Analyse

Wieso das BayernLB-Ergebnis bei Lichte betrachtet eher mäßig ist

27. März 2022

Von Christian Kirchner

Die BayernLB hat im Geschäftsjahr 2021 ihr Ergebnis vor Steuern mit 816 Mio. Euro gegenüber dem “Corona-Jahr” 2020 mehr als vervierfacht. Neben der operativen Entwicklung profitierte die BayernLB allerdings von einer Fülle von Einmaleffekten – und verdankt die für das Konzernergebnis maßgeblich verantwortliche DKB ihren Gewinnzuwachs ebenfalls kaum reproduzierbaren TLTRO-Effekten von über 100 Mio. Euro. Folglich rechnet die BayernLB in ihrer Prognose auch wieder mit einem merklichen Gewinnrückgang auf 300 bis 500 Mio. Euro – und selbst dieser Ausblick ist mit Blick auf noch unbekannte Zweit- und Drittrundeneffekte des Kriegs in der Ukraine mit Unsicherheiten belastet. Eine Kurzanalyse in fünf Thesen

1) Für den fulminanten Gewinnanstiegs haben One-offs gesorgt

Über 15% Kernkapitalquote und 8% Eigenkapitalrendite hat sich die BayernLB im Zuge ihrer Ende 2019 vorgestellten Langfrist-Strategie für 2024 vorgenommen. Mit 7,9% EK-Rendite und 17,3% KK-Quote hat die Landesbank dieses Ziel nun vordergründig schon drei Jahre früher erreicht.

Das Kernkapital freilich ist vor allem deshalb so üppig. weil von 553 Mio. Euro Nachsteuerergebnis gerade mal 75 Mio. Euro ausgeschüttet werden. Und was Rendite angeht, ist zu sagen: Die zugrundeliegenden 816 Mio. Euro Vorsteuerergebnis hören sich zwar gut an, zumal die Ergebnisse in allen vier Segmenten stiegen, …

... letztlich allerdings ist der Gewinn (anders als bei der LBBW, siehe unsere Analyse hier) vor allem das Resultat einer Fülle von Einmaleffekten:

  • 166 Mio. Euro kamen aus TLTRO-Geschäften, mehr als bei jeder anderen deutschen Bank. Ohne die Effekte wäre der Zinsüberschuss um 4% gesunken, so ist er um 5% gestiegen
  • Zwei Immobilienverkäufen spülten einen Veräußerungsgewinn von 101 Mio. Euro in den Bereich "Zentralbereiche/Sonstiges"
  • Weitere 30 Mio. Euro stehen in Zusammenhang mit der Abwicklung eines altes Geschäftspartners der BayernLB, nämlich der Hypo Group Alpe Adria

Bereinigt um die drei Effekte wäre das Vorsteuerergebnis demnach bei 519 Mio. Euro gelandet – einem Wert, der weit unter den Prä-Corona-Ergebnissen gelegen hätte (2018: 869 Mio. Euro, 2019: 656 Mio. Euro). Und das, obwohl die Münchner mit 48 Mio. Euro zusätzlicher Risikovorsorge auskamen, bei 63,3 Mrd. Euro risikogewichteten Aktiva.


2.) Das Russland-Exposure ist überschaubar

Wie die meisten anderen deutschen Banken, hat auch die BayernLB ihr Engagement in Russland über die Jahre drastisch reduziert. Auf 140 Mio. netto taxierte die Landesbank am Freitag ihr Exposure, in der Ukraine seien es 10 Mio. Euro, in Belarus weitere 10 Mio. Euro. In Bezug auf alle drei Ländern sei ein Neugeschäftsstopp "in allen relevanten Produkten" verhängt worden.


3.) "Corporates & Markets" kommt einfach nicht ins Rollen

Die Firmenkunden- und Kapitalmarkt-Einheit kommt nicht aus ihrem Renditeloch, auch wenn das Management behauptet, die Sparte ...

  • erwirtschafte "stabile Erträge"
  • erziele eine "höhere Profitabilität" und
  • betreibe eine "Umsetzung der Fokussierung auf Zukunftssektoren" (weshalb die Aktiva von 24,0 Mrd. auf 21,1 Mrd. Euro gesunken seien).

