege.


DZ Bank – Verbundbank: 218 Euro (-24%)

Ein Gewinnmonster wird die eigentliche DZ Bank (also die mit dem Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft und dem Verbundgeschäft für die Genogruppe) nicht mehr. Der Gewinnrückgang im Vergleich zum H1? Wurde gestern glaubhaft mit „Belastungen im Handelsergebnis aufgrund von Bewertung Eigenemissionen“ begründet. Operativ betrachtet scheint’s dagegen zu laufen. So sei das kombinitierte Zins- und Provisionsergebnis um 115 Mio. Euro gestiegen. TLTRO?


DZ Hyp: 287 Mio. Euro (+171%)

Auch hier ursächlich für den Aufschwung: Bewertungseffekte. Genauer: im Staatsanleihen-Portfolio. Doch davon abgesehen scheint die DZ Hyp auch in ihrem operativen Kerngeschäft – sprich: in der (in erster Linie gewerblichen) Immobilienfinanzierung – wieder mehr Dampf zu machen. Das Neugeschäft mit Firmenkunden legte von 3,0 Mrd. auf 3,7 Mrd. Euro zu, bei Privatkunden weist die DZ Hyp sogar 1,4 Mrd. Euro Neugeschäft aus – verglichen mit nur  0,8 Mrd. Euro vor einem Jahr.


DZ Privatbank: 19 Mio. Euro (-30%)

Die Privatbank der DZ bleibt ein „Privatbänkchen“. Kundengelder im Umfang von 21,8 Mrd. Euro verwaltet das Institut inzwischen, im Vergleich zum Jahresende 2020 ein Plus von 9%. Gemessen an der Kursentwicklung an den Märkte (der Dax stand per 30. Juni mit 14% im Plus) nicht wirklich beeindrucken. Derweil der Ergebnisrückgang? Nur bedingt aussagekräftig. Auch hier: Sondereffekte.


VR Smart Finanz: 0 Mio. Euro (vgl. mit -24 Mio. Euro)

Was, bitteschön, ist denn da los? War die VR Smart Finanz (also die einstige, aus der Schieflage wieder aufgerichtete VR Leasing) mit ihrem digitalen Gewerbekundenkredit „VR Smart flexibel“ nicht die neue Lieblings-Tochter des Konzerns? Mmmhhh. Das Neugeschäftsvolumen ist im ersten Halbjahr jedenfalls regelrecht eingebrochen auf nur 432 Mio. Euro (Vorjahr: 738 Mio. Euro). Nun muss man 1.) in Rechnung stellen, dass es im Vorjahr einen Sondereffekt durch Corona-Förderkredite gab; und 2.) muss man in Rechnung stellen, dass besagter „VR Smart flexibel“ damals vorübergehend eingestellt worden war zugunsten eines eigens wegen Corona aufgelegten „VR Smart flexibel Förderkredits“ – und dass der Normalkredit dann erst langsam wieder hochgefahren wurde. Und doch: Selbst verglichen mit der Vor-Corona-Zeit (Neugeschäft im H1 2019: 647 Mio. Euro) wirken die 432 Mio. Euro irgendwie mau.


DZ Bank – Holding-Funktion: -139 Mio. Euro (-12%)

Und was macht jene Position, in der die DZ Bank die Kosten für ihr Holding-Dasein ausweist (weil man’s ansonsten in der Verbundbank ausweisen müsste, was optisch nicht so toll wäre?): minus 139 Mio. Euro. Wir zitieren nochmals die Präsentation: „Ergebnis vor Steuern geprägt durch einen Anstieg im Sachaufwand (i.W. Bankenabgabe).“


Und hier nochmal die Übersicht für den DZ-Bank-Konzern als Ganzes:

… und die GuV:

in Mio. Euro 1. Halbjahr 2020 1. Halbjahr 2021 Veränderung in
%
Zinsüberschuss 1.505 1.423 – 5%
Provisionsüberschuss 1.052 1.596 + 52%
Handelsergebnis 539 0 – 100%
Ergebnis aus Finanzanlagen -15 37 > 100%
Sonstiges Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten -247 203 > 100%
Ergebnis aus der Ausbuchung von finanziellen Vermögenswerten 7 6 – 14%
Ergebnis aus dem
Versicherungsgeschäft
124 522 > 100%
Risikovorsorge -522 114 > 100%
Verwaltungsaufwendungen -2.016 -2.142 + 6%
Sonstiges betriebliches Ergebnis 130 73 – 44%
Konzernergebnis vor Steuern 557 1.832 > 100%
Ertragsteuern -185 -524 > 100%
Konzernergebnis 372 1.308 > 100%
Aufwand-Ertrags-Relation (in %) 65,1 55,5 -9,6 pp

Cornelius Riese … über die Transformation der DZ Bank

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