Analyse

Wie sicher sind die Kreditbücher unserer Banken? (II)

16. April 2020

Von Christian Kirchner

(Falls Sie Teil I verpasst haben – den gibt es hier)

Sparkassen-Finanzgruppe

Die Sparkassen sind der klar größte Kreditakteur in Deutschland: Mehr als jeder dritte für private Baufinanzierungen sowie knapp jeder dritte als Firmenkredit ausgereichte Euro stammt von den Kommunalinstituten. Dabei haben die Sparkassen ihre Marktposition in den vergangenen Jahre mit viel Neugeschäft zu verteidigen gesucht. Ein Überblick:

  • Das Exposure gegenüber Unternehmen stieg 2019 um 5,7% auf 444 Mrd. Euro. Bei privaten Krediten ging es um 4,3% auf 367 Mrd. Euro aufwärts. Wie groß das Rad ist, das die Sparkassen drehen, zeigt sich vor allem im privaten Wohnungsbaugeschäft. Hier legte das Kreditneugeschäft um 17% zu.
  • Die Sparkassen haben sich mit dieser Kreditpolitik in ein Spannungsfeld begeben: Einerseits gilt der Verbund als grundsolide, da passivseitig größtenteils mit Einlagen gearbeitet wird und ein komplexes System der wechselseitigen Sicherungen besteht. Folge: Mit Noten von  A+ (Fitch) bzw. Aa2 (Moody’s) kommt der Verbund nach der Logik der Ratingagenturen auf Bestnoten …
  • … andererseits scheinen einzelne Sparkassen geradezu prädestiniert, durch die Corona-Krise in eine Schieflage zu geraten. „Die regionale Ausrichtung (…) könnte (…)  zu einem übermäßigen Exposure in Bezug auf regionale Schlüsselbranchen, größere Kreditnehmer oder zu große und schlecht geführte öffentliche Projekte führen“, orakelte Fitch schon im Sommer 2019. Zuletzt konnte man den Eindruck gewinnen, Bafin-Chef Felix Hufeld sehe das ähnlich. Ohne konkret auf Institut bzw. Institutsgruppen einzugehen, sprach er im Interview mit der „FAS“ Ende März von Banken, die „beispielsweise durch regionale Positionierung oder durch eine sehr starke Exponiertheit gegenüber besonders betroffenen Branchen (…) in ganz erheblichem Maße in Mitleidenschaft gezogen werden könnten“.
  • Ein weiteres Warnsignal: Auch den Ausblick für die Gruppe setzte Fitch jüngst auf  „negativ“. Begründung: drohende Kreditausfälle.

LBBW

Wie sieht es eigentlich bei der Bank aus, die letztes Jahr angekündigt hatte, ihre Kredite im Automobilbereich „maßvoll“ reduzieren zu wollen, um einem Klumpenrisiko vorzubeugen?

  • Mit Blick auf den kürzlich veröffentlichten 2019er-Geschäftsbericht (siehe hier) gibt es dazu eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die LBBW hat nicht nur über eine Reduktion gesprochen, sondern sie auch umgesetzt. Das sogenannte „Netto-Exposure“ gegenüber dem Automobilsektor sank um 1,7 Mrd. Euro.
  • Die schlechte: Es sind immer noch 11,9 Mrd. Euro und damit 15% aller LBBW-Unternehmenskredit. Hinzu kommen vermutlich noch  versteckte Kumpenrisiken (Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, die von der Autobranche abhängig sind; Häuslebauer, die bei Daimler oder irgendeinem Zulieferer beschäftigt sind …), so dass die bloßen „15%“ die Abhängigkeit vermutlich nur zum Teil abbilden. Nicht umsonst im Geschäftsbericht davon die Rede, die „Einzelbranche Automobil“ sei eine „aus Portfoliosicht bedeutende Unternehmensbranche“ und werde daher „intensiv unter dem Aspekt der Steuerung von Branchenkonzentrationen überwacht“
  • Es gibt noch einen weiteren Klumpen und somit eine weitere potenziell schlechte Nachricht: Auf „Handel und Konsumgüter“ entfallen sogar 16% des Kreditbuchs.
  • Bezogen auf die Kreditqualität (bei der nicht nach Sektoren differenziert wird), hat sich in der internen Rating-Klassifizierung der Anteil von Krediten im Sub-Investmentgrade-Bereichs samt Non-Performing-Loans im vergangenen Jahr leicht reduziert, und zwar von 11,1% auf 10,6% des Portfolios.
  • Noch eine Auffälligkeit: Insgesamt 20 Kredite haben ein Volumen von 1 Mrd. Euro oder mehr. Wenn man so will: Mega-Kredite, die auch konsequenterweise nur große Banken stemmen können. Es handelt sich allerdings um 19 Adressen mit sehr guter Bonität, eine der zweitbesten.