Nun reichte es zwar im Gegensatz zu den beiden Vorjahren (2019: -30 Mio. Euro, 2020: -58 Mio. Euro) diesmal tatsächlich zu einem Vorsteuergewinn von 87 Mio. Euro. Aber vor allem dank einer sehr deutlichen Verbesserung des Risikoergebnisses (-60 Mio. Euro nach -169 Mio. Euro im Vorjahr). Imposant ist anders.


4.) Auch die DKB legt beim Gewinn "nur" wegen der TLTRO-Effekte zu

Mit 369 Mio. Euro Gewinn vor Steuern (+39%) bleibt die DKB zwar der wichtigste Ergebnistreiber der BayernLB – allerdings fiel bei ihr auch das größte Teil des TLTRO-Windfalls an, nämlich 107 Mio. Euro (die übrigen TLTRO-Gewinne wurden übrigens unter "Zentralbereiche/Sonstiges" verbucht).

Bereinigt man sowohl das 2021er- als auch das 2020er-Ergebnis im die TLTRO-Effekte, bleiben statt 39% Ergebnisplus nur 4% Ergebnisplus. Und das, obwohl das Risikoergebnis extrem stark ausgefallen ist –  die DKB hat 2021 netto 3 Mio. Euro Risikovorsorge aufgelöst.

Die Kosten steigen derweil weiterhin munter an (plus 6%), was wie in den letzten Jahren schon mit Investitionen in Wachstum und Technologie begründet wird (müssten Investitionen in Technologie nicht eigentlich irgendwann auch mal dazu führen, dass die Kosten sinken statt immer weiter zu steigen???).

Bevor's aber jetzt wieder heißt, wir würden die DKB immer nur runterschreiben – das ist natürlich alles immer noch hochprofitabel, und zwei weitere positive Datenpunkte gibt's auch:

  • Das Provisionsergebnis – wegen kostenloser Kreditkarte früher notorisch negativ – fiel 2021 mit 53 Mio. Euro erstmals wahrnehmbar positiv aus (auch dank inzwischen 660.000 Depots nach "über 500.000" ein Jahr zuvor)
  • "Über fünf Millionen Kunden" sollen es nun sein – verglichen mit dem Stand von Ende 2020 (4,66 Mio. Kunden) müssen also netto mindestens 340.000 Kunden hinzugekommen sein. Das wäre zwar immer noch zu wenig Wachstum, um (wie Ende 2019 ursprünglich angekündigt) bis 2024 auf 8 Mio. Kunden zu kommen. Ob dieses Ziel aber noch gilt, darf man bezweifeln (siehe -> War nicht so gemeint! DKB rückt von 8-Mio.-Kunden-Ziel ab). Zur Einordnung: Immerhin ist die DKB 2021 mindestens dreimal so schnell gewachsen wie die ING Diba (131.000 Neukunden netto).

Segment DKB

in Mio. EUR 2020 2021 Delta in Prozent
Zinsüberschuss 956 1.023 7
Risikovorsorge im Kreditgeschäft -44 3 -107
Provisionsüberschuss 12 53 342
Sonstige Ergebnisbestandteile 50 57 14
Verwaltungsaufwand -653 -689 6
Bankenabgabe und Einlagens. -57 -79 39
Ergebnis vor Steuern 264 369 40
Risikogewichtete Aktiva (RWA) 23.931 24.633 3

5.) Der Ausblick? Verhalten

Die gute Meldung: Die BayernLB wagt (anders als etliche andere Institute) eine Prognose fürs Gesamtjahr. Die schlechte Meldung: Die Prognose fällt eher dürftig aus.

Von 300-500 Mio. Euro war am Freitag die Rede. Und davon, dass 500 Mio. Euro das "natürliche Gewinn-Niveau" sei. Was auf eine "natürliche" Eigenkapitalrendite von gut 3% hinauslaufen würde. Seeeeeeehr bescheiden. Zumal es 1.) den Disclaimer "erhöhe Unsicherheit" wegen des Krieges in der Ukraine noch on top gab. Und zumal es ja, siehe oben, 2.) bis 2024 eigentlich 8% werden sollen.

Ergebnisse 2021 Prognose 2022
Ergebnis vor Steuern 816 Mio. Euro 300 - 500 Mio. Euro
Return on Equity 7,9 % >3 %
Cost Income Ratio 59,0 % 63 – 67 %
CET 1 17,3 % >15 %
Leverage Ratio 5,3 % >4 %

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing