Exklusiv

Banken drängen auf Schlüsselrolle in neuem ID-Ökosystem

18. März 2021

Von Christian Kirchner

Deutschlands Banken wollen in der Verifizierung und Nutzung digitaler Identitäten in Wirtschaft und Verwaltung eine zentrale Rolle einnehmen. Das geht aus einem Positionspapier des BdB hervor, das heute in Berlin vorgestellt werden soll und Finanz-Szene.de exklusiv vorliegt. Das Kernargument der Bankenverbands: Die Finanzinstitute verfügten aufgrund geltender Identifikations- und Aufsichtspflichten über einen einmaligen Pool an bereits verifizierten Identitäten praktisch aller Bürger mit Bankverbindungen. Hinzu kämen hochverfügbare Authentifizierungs-Verfahren. Zudem, so der BdB, demonstrierten Beispiele aus dem Ausland, dass funktionierende digitale Identitätslösungen meist auf einem Miteinander von öffentlicher und privater Seite fußten.

Ausgangspunkt der Überlegungen der Bankenbranche ist, dass die Bundesregierung Ende 2020 eine Initiative zur Schaffung eines offenen europäischen Ökosystems digitaler Identitäten gestartet hat. Im Schnitt verfügt dem BdB-Papier zufolge schon jetzt jeder EU-Bürger aktuell über 90 digitale Zugangsdaten zu Shops, Social-Media-Accounts, E-Mail-Systemen oder auch zu Banken; alleine in Deutschland gebe es 40 Anbieter digitaler Identitäten. Staatliche Lösungen wiederum wie etwa wie die eID-Funktionen des Personalausweises würden in Deutschland kaum genutzt.

Gerade skandinavische Länder zeigten, dass die Verzahnung staatlicher und privatwirtschaftlicher Lösungen funktionieren könne: In Dänemark etwa nutzen 99% der Erwachsenen eine „NemID“-Lösung, mit der sich Kunden auch in Bankkonten einloggen, in Schweden geht gar die verbreitete „BankID“-Lösung auf eine Bankeninitiative aus dem Jahr 2003 zurück. Inzwischen werde die Lösung von 80% der Schweden rechtsverbindlich für Bankgeschäfte, Verträge und Logins genutzt wird.

Solche Modelle schweben auch dem Bankenverband vor. „In Deutschland fehlt es bisher an verfügbaren und in der Breite akzeptierten Lösungen, mit denen sich Personen mit ihrer digitalen Identität überall und auf vollständig digitalem Wege gegenüber Geschäftspartnern ausweisen können“, heißt es. Anstelle eine Fülle an Insellösungen zu verfolgen, müssten Wirtschaft und Staat an einem Strang ziehen. „Hierfür braucht es eine neue enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor, deren Aufgabe soweit reichen kann, einheitliche Verfahrens- und Organisationsregeln wie auch technische Mindeststandards zu formulieren.“

Eine Schlüsselrolle für Banken dränge sich dabei – das zeige auch der Blick ins Ausland – nachgerade auf. „Der Weg aus diesem Dilemma liegt in einer stärkeren Wiederverwendung bestehender Identitätsdaten, selbstverständlich nur in dem Maße, das der Nutzer erlaubt. Das ist aber nur möglich, wenn es statt des jetzigen regulatorischen Flickenteppichs einheitliche Regelungen gibt. Deutschland muss hier mächtig Gas geben“, so BdB-Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid.

Die Banken könnten laut der BdB-Idee als Identitätsempfänger (Verifier) von digitalen Identitäten agieren, konkret also die vermutlich gesetzlich geforderten Identifizierungspflichten erfüllen. Denn: Dieser Vorgang ist beim Onboarden der Kunden schon heute Standard. Die Banken könnten aber auch eine zentrale Rolle als Treuhänder von Daten und Aussteller (Issuer) von digitalen Identitäten einnehmen, denn sie verfügten automatisch auch über stets verifizierte und aktuelle Kundendaten, so der BdB. Eine Konkurrenz zu bestehenden ID-Lösungen sei dies nicht, vielmehr hätten deren Anbieter die Chance, ihre Angebote in einem neuen System noch weiterzuentwickeln.

Gleichwohl gilt auch beim BdB: Keine Idee ohne Forderung: Bundesregierung wie EU seien nun am Zug, den entsprechenden Rechtsrahmen zu schaffen. Noch seien die Anforderungen an Identifizierungsprozesse je nach Branche und Land unterschiedlich. Idealerweise sollten sie über eine Verordnung vollständig harmonisiert werden – etwa im Rahmen der nun anstehenden Novellierung der eIDAS-Verordnung, die einheitliche Regelungen für Signaturen und die Bereitstellung von Vertrauensdiensten im EU schaffen soll.

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