Kurz gebloggt

Banken, ihr wollt ein Fintech akquirieren? Dann jetzt!

3. Februar 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Jetzt also auch Paypal. Um 25% stürzte die Aktie des Zahlungsdienstleisters gestern infolge enttäuschender Q4-Zahlen und schwachen Ausblicks ab. Seit den Höchstkursen im vergangenen Juli hat sich die Marktkapitalisierung mehr als halbiert – ein Schicksal, dass Paypal mit anderen Fintech-Schwergewichte teilt. So hat der US-Neobroker Robinhood (-74% seit dem Hoch im Juli) zuletzt ebenso eingebüßt wie die brasilianische Challenger-Bank Nubank (-41% seit dem IPO Anfang Dezember), der britische Geldtransfer-Spezialist Wise (-48% seit September) genauso wie der weiter oben schon erwähnte niederländische Payment-Darling Adyen (-35% seit August) …

… Und nun? Vier Thesen: 1.) Wir haben es in der Tat mit einer Korrektur zu tun, nicht mit einer Entzauberung. Die finanztechnologische Revolution wird sich nicht zurückdrehen lassen, die großen Fintechs nicht wieder verschwinden; 2.) Die hiesigen IPO-Kandidaten (N26, Solarisbank) werden hoffen müssen, dass sich die Stimmung im Laufe des Jahres wieder dreht; ansonsten scheint ein baldiger Börsengang zumindest im Falle von N26 zweifelhaft; 3.) Wäre das schlimm? Für den Moment nicht. Mit Ausnahme von Raisin DS haben sich alle großen deutschen Finanz-Startups während der letztjährigen Boom-Phase mit frischem VC-Kapital vollgesaugt. N26 hat dabei besonders spät (aber nicht zu spät!) und besonders kräftig (annähernd 1 Mrd. Euro) zugeschlagen; entsprechend lange werden die Mittel reichen. Und auch andere Player wie Trade Republic oder Scalable Capital dürften zumindest so viel Geld in der Kasse haben, dass einstweilen noch kein Grund zur Nervosität besteht …

… Und die vierte These? Betrifft unsere lieben Banken. Denn während die globale Fintech-Branche den gerade beschriebenen Rückschlag verdauen muss, haben viele auch hiesige Kreditinstitute in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Renaissance erlebt (wer’s nicht glaubt, dem raten wir, einfach mal die 20 aktuellsten Überschriften aus unserem Themen-Dossier “Ertragslage der deutschen Banken” zu überfliegen). Nur wollen wir Sie, liebe Vorständinnen und Vorstände, nicht gleich auf frivole Gedanken bringen. Aber die UBS hat letzte Woche für 1,4 Mrd. Dollar einen US-Robo gekauft, der grob überschlägig 5- bis 6-mal so viele Assets auf die Waage bringt wie Scalable Capital (letzten Sommer ebenfalls mit 1,4 Mrd. Dollar bewertet); und SAP hat sich letzte Woche für sogar <1 Mrd. Euro die hochspannende Trade-Finance-Plattform Taulia einverleibt (siehe -> Wie sich SAP zum Rivalen der Deutschen Bank aufschwingt) …

… Schon klar: Die meisten hiesigen Geldhäuser haben trotz Mini-Renaissance andere Sorgen, als irgendwelche schwer zu kalkulierenden Fintech-Deals zu stemmen (siehe Herr Sewing, der sich statt um irgendwelche Taulias lieber darum kümmert, die versprochenen Ausschüttungen zu leisten). Gleichwohl: Im sehr kleinen Stil haben die Deutsche Bank (siehe hier) und die DZ Bank (siehe hier) zuletzt ja bereits am deutschen Fintech-Markt zugegriffen. Und klar ist: Auch ein bis zwei Preisklassen drüber gibt es einige interessante, aber noch nicht brutal hoch bewertete Kandidaten (Penta, Compeon, Creditshelf, CRX Markets, Traxpay …), die man sich im Portfolio einer Bank theoretisch vorstellen könnte. So günstig wie im Moment wird’s vielleicht nicht wieder.

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