Unterm Strich: Hoffentlich braut sich das nicht was zusammen …

Genobanken

„Oh nein, Volksbanken legen imposantes Kreditwachstum hin“, titelten wir Mitte März mit allenfalls halber Ironie, als der BVR die 2019er-Zahlen des genossenschaftlichen Bankensektors vorlegte. Weil wir nicht alles wiederholen wollen, was wir seinerzeit schon geschrieben haben (sie können ja einfach auf den damaligen Artikel klicken), belassen wir es bei einer kurzen Zusammenfassung:

  • Kredite an Privatkunden: +5,1% auf 305 Mrd. Euro
  • Krediten an Firmenkunden: +6,8% auf 290 Mrd. Euro
  • Forderungen an Nichtbanken insgesamt: +6% auf 626 Mrd. Euro
  • Durchschnittliches jährliches Wachstum des Kreditbestands zwischen 2014 und 2019: +5,4%

Oh nein!

BayernLB

Mit einem Brutto-Buchwert von 280 Mrd. Euro hat die BayernLB den höchsten Kreditbestand aller Landesbanken. Wirklich tief hineinblicken in ihr Kreditbuch lassen sich die Münchner allerdings nicht. Ein oberflächlicher Blick:

  • Rund 74 Mrd. (26%) des Exposures entfallen auf Firmenkunden, 55 Mrd. (20%) flossen in Gewerbeimmobilien. Der Rest entfällt auf die öffentliche Hand, Finanzinstitutionen und Retail-Kredite. Die Besicherungsquote liegt bei rund 24%.
  • Rund 178 Mrd. oder 64% der Kredite entfallen auf Kredit der höchsten (=sichersten) Ratingstufen, lediglich 13% auf Kredite im Nicht-Investmentgrade-Bereich. Aber wie bei anderen Instituten auch sind das Ratings der Prä-Corona-Zeit.

DZ Bank

Auch bei der DZ Bank gibt der Geschäftsbericht nicht viel her. Allerdings sind wir auf eine Kreditoren-Präsentation gestoßen, die zumindest ein paar Rückschlüsse erlaubt:

  • Die Kredite sind stark auf Deutschland fixiert (82% aller Volumina). Allein letztes Jahr ging es hierzulande überdurchschnittlich um 7% hinaus auf 328 Mrd. Euro.
  • Rund 60% der Kredite entfallen auf die öffentliche Hand sowie auf Finanzinstitute (womit unserer Vermutung nach v.a. Volks- und Raiffeisenbanken gemeint sind, die Exposure an das Zentralinstitut abtreten)
  • Der „Non Investment-Grade“-Anteil beträgt rund 21% am Portfolio – und das, obwohl die Bank als Gruppe besonders im sogenannten maritimen Portfolio der Schiffs- und Offshore-Finanzierungen die Volumina 2019 um 2,8 Mrd. auf 7,2 Mrd. Euro abgebaut hat. „Notleidende“ Kredite machten per Ende letzten Jahres noch immer unschöne 4,5 Mrd. Euro aus.
  • Die Emittentenratings der DZ Bank sind weiterhin sehr stark: „Aa1“ urteilt Moody’s, „AA-“ heißt es bei Fitch

Comdirect

Irgendwie gehen wir hier bei Finanz-Szene.de nur dann zufrieden ins Bett, wenn wir uns auch die Comdirect angeschaut haben – auch wenn die Comdirect alles andere als eine klassische Kreditbank ist. Und in der Tat: Ein bisschen was findet sich auch hier:

  • Nach dem Einstieg ins Ratenkredit-Geschägft 2016 liegt das Volumen inzwischen (d.h.: per Ende 2019) schon bei 203 Mio. Euro zu.
  • In der Folge stiegen die gesamten Forderungen an Kunden zuletzt auf 766 Mio. Euro an (plus 21% in 2019).

Alles nicht kriegsentscheidend. Aber: Auch die Comdirect ist nicht ohne Kreditrisiken.

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