Analyse

Wo der Rekordgewinn der DZ Bank herkommt. Und woher nicht

2. März 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Die DZ Bank hat gestern den höchsten Gewinn ihrer Unternehmensgeschichte (3,1 Mrd. Euro vor Steuern) bekanntgegeben. Da es sich bei dem genossenschaftlichen Zentralinstitut mit seinen gewinnstarken Non-Banking-Töchtern (Union Investment, R+V Versicherung) allerdings um einen ziemlichen Mischkonzern handelt, gehen die Resultate des eigentlichen Bankgeschäfts geradezu unter.

Wir haben uns darum neben dem Konzern insbesondere auch den diversen Sub-Einheiten gewidmet – mit besonderem Fokus auf der DZ Hyp, der Teambank, der DZ Privatbank, der VR Smart Finanz sowie selbstverständlich auf der “eigentlichen” DZ Bank AG. Die nämlich hat ihren Zinsüberschuss in nur zwei Jahren um erstaunliche mehr als 30% gesteigert; allein schon das verlangt nach einem genaueren Blick. Und dann ist da auch noch eine Kennziffer, die sich eher problematisch entwickelt.

Bitte sehr:

DZ-Bank-Konzern (+114% auf 3.096 Mio. Euro)

Beim Blick auf die GuV des Gesamtkonzerns fällt auf, dass bis aufs Handelsergebnis (siehe weiter unten) diesmal eigentlich alles gepasst hat:

  • Akzeptables Zinsergebnis (+4% auf 2.785 Mio. Euro), auch dank einiger Sondereffekte, siehe unten
  • Überragendes Provisionsergebnis (plus 38% auf 2.935 Mio. Euro), vor allem dank der Union Investment, siehe unten
  • Neben der Union in Topform zwei weitere Töchter in guter Form (DZ Hyp, R+V)
  • Endlich mal kein Mega-Verlust bei der DVB Bank
  • Allgemein niedrige Risikovorsorge

Ob sich die Dinge jemals wieder so perfekt zusammenfügen werden, ist alles andere als klar. Fürs laufende Geschäftsjahr ging die DZ Bank vor der Eskalation in der Ukraine von einem Ergebnis in Richtung 2 Mrd. Euro aus. Naturgemäß ist die Prognose nunmehr mit extremen Unsicherheiten behaftet.

Was übrigens mit Blick auf die ansonsten überzeugenden 2021er-Zahlen negativ auffällt: Die Verwaltungsaufwendungen stiegen um erstaunliche 6% auf 4.256 Mio. Euro. Auch wenn es dafür an der ein oder anderen Stelle plausible Erklärungen geben mag – alles in allem mutet dieser Wert problematisch an. Oder anders gesagt: Für den Moment können sich die Genossen derlei Kostensteigerungen leisten. Auf Dauer aber eher nicht.


DZ Verbundbank (+99% auf 465 Mio. Euro)

Die “eigentliche” DZ Bank (also die Verbund- und Geschäftsbank, VuGB) hat ihr Ergebnis im vergangenen Jahr auf 465 Mio. Euro fast verdoppelt – und das dank eines um 7% auf 471 Mio. Euro gesteigerten Provisionsüberschusses und vor allem dank eines um 23% (!) auf 1.026 Mio. Euro gestiegenen Zinsüberschusses. Vor allem die Ausweitung des Zinsergebnisses wirkt nachgerade spektakulär, wie sich mehr noch im Zwei-Jahres-Vergleich zeigt:

Auf Nachfrage räumte die DZ Bank gestern ein, dass hierfür auch zwei Sondereffekte verantwortlich waren:

"Bereinigt um diese beiden Sondereffekte wäre der Zinsüberschuss leicht rückläufig gewesen", stellte eine Sprecherin klar.

Jenseits von Zins- und Provisionsgeschäft ging das Handelsergebnis erstaunlich stark zurück (nämlich von 517 Mio. auf nur noch 68 Mio. Euro) – der Vorstand machte hierfür "IFRS-bedingte Sondereffekte" verantwortlich. Dass sich der Einbruch nicht stärker im Ergebnis niederschlug, lag daran, dass die Verbundbank im Umfang von netto 89 Mio. Euro Risikovorsorge auflöste, nachdem im Corona-Jahr 2020 noch 337 Mio. Euro gebildet worden waren.

Als zentralen Treiber für die Ergebnisverbesserung wurde neben der "unauffälligen Risikoposition" das "gute Kundengeschäft" angeführt. Hierbei auffällig: Die Verbundbank baute nicht nur ihren Kreditbestand im Firmenkundengeschäft (um 5% auf 67,3 Mrd. Euro) sowie die Zahl ihrer Zahlungsverkehrs-Transaktionen im Transaction Banking aus (um 5% auf 8,7 Mrd. Euro) – sondern: Über die von ihr emittierten Anlagezertifikate drehte die DZ Bank auch im Retail-Geschäft auf. Das Absatzvolumen stieg um zwei Drittel auf 6,4 Mrd. Euro.


DZ Hyp (+1% auf 588 Mio. Euro)

Der Immobilienfinanzierer bleibt ein solider Ergebnislieferant (nur mal zum Vergleich: Die Aareal Bank schaffte, wenn man die Ergebnisse von 2020 und 2021 addiert, ein Vorsteuerergebnis von 80 Mio. Euro. Bei der DZ Hyp – die freilich auch Retail-Geschäft betreibt – waren es im gleichen Zeitraum 1.170 Mio. Euro).

