Exklusiv

1822direkt kopiert Kontomodell der ING Deutschland

12. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Die 1822direkt baut ihre Kontomodelle um und bietet ab August nicht länger ihr bedingungslos kostenloses Girokonto „Klassik“ mit unbegrenzten Barabhebungen an. Das geht aus einem Schreiben an die Kunden und Veröffentlichungen auf der Internetseite der Tochter der Frankfurter Sparkasse hervor.

Damit das klassische Girokonto auch weiterhin kostenlos geführt wird, will die Bank einen monatlichen Geldeingang von 700 Euro sehen. Das ist exakt jener Eingang, den auch die ING Deutschland seit 1. Mai für die kostenlose Führung des Kontos verlangt – und die DKB, damit sich ein Kunde als so genannter „Aktivkunde“ qualifiziert. Unterhalb dieses Girokontos Klassik siedelt die 1822direkt noch ein (verändertes) Kontomodell namens „1822 mobile“ an, darüber ein „Premium“-Modell, das indes 9,90 Euro pro Monat kostet.

Das „Mobile“-Modell ist dann kostenlos, wenn ein monatlicher Eingang unabhängig von der Höhe erfolgt. Ohne diesen Eingang beträgt die monatliche Gebühr im Modell „1822 mobile“ 1,90 Euro pro Monat, ohne die 700 Euro Eingang im „Girokonto Klassik“ 3,90 Euro pro Monat. Neu ist, dass die Bank auch die Bargeldabhebungen am Automaten in beiden Modellen auf 4 (1822 mobile) bzw. 6 Abhebungen pro Monat (Klassik) limitiert.

Die 1822direkt wurde als Direktbank-Tochter der Frankfurter Sparkasse gegründet und ist bundesweit tätig. Sie hat nach letzten verfügbaren und testierten Angaben rund 470.000 Kunden, die 580.000 Konten und Depots führen. Die Bank hatte noch in ihrem 2018er-Abschluss angegeben, dass der Fokus „weiter  auf dem Ausbau des Kundenbestandes beim Girokonto“ liege. Auch aktuell wirbt sie mit Prämien von bis zu 215 Euro und einer kostenlosen Kreditkarte im ersten Jahr um Girokonto-Neukunden. Allerdings hatte die Sparkassen-Tochter im 2108er Abschluss auch als Risiko identifiziert, „dass sich der Wettbewerb (…) weiterhin verschärft und es in der Folge zu erhöhten Vertriebskosten für die Kundengewinnung kommen kann“

Genau dies scheint sich nun zu materialisieren. Denn die 1822direkt kann zwar Jahr für Jahr leichte Zugewinne in der Kunden- und Kontenzahl verzeichnen – muss allerdings auch einen immens hohen Akquiseaufwand betreiben.  Denn für ein Plus von netto rund 67.000 Konten seit 2013 musste sie 290.000 (!!) Konten brutto hinzugewinnen (siehe unsere Analyse aus dem Herbst).

Kontenzahl 1822direkt

Konten+Depots Zugewinn (brutto) Verluste (brutto)
2013 517.000 51.000 37.000
2014 537.000 51.000 34.000
2015* 551.000 45.000 28.000
2016* 555.000 59.000 29.000
2017 569.000 43.000 30.000
2018 584.000 41.000 26.000
Summe 290.000 184.000

Quelle: Geschäftsberichte, * bereinigt um einen nicht erläuterten „Sprung“ 2016 um 30.000, 2019er Zahlen liegen noch nicht vor

Die 1822direkt selbst begründet den Schritt damit, dass die anhaltende Niedrigzinsphase sie dazu zwinge, einen Teil der Kosten verursachergerecht weiterzugeben“. Und: „Mittlerweile sind die Anforderungen an Technik und Mitarbeiter immer aufwendiger und kostenintensiver geworden. So entstehen auch uns Kosten für jede Abhebung an den Sparkassen-Geldautomaten:“ Die Gegenfinanzierung der kostenlosen Kontoführung durch andere Bankgeschäfte funktioniere nicht mehr.

In de Tat verabschieden sich immer mehr Banken vom kostenlosen Girokonto. Erst vor zwei Wochen wurde bekannt, dass auch die bundesweit tätige BB-Bank ihr Girokonto grundsätzlich und unabhängig vom Gehaltseingang kostenpflichtig macht. Ähnliche Pläne verfolgt die Consorsbank.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing