Exklusiv

150% CI-Ratio: Norisbank wird zu Belastung für Deutsche Bank

14. Juli 2020

Von Christian Kirchner

Die seit vielen Jahren stiefmütterlich behandelte Norisbank wird allmählich zu einer ernsthaften Belastung für die Deutsche Bank. Wie aus dem dieser Tage veröffentlichen 2019er-Abschluss hervorgeht, schnellte die Cost-Income-Ratio der Direktbank-Tochter im vergangenen Jahr auf unappetitliche 150%; der Verlust stieg auf 18 Mio. Euro. Ebenfalls unschön: Im Jahresverlauf verlor die Norisbank rund jeden zehnten ihrer etwa 550.000 Kunden. Immerhin konnten die Abwanderungen durch entsprechende Neukunden-Akquise kompensiert werden (wobei die Kosten hierfür mutmaßlich zur hohen Cost-Income-Ratio beigetragen haben dürften).

Letztes Endes scheinen die schlechten Zahlen die Quittung für den strategischen Schlitterkurs zu sein, den die Deutsche Bank im Umgang mit ihrer Tochter verfolgt. Nochmal kurz zur Erinnerung:

  • Anfang 2018 wurde die Losung ausgegeben, die schon damals heruntergewirtschaftete Norisbank (siehe unsere große Analyse) als moderne Digitalbank wieder aufleben zu lassen. Wie die „Wirtschaftswoche“ damals schrieb, sollte das Bonner Institut „Vorbild und Testlabor“ für den technologischen Umbau des Deutsche-Bank-Privatkundengeschäfts werden, orchestriert vom damaligen DB-Privatkundenchef Frank Strauss
  • Ende 2018 wurde die Norisbank dann dem „Chief Digital Office / Digital Ventures“ -Bereich des damaligen Deutsche-Bank-Digitalchefs Markus Pertlwieser angeheftet
  • Wiederum einige Monate später hieß es dann, die Norisbank solle mit dem damals aus der Deutschen Bank heraus gegründeten Loyalty-Fintechs „Yunar“ verbunden werden

Das Ende der Geschichte(n); Frank Strauss ist weg (siehe hier), Markus Pertlwieser auch (siehe hier), die App Yunar steht zum Verkauf (siehe hier) – und Mitte Mai berichtete wiederum die „Wirtschaftswoche“ (siehe hier), dass die Deutsche Bank zwischenzeitlich sogar einen Verkauf der Norisbank erwogen habe. Die entsprechenden Überlegungen (die mittlerweile wieder von der internen Agenda runter sind) waren allein schon deshalb plausibel, als bei der Deutschen Bank seit letztem Herbst die Maßgabe gilt, jeder digitalen Investition müsse eine konkrete Ersparnis oder ein konkreter Ertragsgewinn zugrundeliegen. „Nice to haves“ und digitalen Spielwiesen hat man im größten Geldinstitut der Republik genug gehabt.

Jedenfalls: Während sich die Deutsche Bank momentan mal wieder Gedanken macht, was aus der Norisbank sinnvollerweise werden soll, entwickeln sich deren Zahlen von Jahr zu Jahr schlechter:

Und hier noch mal eine Röntgenaufnahme der Detailergebnisse über die letzten Jahre, in der vor allem der irre Anstieg der Cost-Income-Ratio und der Verfall des Zinsergebnisses auffällt.

2014 2015 2016 2017 2018 2019
Zins-Ergebnis in Mio. € 56 52 47 44 41 42
Provisions-Ergebnis in Mio. € 2 1 2 2 1 1
Verwaltungs-Aufwand in Mio. € 35 32 33 32 33 36
Bilanz in Mrd. € 3,9 3,5 3,6 3,7 3,9 4,2
Kunden in Tsd. 559 545 550 555 548 550
CIR in % 84 84 94 94 103 150
Mitarbeiter 48 47 47 51 53 56
Überschuss -5 3 1 0 -12 -18

Nun muss man der Vollständigkeit halber sagen: Dem 2019er Verlust liegen eine planmäßige Abschreibung in Höhe von 10,4 Mio. Euro sowie eine außerplanmäßige Abschreibung auf den „Geschäfts- oder Firmenwert“ in Höhe von 19,1 Mio. zugrunde. Was allerdings nichts an der Diagnose ändert, dass die Norisbank operativ schon seit Jahren nicht vom Fleck kommt und sich die Zahlen tendenziell von Jahr zu Jahr zu verschlechtern scheinen.

Den Verlust von abermals 52.000 Kunden (dem standen 54.000 neue Kunden gegenüber) schreibt die Norisbank der 2012 vollzogenen Schließung ihrer Filialen zu. Was die Frage aufwirft: Kann es wirklich sein, dass die damalige Maßnahme auch noch sieben Jahre später solch gravierende Konsequenzen nach sich zieht? Oder ist es nicht einfach so, dass die Norisbank schlicht unter einer extrem hohen Kundenfluktuation leidet (siehe auch unsere Analyse hier)?

Der Ausblick? Naja. Von einem „Beginn der grundlegenden Transformation“ ist da die Rede, von einer „deutlich erhöhte Kostenbasis für 2020“ und von  einer (nur) „leicht verbesserten Cost Income Ratio (CIR)“ und von einem „negativen Ergebnis im höheren einstelligen Millionenbereich“ wird erwartet. Immerhin: An einer Stelle verkündet der Geschäftsbericht geplante „Investitionen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“.

Nun trägt der Abschluss allerdings das Datum des 31. März 2020. Wenn tatsächlich, wie die „Wirtschaftswoche“ glaubhaft schrieb, noch im Mai ein Verkauf der Norisbank erwogen wurde – dann ist fraglich, wie ernst es der Mutter mit diesen Investitionen und mit dem hehren Ziel einer (wir zitieren aus dem Geschäftsbericht) „strategischen Weiterentwicklung der Norisbank (…) auf die Marktpositionierung als eine führende Digitalbank in Deutschland“ wirklich ist.

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