Wie stark die DZ Hyp inzwischen auch auf private Baufinanzierungen setzt, zeigt sich daran, dass das Neugeschäft in diesem Beritt um 32% (!) auf 2,73 Mrd. Euro explodierte. Doch auch in der gewerblichen Immobilienfinanzierung bleiben die Genossen auf dem Gaspedal: Das Neugeschäft stieg um 9% auf 8,74 Mrd. Euro.

Der Gesamtbestand in der Immobilienfinanzierung liegt nunmehr übrigens bei 55,5 Mrd. Euro (zur groben Einordnung: Bei der BayernLB sind es etwa 60 Mrd. Euro).


Teambank (-2% auf 151 Mio. Euro)

Dass der Konsumentenfinanzierer es geschafft hat, sein im Corona-Jahr 2020 brutal eingebrochenes Neugeschäft zumindest ein bisschen zu stabilisieren (plus 10% auf 3,1 Mrd. Euro), hatten wir Ihnen dieser Tage ja schon erzählt. Ansonsten zeigen die Zahlen die beiden folgenden Auffälligkeiten: Die Risikovorsorge bleibt mit gebildeten 57 Mio. Euro wie bereits im Vorjahr (da waren es trotz Corona-Krise auch schon nur 59 Mio. Euro) auf einem bemerkenswert niedrigen Niveau angesichts eines Kreditvolumens von gut 9 Mrd. Euro. Zugleich erstaunt, dass die Verwaltungsaufwendungen binnen zwei Jahren um 26% (!) gestiegen sind. Das liegt allerdings teilweise auch daran, dass in den Verwaltungsaufwand seit 2021 auch die Kosten für die SEO-Werbung eingerechnet werden – und nicht mehr im Provisionsergebnis.


VR Smart Finanz (minus 9 Mio. Euro)

Die einstige VR Leasing ist unter neuem Namen und mit neuem Geschäftsfokus zwar nicht mehr die Problemtochter, die sie früher einmal war. Zum Ergebnis trägt sie allerdings weiterhin nichts bei – was fairerweise auch daran liegt, dass auf die 2020 abgeschlossene Neuausrichtung die Corona-Krise folgte. Und die traf das neue Kerngeschäft der VR Smart Finanz (automatisierte Kredite für Geschäftskunden, siehe auch unsere Artikel hier) besonders.

Heißt in Zahlen:

  • Das Neugeschäft ging ein weiteres (und vorerst letztes?) Mal auf rund 870 Mio. Euro zurück (-30%)
  • Das Zinsergebnis ging ein weiteres (und vorerst letztes???) Mal auf 125 Mio. Euro zurück (-13%)
  • Infolge der abgeschlossenen Restrukturierung sanken die Verwaltungskosten deutlich (-22% auf 80 Mio. Euro)
  • Mit der gesunkenen Risikovorsorge minimierte sich auch der Verlust, nämlich von 45 Mio. Euro auf immerhin nur mehr 9 Mio. Euro

DZ Privatbank (+8% auf 41 Mio. Euro)

Die Private-Banking-Tochter der DZ Bank bleibt ein zartes Pflänzchen, das zwar nicht verwelkt – aber auch nicht richtig aufblüht, obwohl die Rahmenbedingungen mit steigenden Märkten und Renditehunger bei der von Nullzinsen geplagten Kundschaft kaum besser sein könnten. Die Assets under Management, immerhin, stiegen um 3,2 Mrd. Euro auf 23,2 Mrd. Euro. Davon allerdings kam netto nur ein Drittel aus neu angelegtem Geld. Immerhin: Der Provisionsüberschuss stieg deutlich (+13% auf 212 Mio. Euro) und mit ihm trotz steigender Kosten (+7% auf 251 Mio. Euro) auch das Ergebnis, nämlich von 38 Mio. Euro auf 41 Mio. Euro. Also etwa so viel, wie bei einer gut geführten, mittelgroßen Volksbank übrig bleibt.


Die Non-Banking-Töchter

  • Union Investment (+90% auf 1.233 Mio. Euro): Den Fondsdienstleister der Genossen hatten wir zuletzt ja schon gewürdigt, nämlich im Podcast mit Vorstandschef Hans-Joachim Reinke sowie bei der Besprechung der 2021er-Zahlen (siehe -> "Union Investment dreht auf" vom 18. Februar)
  • R+V Versicherung (+188% auf 772 Mio. Euro): Der satte Gewinnanstieg ist in erster Linie eine Funktion des Kapitalanlage-Ergebnisses (das im ersten Corona-Jahr runtergegangen war und jetzt halt wieder rauf)
  • Schwäbisch-Hall (+61% auf 130 Mio. Euro): Dafür, dass viele Bausparkassen heutzutage kein funktionsfähiges Geschäftsmodell mehr haben, hält sich die Schwäbisch-Hall eigentlich ganz gut

Sonstiges

  • Die langjährige Crash-Tochter, nämlich die DVB Bank (also der leidgeprüfte Transport- und Verkehrsfinanzierer) hat im letzten Geschäftsjahr vor Verschwinden dank mächtig aufgelöster Risikovorsorge sogar noch mal einen Ergebnisbeitrag geleistet, nämlich 23 Mio. Euro
  • Für die Wahrnehmung der Holdingfunktion wurde ein Verlust in Höhe von 240 Mio. Euro ausgewiesen, praktisch auf dem Niveau des Vorjahres
  • Schließlich fielen noch minus 52 Mio. Euro unter "Konsolidierung" an, was auch immer da wie und warum konsolidiert werden mag

Union-Chef Reinke – der Ergebnisbringer der DZ Bank

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