Kurz gebloggt

Wieso Deutsche und Coba stärker verlieren als andere Bankaktien

5. März 2020

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank nach minus 7,6% auf Rekordtief, die Deutsche Bank nach weiteren minus 6% in großen Schritten auf dem Weg dorthin – der gestrige Donnerstag war gespickt mit neuen Hiobsbotschaften für die hiesige Kreditwirtschaft. Was dabei besonders auffällt: Die Corona-Krise macht den beiden Frankfurter Großbanken nicht nur absolut zu schaffen, sondern vor allem auch relativ. Und zwar nicht nur im Vergleich zum Gesamtmarkt. Sondern auch im Vergleich zu anderen Banken und Finanzunternehmen.

Um das zu illustrieren, hat Finanz-Szene.de die Aktienkurse der im regulierten Markt gelisteten deutschen Banken, Fintechs und sonstigen Finanzdienstleister (außer Versicherer und Immo-Unternehmen) einer Performance-Analyse unterzogen. Abgeschmeckt haben wir das Ganze dann noch mit den Banken der Euro-Zone (Euro Stoxx Banks) und der Banken aus ganz Europa, also inklusive Schweiz und UK (Stoxx Banks).

Voilà, sortiert nach der Entwicklung seit Mitte Februar, also seit dem Beginn der Corona-Ängste:

Entwicklung seit 1.1.19 Entwicklung über 3 Monate Entwicklung seit Beginn der Krise (17.2.)
Commerzbank -19% -9% -31%
Deutsche Bank 2% 9% -30%
Aareal -8% -13% -19%
PBB 45% -8% -19%
DWS 36% 4% -19%
Wirecard -10% 1% -13%
MLP 21% 12% -11%
Hypoport 123% 10% -8%
Procredit Holding -32% -4% -7%
Creditshelf -24% 0% -4%
Deutsche Börse 44% 9% -3%
Comdirect 37% 13% -1%
OVB 1% -1% -1%
Capsensixx -35% -7% 1%
Sixt Leasing 69% 69% 30%
zum Vergleich
Euro Stoxx Banks -10% -17% -23%
Stoxx Banks -14% -13% 21%

Quelle: Comdirect, Boerse.de, Stand 5.3.2020

Was fällt auf den ersten Blick auf?

Dass kein deutscher Finanzwert seit Beginn der Krise stärker verloren hat als die Commerzbank (-31%). Und über drei Monate lief nur die Aareal schlechter. Rächt sich da nun an der Börse, dass die Commerzbank in diese Krise mit weit geöffneten Kredithähnen steuert? Bei den Firmenkunden weitete das Institut das Kreditvolumen 2019 um 7% aus, im Privatkundengeschäft gar um 8%.

Und was auf den zweiten?

Dass es einen klaren Zusammenhang zwischen der Größe der Finanzwerte (gemessen am Börsenwert) und dem Ausmaß der Verluste gibt. Die ersten sechs Plätze belegen ausnahmslos Titel mit Marktkapitalisierungen im ein- oder gar zweistelligen Milliardenbereich. Eine Erklärung dafür: In Paniksituationen verkaufen viele institutionelle Anleger die großen und liquiden Titel oft als erstes. Das erklärt auch, warum kaum differenziert wird und z.B. drei Finanzdienstleister mit völlig unterschiedlichem Geschäftsmodellen (Aareal und PBB im Vergleich zur DWS) exakt gleich tief gefallen sind – nämlich um 19%.

Warum halten sich denn so viele Werte so überraschend gut?

Tatsächlich fällt die Kursentwicklung von gleich sechs Werten – relativ betrachtet – sehr gut aus. Sie verzeichneten Verluste seit dem Beginn der Corona-Panik Verluste von unter 5% oder legten gar leicht zu. Dahinter stecken jeweils individuelle Gründe:

  • Die Deutsche Börse (Minus „nur“ 3%, über drei Monate im Plus) ist wirtschaftlich gewissermaßen „antifragil“: Bricht unter Anlegern Panik aus mit dem meist dazugehörigen starken Anstieg der Handelsaktivitäten, beschert ihr das hohe Umsätze.
  • Viele kleinere Wert schützt ihre Illiquidität. Von der Aktie von Creditshelf – immerhin ein Fintech mit knapp 70 Mio. Euro Börsenwert – gehen im Schnitt der letzten 12 Monate täglich auf der wichtigsten Börse Xetra gerade einmal Aktien im Wert von im Schnitt rund 25.000 Euro um. Daran hat sich in den vergangenen Tagen wenig geändert. Wo in guten Zeiten kein Kaufdruck aufkommt, kann es sein, dass in schlechten auch (noch) kein Verkaufsdruck aufkommt.
  • Die Comdirect-Aktie (Kurs: 13,85 Euro) wiederum wird durch das Verschmelzungsszenario mit der Commerzbank vor größeren Verlusten bewahrt. Hier steht eine noch zu definierende Barabfindung für die verbliebenen freien Aktionäre aus. Und die rechnen sich womöglich einen Abfindungsbetrag in der Größenordnung jener 15,15 Euro zu kassieren, die der Ex-Comdirect-Großaktionär Petrus Advisers von der Commerzbank für seine Anteile kassierte. Zudem dürfte die Comdirect vom einem starken Anstieg der Handelsaktivitäten profitieren, nachdem sie schon im Januar (also vor der Corona-Panik) einen Rekordmonat verzeichnete. Und für die Bewertungsgutachten zählt die Bewertung zum Zeitpunkt der Verschmelzung.

Und sonst?

Irgendwo in der Mitte zwischen Gut und Böse sind auf kurze Sicht das Ur-Fintech Hypoport (-8% seit 17.2.) und Wirecard (-13%). Allerdings fällt auf, dass Wirecard bereits eine ganze Weile nicht aus dem Quark kommt (-10% seit Anfang 2019; das ist schlechter als die Deutsche Bank im gleichen Zeitraum). Solange das Warten auf den KPMG-Sonderbericht anhält, dürfte sich daran auch nichts ändern.

Die Hypoport-Aktionäre dürften mit dem Ausmaß der Korrektur seit Beginn der Corona-Panik (-13%) gut leben können: Schließlich stehen seit Anfang 2019 fulminante 123% Gewinn zu Buche und notiert die Aktie immer noch 10% höher als vor drei Monaten – wahrlich ein Luxusproblem.

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