News des Tages

25/08/22: Der stille Pivot von Vivid Money, Immo-Panik bei den Genos?, Smartbroker kappt Prognose

Eines der kundenstärksten deutschen Fintechs vollzieht einen (halben) Pivot: Als die “dpa” gestern Vormittag die Meldung verbreitete, das Berliner Finanz-Startup Vivid Money habe eine niederländische Investment-Lizenz erhalten, tat sie das unter der naheliegenden Headline “N26-Herausforderer Vivid erhält eigene Investment-Lizenz”. Nun ist an dieser Überschrift selbstverständlich rein gar nichts auszusetzen. Wer allerdings zur Rabulistik neigt, könnte spitzbübisch anmerken: Ist, wer eine Investment-Lizenz erhält, eigentlich noch ein “N26-Herausforderer” – oder ist so jemand nicht eher ein, sagen wir, “Trade-Republic-Herausforderer”? …

… Was jedenfalls feststeht: Die Vivid-Entscheidung ist aus gleich mehreren Gründen bemerkenswert! 1.) Dass sich hiesige Fintechs ihre Lizenzen im Ausland besorgen (siehe auch unser entsprechendes Stück aus dem Mai), scheint allmählich zur Regel zu werden; 2.) Seinen ursprünglichen Partner für Investment-Anwendungen (nämlich die Münchner Plattform CM Equity) streift Vivid ab wie eine lästige Jugendliebe; und 3.) Auch der eigene Banking-Partner Solaris (der dank seiner neuen “Brokerage as a Service”-Lösung ja auch ein Investment-Partner hätte sein können …) scheint Vivid im konkreten Fall nicht gut genug gewesen zu sein …

… Aus alldem destilliert sich schließlich die vierte Schlussfolgerung (die sich mit Einschätzungen deckt, die zuletzt aus dem Umfeld des Fintechs zu vernehmen waren): Vivid Money will vielleicht gar keine klassische Neobank mehr sein – sondern spekuliert darauf, dass das Wertpapiergeschäft früher oder später vom Nebenerwerb zur wichtigsten Einnahmequelle mutiert. So gesehen ergibt rückblickend übrigens auch die Verpflichtung des früheren Degiro-CEOs Esmond Berkhout (siehe unsere Personalien-News vom 30. Juni) sehr viel mehr Sinn.

Kurz-News

Nach dem BVR (siehe unsere gestrigen “News des Tages”) warnt nun auch der bayerische Genossenschaftsverband vor einer Abschwächung der Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen … +++ … Obwohl die Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat ihr akkumuliertes Kreditvolumen im ersten Halbjahr noch einmal um 4,4% auf 132,5 Mrd. Euro ausweiteten, habe sich die Nachfrage im Juni und Juli bereits “deutlich abgeflacht” … +++ … Dabei zeige sich der Abschwung im Kreditgeschäft vor allem bei der Finanzierung von Wohnimmobilien, so Verbandspräsident Gregor Scheller (Mitteilung, BÖZ/Paywall, HB/Paywall) +++ Der Berliner Trading-Anbieter Smartbroker (siehe Anfang der Woche unseren Bericht über den CEO-Abgang) hat seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich gesenkt. Statt bei 62-67 Mio. Euro liegt die Spanne nur noch bei 54-57 Mio. Euro – was verglichen mit dem Vorjahr (51,4 Mio. Euro) nur noch auf ein Mini-Wachstum hinausläuft … +++ … Ebenfalls von Belang in dem Kontext: Die Einführung der neuen Trading-Plattform “Smartbroker 2.0” verschiebt sich laut einer Mitteilung von gestern Abend auf voraussichtlich Mitte 2023. Begründung: “Im Zuge von durchgeführten Tests” habe sich “zusätzlicher Entwicklungsbedarf” gezeigt +++ Das britische Fintech Atlantic Money, das sein Geld – ähnlich wie der deutliche bekanntere Widersacher Wise – mit Auslandsüberweisungen verdient, bietet seine Dienstleistung jetzt auch in Deutschland an +++ Korrektur: Bei Begriffen wie “Fintech” oder “Neobank” setzt die Autovervollständigung in unserem Hirn inzwischen wie von selbst ein “Berliner” davor – was allerdings nichts daran ändert, dass die Neobank Tomorrow, anders als gestern geschrieben, in Hamburg sitzt

Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

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