Analyse

Wie Klaus Kaldemorgen die DWS rettet – und die Deutsche Bank

30. Januar 2020

Von Christian Kirchner

In neun Monaten erreicht DWS-Urgestein Klaus Kaldemorgen das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Und spätestens seit gestern steht fest: Ob Kaldemorgen dann Kreuzfahrten macht oder ob er stattdessen weiter seinen Fonds verwaltet, ist eine für die DWS und deren Mutter Deutsche Bank kapitalmarktrelevante Frage. Der ewige Kaldemorgen nämlich hat der DWS nicht weniger als das zurückliegende Jahr gerettet, wie ein näherer Blick in die gestern veröffentlichten 2019er-Zahlen offenbart.

Doch der Reihe nach, zunächst Eckpunkte des DWS-Ergebnisses in vier Bullet Points:

  • Die Marge sinkt weiter, und zwar von 30,6 im Vorjahr auf nur mehr 29,6 Basispunkte (Sie wissen schon: wegen ETF-Wachstum und Preiskrieg …); allein aufs Q4 bezogen waren es nur noch 28,9
  • In der ETF-Sparte macht die DWS nur noch 19 Basispunkte Marge per Ende 2019 nach 22 Basispunkten Ende 2019 – was das Ausmaß des Preiskriegs illustriert
  • Die Kosten sind im Gesamtjahr bereinigt nur um einen Prozentpunkt gesunken. In absoluten Zahlen heißt das: von 1.633 Mio. Euro auf 1.615 Mio. Euro.
  • Die Nettozuflüsse in aktiv verwaltete und somit margenstarke Produkte betrug im Gesamtjahr nur gut 9 Mrd. Euro  – wobei das „nur“ gemessen ist an der dreiviertel Billion verwaltetem Vermögen, aber immerhin einen Abwärtstrend bricht.

Alles in allem also ein durchwachsenes Geschäftsjahr, sollte man meinen. Indes: Warum steht bei der DWS dann ein fettes Plus beim Gewinn vor Steuern? Der nämlich summiert sich 2019 auf 776 Mio. Euro, wobei es im Q4 ein Anstieg von 56% (!!!) auf 266 Mio. gab. Und das ist ja nicht die einzige starke Zahl. Die Cost-Income-Ratio zum Beispiel fiel auf 68% und liegt damit endlich, endlich mal unter der selbst gesteckten Zielmarke (die da lautet: unter 70%).

Die Erklärung für all das (mal abgesehen vom Bullenmarkt, der Asset-Basis, die den Gebühren zugrundeliegt, um rund 100 Mrd. Euro auf 767 Mrd. Euro zu steigern)? Heißt: Kaldemorgen!

Dessen bescheidenerweise nach ihm selbst benannte Parade-Fonds „DWS Concept Kaldemorgen“ verwaltet inzwischen 11,4 Mrd. Euro. Die Anleger – jedenfalls die in den Retail-Tranchen und auch einigen institutionellen – berappen hierfür nicht nur laufende Kosten von 1,55%. Sondern in dem meisten Anteilsklassen on top noch eine erfolgsabhängige Vergütung. Und zwar schon bei jedwedem Zuwachs, fällig sind nämlich 15% der Überrendite über dem Geldmarktzinssatz. Und der steht aktuell bei -0,45%. Im Prinzip ist also jeder erneute Kursgewinn über alte Kurshochs hinweg ein „Erfolg“, der die erfolgsabhängige Gebühr fließen lässt. Anders gesagt: Die Hürde, die Kaldemorgen überspringen muss, damit extra Geld fließt, ist praktischerweise im Boden verbuddelt.

Das Konstrukt macht den „DWS Concept Kaldemorgen“ samt des fleißigen Vertriebs zu einer Cashcow. Im abgelaufenen Jahr gewann der Fonds 12,2% an Wert. Entsprechend flossen erfolgsabhängige Gebühren je nach Tranche zwischen 0,9 und 1,6% p.a. des Vermögens an die DWS – und das zusätzlich zu den laufenden Gebühren. Daher dürfte das Haus  grob überschlägig einen hohen zweistelligen Euro-Millionenbetrag alleine aus den Performance-Fees zum Jahresende vereinnahmt haben. Und die werden über die dafür fälligen Extra-Vergütungen für die Manager hinaus sofort gewinnwirksam – Performance-Fees sind der Traum jedes Managements. Das geht auch aus der gestrigen Mitteilung der DWS hervor, die den Ertragszuwachs im vierten Quartal 2019 zum Vorquartal (Q3/2019) mit 127 Mio. Euro angibt – „hauptsächlich aufgrund signifikanter Performancegebühren, die im Active-Geschäft mit Multi-Asset-Fonds – namentlich DWS Concept Kaldemorgen – erzielt wurden.“

All das wird natürlich auch bei der Deutschen Bank wohlwollend zur Kenntnis genommen – war doch das Asset Management (also die DWS) am gestrigen Bilanztag die einzige Sparte, die die Analystenerwartungen klar schlug. Immerhin: Die Deutsche-Bank-Aktie stieg gestern um 4,2% auf 8,31 Euro, seit dem Jahreswechsel haben die Papiere nun schon 20% gewonnen.

Und die DWS-Aktie? Legte 6,0% zu und notiert mit 35,60 Euro nun auf dem höchsten Stand seit dem Börsengang 2018, als die Aktien von der Deutschen Bank (die immer noch 80% an der DWS hält) zu 32,50 Euro platziert wurden.

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