Exklusiv

300 statt 33.000 neue Depots: Tristesse beim Online-Broker der Volksbanken

16. Januar 2020

Von Christian Kirchner

Um den 2015 gegründeten „Geno Broker“ ist es verdächtig still geworden – dafür, dass es sich um die Online-Wertpapier-Plattform für die gebührensensiblen Selbstentscheider unter rund 30 Millionen genossenschaftlichen Bankkunden hierzulande handelt.

Im Geschäftsbericht der DZ Bank (also der 100%igen Mutter des Geno Brokers) taucht der Name auf 481 Seiten nur zweimal auf. Und das in völlig belanglosem Kontext. Seltsam auch: Im Sommer verschwand der Name eines der beiden Geschäftsführer aus dem Impressum. Warum und wieso der gute Mann gegangen (worden?) war?  Darüber wusste man in der DZ-Bank-Pressestelle angeblich nicht Bescheid.

Zu dieser Klandestinität passt, dass der 2018er-Geschäftsbericht des Geno Brokers erst monatelang gar nicht veröffentlicht wurde. Bevor er am 27. Dezember, also zwischen den Jahren, dann doch noch im Bundesanzeiger auftauchte. Sollte etwa niemand den Abschluss entdecken? Gut denkbar. Denn die Zahlen sind … aaarrrggghhh.

Nehmen wir die Depots. Vorgesehen war, „dass sich die Anzahl unserer Depots im Geschäftsjahr 2018 signifikant um mindestens 50% auf mehr als 100.000 erhöhen wird“. Doch stattdessen: Tat sich signifikant gar nichts. Mit 67.200 (Vorjahr: 66.900) blieb der Wert quasi unverändert.

Oder die Erträge: „Insgesamt liegen die Nettoerträge (bestehend aus Provisionserträgen, Sonstigen Betrieblichen Erträgen und Zinserträgen) in etwa 33,4% unter Plan“, schreibt der Geschäftsbericht. Spricht: Statt der rund 10 Mio. Euro, die es werden sollten, wurden es nur rund 7 Mio. Euro.

Unterm Strich stand ein Verlust von 4,0 Mio Euro. Minimal weniger als im Vorjahr. Was man vor allem der „Reorganisation“ sowie der „Kostendisziplin“ zurechnet, mit der man „gegengesteuert“ habe. Gleichwohl sei man „als Start-up-Unternehmen weiterhin in der Aufbauphase“.

Kann es sein, dass es am Ende gar nicht anders gewollt ist? Dass der Verbund gar nicht unbedingt scharf darauf ist, den Geno Broker zum Erfolg zu führen? Dass man auch deshalb so wenig von dem Online-Player hört, weil man gar nicht so viel von ihm hören soll? Denn einträglicher ist es natürlich, wenn der Volksbank- oder Raiffeisen-Kunden sein Anlagegeschäfte über die Hausbank betreibt, etwa mit Union-Investment-Fonds oder DZ-Bank-Zertifikaten.

Zu den Aufgaben des Geno Brokers, so steht es wörtlich im Geschäftsbericht, gehört die „nachhaltige Absicherung von Kundenbeziehungen der Primärbanken“. Mit anderen Worten: Bevor man den Kunden ganz verliert, schickt man ihn zum Geno Broker. Ansonsten offenbar eher nicht. Wobei es beim S-Broker der Sparkassen ja so viel anders auch nicht ist. Und dort sind die Zahlen kaum besser. 

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing