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Alternative Anlagen boomen – das erfordert moderne Technologie

14. April 2021

Von Marc Schwarz*

Das Jahr 2020 wird wohl niemand so schnell vergessen. Aber bei allem Schmerz und aller Trauer hat uns das Jahr auch einige wichtige Lektionen gelehrt, die wir unbedingt im Gedächtnis behalten sollten: Lege dich nicht mit Fledermäusen an, unser Planet ist kostbar, Black lives matter, Demokratie sollte nicht als selbstverständlich angesehen werden … und die richtige Diversifizierung des Portfolios ist von großem Wert.

Die heftigen Turbulenzen an den Märkten im vergangenen Jahr haben eindrucksvoll gezeigt, dass die Diversifizierung von Portfolios durch unkorrelierte Instrumente und Strategien wichtiger denn je ist. Der Ausblick auf das restliche Jahr 2021 untermauert diese Einschätzung: Covid bleibt ein Dauerthema und die makroökonomischen Unsicherheiten halten an. Geopolitische Risiken, potenzieller Inflationsdruck, Aktienmärkte auf Rekordniveau und Niedrigstzinsen prägen nach wie vor das Bild.

Unter diesen Umständen wird es schwer, mit traditionellen 60/40-Vermögensallokationen die risikobereinigten Renditeziele der Anleger zu erreichen, ausreichend Flexibilität zu bieten und echten Wert zu schaffen. Deshalb werden alternative Anlagen immer populärer.

Klassische Anlagen werfen immer weniger ab

Angesichts der pandemiebedingten wirtschaftlichen Verwerfungen im vergangenen Jahr und der volatilen Reaktion der Aktienmärkte – der S&P 500 brach im ersten Quartal 2020 um ein Drittel ein, beendete das Jahr dann aber auf einem Rekordhoch – sind die kurz- und mittelfristigen Aussichten ungewiss. Allerdings scheint weitere Volatilität an den Aktienmärkten und möglicherweise eine Anpassung an die heutigen Marktbewertungen wahrscheinlich. Dies eröffnet Anlegern Chancen, birgt aber auch die Gefahr von Verlusten.

Unterdessen sind die Erträge bei Baranlagen und festverzinslichen Papieren mit „Investment-Grade“-Rating seit einiger Zeit im besten Fall mager und im schlechtesten Fall negativ. Schuld daran sind die historisch niedrigen Zinssätze und die Anleihekäufe der Zentralbanken im Zuge der ausgedehnten quantitativen Lockerungsprogramme. Die enorme Kreditaufnahme und die umfangreichen Ausgabenverpflichtungen, die die Regierungen zahlreicher Industrieländer zur Stützung ihrer Volkswirtschaften eingegangen sind, lassen den Schluss zu, dass diese Politik und die damit verbundenen Ertragseffekte noch einige Zeit anhalten werden.

Für Anleger, die kaum noch Rendite erwirtschaften können, sind alternative Anlageklassen inzwischen zu einem unverzichtbaren Portfoliobestandteil geworden. Das zeigt der  Global Alternatives Outlook 2021 von J.P. Morgan Asset Management. „Angesichts der überzogenen Bewertungen an den traditionellen Märkten, der begrenzten Korrelationsvorteile zwischen festverzinslichen Wertpapieren und Aktien sowie der anhaltend niedrigen Anleiherenditen mit asymmetrischem Risiko haben sich die Anleger auf der Suche nach Alpha, Einkommen und Diversifizierung verstärkt alternativen Anlageklassen zugewandt“, heißt es in dem Ausblick.

Alternative Anlagen entwickeln sich zum Mainstream

In Deutschland werden derzeit durchschnittlich 22% der Vermögenswerte von institutionellen Anlegern in alternative Anlageklassen investiert. Das ergab der aktuelle Investor Survey 2020 des Bundesverbands Alternative Investments (BAI). Private Equity, Equity Real Estate und Infrastructure Equity weisen dabei die höchsten Beteiligungsquoten und Portfolioallokationen auf. Angelockt durch ihre hohen Barerträge wenden sich die Anleger zunehmend auch privaten Schuldinstrumenten zu. Es wird erwartet, dass private Unternehmensanleihen in den nächsten drei Jahren die meisten Erstanleger anziehen werden.

Die ohnehin schon hohe Nachfrage der deutschen Anleger wird weiter zunehmen, da diese die Vorteile des attraktiven Verhältnisses zwischen Risiko und Rendite nutzen wollen. Der BAI erwartet, dass alternative Anlageklassen ihren Anteil in den nächsten 3-5 Jahren auf 26% der Portfolios steigern werden. Die Allokation in Private Debt, Private Equity und Infrastructure Equity wird dabei deutlich zunehmen. „Das von COVID-19 ausgelöste Beben, das für Volatilität an den Aktienmärkten sorgte und zu einer neuen Welle der geldpolitischen Lockerung führte, was wiederum zu einer Verringerung der Anleiherenditen geführt hat, dürfte die Attraktivität von Anlagen mit sicheren, stabilen und regelmäßigen langfristigen Einkommensströmen, wie z.B. Sachwerten, noch weiter erhöhen“, heißt es im Survey des Verbands.

Viele Anbieter arbeiten mit veralteten IT-Systemen

Vermögensverwalter wollen zwar die Chancen nutzen, die sich für sie aus der wachsenden Begeisterung der Anleger für alternative Anlageklassen ergeben. Allerdings erfordert die angemessene Unterstützung besondere Kompetenzen. Der Mix aus Tabellenkalkulationen, selbst entwickelter Technologie und veralteten Systemen von Anbietern, auf den sich viele Wertpapierfirmen immer noch verlassen, wird auf Dauer nicht funktionieren. Die daraus resultierenden Fehler, die operative Schwerfälligkeit, das regulatorische Risiko sowie das Risiko für die Reputation werden dazu führen, dass ein solches Unterfangen früher oder später scheitert.

Die operativen und technischen Feinheiten, die mit der Verwaltung und dem Reporting verschiedener alternativer Anlagen verbunden sind, setzen sowohl Expertenwissen als auch eine ausgefeilte, mehrere Anlageklassen übergreifende Infrastruktur voraus. Die genaue Zuordnung von Gewinnen, Verlusten, Aufwendungen und steuerlichen Auswirkungen auf jeden einzelnen Anleger ist eine besondere Herausforderung.

Präzise, verlässliche Daten sind die Basis für alles

Für Hybrid- und Private-Equity-Fonds ist es entscheidend, die zugrunde liegenden Anlagen zu überblicken. Die Kombination von Protokollen für die Portfoliobuchhaltung und die Anlegerbuchhaltung bietet Anlegern vollständige Transparenz in Bezug auf die Bestandteile des Portfolios und deren Performance. Viele der vorhandenen Systeme haben jedoch mit der Integration der Investitions- und Anlegerbuchhaltung sowie der Unterstützung von Onshore- und Offshore-Fonds zu kämpfen.

Zu den Komplexitäten bei der Berichterstattung kommen noch die Berechnungen von Private-Equity-Gebühren, Zahlungen und Renditen hinzu. Berichte zu erstellen und Transparenz hinsichtlich der Verwaltung und der Renditen eines Fonds zu gewährleisten, erfordert die Nachverfolgung der verschiedenen (oft stark angepassten) G&V-Komponenten, der Verwaltungsgebühren, der Gesellschaftsaufwendungen, Berechnungen von Ausschüttungsreihenfolgen sowie der Kapitalabrufe und -inanspruchnahmen. Diese Berichte müssen nicht nur regelmäßig erstellt werden, sie müssen auch noch ins Detail gehen und genau sein.

Daten-Governance und die Bereithaltung einer zentralen verbindlichen Datenquelle sind ein weiteres Problem. Sind Daten über mehrere Systeme verteilt, erschwert dies die Erstellung korrekter zusammenfassender Berichte für Anleger und interne Zwecke. Eine erweiterbare Plattform mit eingebauter Flexibilität rund um die verschiedensten Datenattribute trägt maßgeblich dazu bei, die sich ändernden Anforderungen auch in Zukunft bewältigen zu können.

