Exklusiv

Wo das Baufi-Wachstum der Genobanken wirklich herkommt

Dass ein erheblicher Teil des Kreditwachstums bei Sparkassen und Volksbanken aus der Wohnimmobilien-Finanzierung kommt – so viel ist bekannt und wird in den Verbünden auch gerne betont. Was weniger bekannt ist: Wie von Finanz-Szene ausgewertete Bundesbank-Daten zeigen, dürfte ein beträchtlicher Teil dieser Zuwächse streng genommen gar nicht der privaten Baufinanzierung entstammt. Stattdessen wachsen allem Anschein nach insbesondere die Genossenschaftsbanken sehr viel stärker im Geschäft mit Bauträgern und sonstigen Immobilienunternehmen als im Geschäft mit privaten Häuslebauern und Wohnungskäufern.

Wie wir zu dieser Ableitung kommen: Innerhalb des rund 1,7 Billionen Euro großen Markts für Wohnungsbaukredite wachsen Sparkassen und Genossenschaftsbanken deutlich am stärksten bei den sogenannten “Krediten an Unternehmen und Selbständige”. Hinter dieser Bundesbank-Definition wiederum dürfte sich aber vor allem was verbergen? Genau, das Bauträgergeschäft. Bei den Sparkassen legte besagte Kreditkategorie im abgelaufenen Jahr um 9,8% zu, bei den Genossen waren es sogar 12,1%. Dagegen stiegen die privaten Baufinanzierungen bei den Sparkassen nur um 7,1%, bei den genossenschaftlichen Instituten um 7,7%.

Unsere beiden Grafiken zeigen den Unterschied recht deutlich:

Und:

... Heißt: Es sind also nicht nur sehr offensiv auftretende Institute wie die Volksbank BraWo (siehe -> "Wie eine stinknormale Volksbank zum Immobilienkonzern mutierte") oder die Raiffeisenbank im Hochtaunus (siehe -> "Hyp, hyp, hurra: Das irre Kreditbuch der Raiba Hochtaunus"), die im Immobiliengeschäft ein weitaus größeres Rad drehen als noch vor ein paar Jahren. Sondern: Die stark überdurchschnittlichen Wachstumsraten der Wohnimmobilienkredite "an Unternehmen und Selbständige" (=Bauträger und sonstigen Immobiliengesellschaften) stützen die These, dass immer mehr Genobanken, aber auch Sparkassen auf der Suche nach Geschäftsmodellen jenseits der klassischen privaten Baufinanzierung sind.

Überdies scheint es sich nicht nur um ein kurzfristiges Phänomen zu handeln. So sind bei den Genobanken (zu denen ja nicht nur die Volks- und Raiffeisenbanken, sondern auch die Sparda- sowie PSD-Banken gehören) die Wohnbaukredite an Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren um jeweils (!) mindestens 10% (!) gewachsen – Tendenz steigend. Damit haben die Genossen ihr ausgereichtes Kreditvolumen in diesem Segment binnen zehn Jahren auf inzwischen 110 Mrd. Euro verdoppelt; und allein in den vergangenen drei Jahren legte es um 37% zu. Auffällig auch: Sparkassen und Genossenschaftsbanken vereinen zusammen rund 60% des 485 Mrd. Euro schweren Gesamtvolumens von "Wohnungsbaukrediten an Unternehmen und Selbständige" auf sich.

Die Probleme der Wohnungsbau-Giganten

Nun war die Wohnbaufinanzierung – ob mit privaten oder gewerblichen Kunden – in den letzten Jahren stocksolides Geschäft. Doch bleibt das so? Nicht auszuschließen ist jedenfalls einer Art "Tripple-Whopper"-Szenario aus

  • steigenden Zinsen (schon da)
  • Rezession (ziemlich wahrscheinlich)
  • und (im Falle einer Rezession) womöglich sogar sinkenden Preisen

... Hinzu kommen weitere Probleme wie die Knappheit von Baumaterialien durch die Unterbrechung globaler Lieferketten. Die Folge der Gemengelage: Große, börsennotierte Immobilien-Projektierer wie Corestate (-90% seit Jahresbeginn), Adler Group (-62%) oder Instone (-37%) haben in den vergangenen Monaten dramatisch an Wert verloren, nachdem zum Beispiel Instone "erhebliche kurzfristige Risiken für die Bau- und Vertriebsgeschwindigkeit und damit für die Umsatzrealisierung" von Projekten eingestehen musste.

Nun hat das alles nicht zwingend etwas zu sagen für das, was die Volksbanken (und auch Sparkassen) da draußen treiben. Aber: Artverwandt dürften die Geschäfte ja doch sein. Ob sich der Genosektor über das eigene Wachstum in der Wohnbaufinanzierung immer noch so freut wie vor ein paar Monaten noch?

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