Wussten Sie schon?

Wie „unser“ Herr Borgwerth der BayernLB 90 Mio. Euro rettete

13. Januar 2021

Von Christian Kirchner

Wussten Sie schon … dass „unser“ Finanz-Szene.de-Analyst Thomas Borgwerth die BayernLB im Zusammenhang mit Wirecard vor einem Kreditausfall in beträchtlicher Höhe bewahrt hat? So um die 90 Mio. Euro (wenn man eine etwa 90%-ige Ausfallquote zugrundelegt, wie es bei anderen Banken der Fall war). Wenn nicht sogar noch deutlich mehr …

Ha!, das glauben Sie uns jetzt nicht, stimmt’s? Beziehungsweise: Zumindest mal halten Sie das für eine unserer üblichen Übertreibungen bzw. Zuspitzungen, richtig? Okay, okay: Zugespitzt haben wir ein bisschen. Aber in der Substanz hat sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen. Hier kommt sie:

Dass die BayernLB als eine der wenigen deutschen Banken bei Wirecard auf der skeptischen Seite war, hatte Mitte letzten Jahres (wenige Tage nach dem Zusammenbruch) bereits das „Handelsblatt“ (Paywall) vermeldet. „Wir hatten Kreditanfragen von Wirecard, aber wir haben das Geschäft einfach nicht verstanden“, zitierten die HB-Kollegen einen anonymen Beteiligten. Ein anderer raunte, der BayernLB seien „Bedenken vom Markt entgegengetragen“ worden.

Naja, liebe bayerischen Landesbanker, dachte wir damals: Kann ja jeder behaupten. Jetzt, wo Wirecard pleite ist.

Jedenfalls, die Geschichte geriet so ein bisschen in Vergessenheit. Bis sich dieser Tage der „Spiegel“ der Angelegenheit annahm, siehe den sehr zur Lektüre empfohlenen Artikel „Wirecard und die Fanboys in den Banken“ (Paywall). Kurz zusammengefasst: Bei dem „Spiegel“-Stück handelt es sich zwar um eine Abrechnung mit der deutschen Finanzbranche und deren Umgang mit Wirecard. Eine Bank allerdings wird von der Generalkritik explizit ausgenommen – nämlich besagte BayernLB.

Auszug:

„[…] Und doch beschloss die [BayernLB] am 23. März 2018, dem Zahlungsabwickler […] keinen Kredit mehr zu geben. Die Begründung, die die Kreditanalystin Daniela Bauer später [Anm.: das war im Oktober 2018] in einer [internen] E-Mail niederschrieb, liest sich wie eine Zusammenfassung all dessen, was den Fake-Konzern kennzeichnete. Wirecards Geschäftsmodell sei verwundbar und genau wie seine Bilanzstruktur ’nicht vollständig zu durchdringen‘, heißt es in dem Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt. Das Unternehmen drehe ‚ein großes Rad“, setze auf ‚Wachstum auch auf Kosten der Marge‘, agiere in einem undurchsichtigen Markt und leide unter ‚Strukturdefiziten‘.“

Zum Verständnis: Die BayernLB hatte den damaligen E-Mails zufolge (auch uns liegt der Schriftverkehr inzwischen vor) bis 2018 tatsächlich zu den Kreditgebern Wirecards gehört. Als der Payment-Spezialist allerdings eine neue Finanzierung anstrebte mit Ticketgrößen von nunmehr mindestens 150 Mio. Euro je Institut, winkte die BayernLB dankend ab. Das war im März 2018.

Final entschieden war die Sache damit allerdings noch nicht, so scheint es. Wirecard signalisierte, sich auch mit weniger Geld – nämlich 100 Mio. Euro – zufriedenzugeben, und offensichtlich kam die Kreditanfrage im Herbst 2018 dann tatsächlich noch einmal auf die Tagesordnung der BayernLB. Was dann besagte E-Mail der Kreditanalystin Bauer erforderlich machte, in der Frau Bauer noch einmal zusammenfasste, welche Argumente schon im März gegen Wirecard gesprochen hätten und jetzt immer noch gegen Wirecard sprächen.

Und hier kommt nun Herr Borgwerth ins Spiel. Denn auf wen bzw. worauf berief sich Frau Bauer in ihrer internen E-Mail? Genau! Unter anderem und explizit auf die beiden (die Hörer unseres dreiteiligen „Wirecard-Podcast-Spezials“ werden sich erinnern) Wirecard-kritischen Tiefenanalysen im „Manager Magazin“ 2017 und bei „Finanz-Szene.de“ 2018, die beide im Kern auf damaligen Ausarbeitungen Borgwerths beruhten.

Ungekürzter Auszug aus der Bauer-Mail:

„Schon mehrmals standen Vorwürfe bzgl. „unseriöser“ Geschäftspraktiken, Bilanzundurchsichtigkeit, Kursmanipulation, Geldwäsche oder Betrug im Raum, die Wirecard stets als unwahr zurückgewiesen hat. In Q2/2017 auch in seriöser Quelle (Manager-Magazin). Dortige Vorwürfe: Undurchsichtigkeit bei Tochtergesellschaften in Dubai und Dublin (verbunden mit „ominösen“ Forderungsposition), Zweifel an Cash-Flow-Rechnung und Substanz der Indien-Akquisition […] In 09/2018 Artikel in Finanz-Szene.de: Warum rd. 4x so viel Marge wie der vergleichbare Wettbewerber Adyen? Für Autor trotz umfangreicher Recherchen rätselhaft.“

Nun sei mal dahingestellt, ob es die Borgwerth-Analysen waren, die in letzter Konsequenz den Ausschlag gaben, Wirecard keinen Kredit zu geben. Wobei: Genau so liest es sich!

Drum, sagen wir es einfach mal so: Sollte der 2018 amtierende BayernLB-Chef Riegler oder der heutige Chef Winkelmeier das dringende Bedürfnis verspüren, mal ein gutes Fläschchen Wein auf Reisen zu schicken …

… auf der Homepage der Borgwerth Consulting (www.bowecon.de) findet sich unter „Impressum“ die passende Adresse. Herr Borgwerth präferiert unseres Wissens nach rot, würde sich aber auch über weiß nicht beschweren.

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