Private Equity erfordert komplexe Berechnungen

Die Abläufe für all die verschiedenen Derivate und alternative Anlageklassen unterscheiden sich erheblich von den Abläufen bei traditionellen Anlageklassen. Statt eine Position beizubehalten und einen Preis neu zu erfassen, erfordern sie die Fähigkeit zur Verwaltung der Geldmittel und der G&V in Verbindung mit diesen Produkten.

Bei Private Equity beispielsweise müssen die Konditionen der Fondsstrukturen, die von einer Transaktion zur nächsten variieren, unterstützt werden. Komplexe Berechnungen von Ausschüttungsreihenfolgen, Ausgabenzuordnungen, Renditevorgaben, gestaffelte Anreiz- und Verwaltungsgebühren, Liquiditätskonditionen, potenzielle Interessenskonflikte und Bewertungsprozesse: All das muss überwacht und verwaltet werden.

Konventionelle Altsysteme haben häufig Probleme mit diesen Besonderheiten. Die Folgen sind umfangreiche manuelle Behelfslösungen, ineffiziente Prozesse, ein nicht ausreichendes Verständnis der Risiken und mangelnde operative Kontrolle.

Je mehr Geld fließt, desto wichtiger wird die Abwicklung

Der Zustrom von Anlegerkapital in das Universum der alternativen Anlageklassen reißt nicht ab. Angesichts der viel versprechenden Performance, der Diversifizierung und der geringeren Korrelation zu den öffentlichen Märkten erwartet Preqin für alternative Anlagen bis 2025 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 9,8 %.

Vermögensverwalter, die in alternative Anlageklassen diversifizieren wollen, benötigen eine Infrastruktur, die Anlagen automatisiert verarbeitet und die operative Arbeit unterstützt. Dazu gehört eine vollständige Instrumentenabdeckung und stets sofort verfügbare Kapazität, um den Volumendurchsatz zu bewältigen, die von den Aufsichtsbehörden geforderte Transparenz zu gewährleisten und sicherzustellen, dass die erforderlichen Steuermechanismen vorhanden sind, um den Kunden einen ordnungsgemäßen Service zu bieten.

Anleger gewinnt, wer Komfort, Sicherheit und Effizienz bietet

Das Interesse der Anleger an alternativen Anlageklassen zur Stärkung der Renditen und zur Abmilderung der Risiken wird anhalten. Angesichts des zunehmenden Margendrucks und des Interesses an passiven Anlagen bieten sich Vermögensverwaltern Chancen, wenn sie sich auf eine Zukunft vielfältiger Anlageklassen einlassen.

Aber das ist kein leicht verdientes Geld. Voraussetzung dafür ist ein geregeltes, auditierbares operatives Umfeld, das einen qualitativ hochwertigen Anlegerservice ermöglicht und die Anforderungen der Aufsichtsbehörden erfüllt. Dies ist der Schlüssel, um den Anlegern den gewünschten Komfort zu bieten und die Chancen der Unternehmen zu verbessern, Anleger und ihr Geld für sich zu gewinnen.

Die Nutzung einer in der Cloud bereitgestellten Technologieplattform, die speziell für den Umgang mit vielfältigen Anlageklassen und Fondsstrukturen entwickelt wurde, kann die Implementierungszeiten verkürzen. Sie kann zudem sicherstellen, dass die Funktionen auf dem neuesten Stand bleiben, und die Gesamtbetriebskosten senken. Darüber hinaus kann eine Auslagerung der operativen Abwicklung die Zeit bis zur Markteinführung verkürzen und wertvolle Flexibilität, Steuerungsmöglichkeiten und Kostenvorteile bringen.

Unabhängig von der bevorzugten Konfiguration wird es entscheidend sein, volle Transparenz und eine umfassende Berichterstattung mit Kontrollmechanismen und operativer Effizienz zu kombinieren. Mit diesen Möglichkeiten sind Firmen gut gerüstet, um den wachsenden Appetit der Investoren auf alternative Anlageklassen zu stillen.


*Marc Schwarz ist „Director Sales and Business Development“ bei SS&C Advent, einem Anbieter von Finanztechnologie-Lösungen für Asset Manager, Wealth Manager und Alternative Manager.

SS&C Advent gehört zu den „Premium-Partnern“ von Finanz-Szene.de. Mehr zum Partner-Modell erfahren Sie hier.

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