Exklusiv

Beben beim Bank-Verlag – Geschäftsführer vor Abgang

7. Mai 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Beben beim Bank-Verlag, dem IT-Dienstleister etlicher privater Banken hierzulande: Nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene soll das Frankfurter Vertriebsbüro der BdB-Tochter aufgelöst werden. Das Pikante hieran: Zwar ist der Vertriebstrupp nur wenige Mitarbeiter stark – er soll aber mehr oder wenig direkt einem der drei Geschäftsführer zugeordnet gewesen sein, nämlich dem früheren Credit-Suisse-Manager Michael Eichler. Auch der stehe vor dem Abgang, sagten uns gestern mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen.

Im Impressum fehlte der Name Eichlers gestern Abend bereits, auch aus dem Handelsregister wurde der Manager diese Woche ausgetragen. Kenner der Vorgänge sagen: Die Entscheidung, das Frankfurter Vertriebsteam aufzulösen, sei de facto nicht in der Kölner Zentrale des Bank-Verlags gefällt worden. Sondern: Beim privaten Bankenverband in Berlin, dem alle Anteile am Bank-Verlag gehören – und dessen Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid zugleich dem Beirat der IT-Tochter vorsitzt.

Wie die Recherchen von Finanz-Szene weiter zeigen, ist es in ebendiesem Beirat jüngst zu Umbesetzungen gekommen. So lässt sich über „Google Cache“ nachvollziehen, dass auf der Website des Bank-Verlags zuletzt noch der Commerzbank-Manager Stephan M. Müller als stellvertretender Beirats-Vorsitzender geführt wurde. Darüber hinaus gehörte der frühere Allianz-Manager Reiner Zorbach dem Gremium an. Gestern Abend fehlten die beiden Namen jedoch auf der Website. Stattdessen neu im Gremium: ein anderer Commerzbanker, nämlich Sebastian Kauck, Bereichsvorstand Corporate Clients & Treasury Platforms.

Was der Bank-Verlag macht – und welche Rolle der Vertrieb spielte

Der Bank-Verlag beschreibt sich selbst auf seiner Website als „das zentrale Serviceunternehmen privater Banken in Deutschland“. Zu seinen Kunden gehören klassischerweise Institute wie die Targobank, die Oldenburgische Landesbank und eben die Commerzbank. Hinzu kommen viele kleinere Geldhäuser, die von der Gewichtsklasse eher in die Kategorie von Sparkassen und Volksbanken fallen – mangels Verbundzugehörigkeit aber nicht von deren IT-Dienstleistern bedient werden.

Ein besonderer Fokus des Bank-Verlags liegt auf dem Zahlungsverkehr; zu den Spezialitäten gehört das Processing von Girocard-Transaktionen. Angestammte Finanz-Szene-Leser dürften das Unternehmen zudem durch die Geschichte „Sicherheitsleck beim Bank-Verlag ermöglichte OLB-Kontenraub“ kennen. Damals (das war im Herbst 2019) hatten Kriminelle angeblich von Brasilien aus Konten bei der Oldenburgischen Landesbank leergeräumt – unseren Recherchen zufolge begünstigt durch mutmaßliche Security-Versäumnisse beim Bank-Verlag.

Jedenfalls: Auf den ersten Blick steht das 1961 gegründete Unternehmen nicht schlecht da. Der Umsatz liegt seit Jahren um die 50 Mio. Euro, Tendenz zuletzt sogar steigend, unterm Strich steht meist ein Ergebnis irgendwo im einstelligen Millionenbereich. Branchenkenner halten den Bank-Verlag allerdings für potenziell anfällig. So drohe durch spezialisierte ausländischer IT-Player ebenso Konkurrenz wie durch aufstrebende Fintechs, heißt es. Zudem sei (anders als bei Sparkassen und Volksbanken) unklar, wie fest verbunden sich die privaten Banken „ihrem“ eigenen IT-Dienstleister fühlten. Müssten sich Institute zwischen dem Bank-Verlag und einem konkurrierenden Anbieter entscheiden, dann zähle das günstigere Angebot im Zweifel mehr als die gemeinsame Verwurzelung im privaten Bankensektor.

Die strategische Idee des Bank-Verlags sah vor diesem Hintergrund so aus, dass man nicht mehr um nur bestehende Mandate kämpfen, sondern verstärkt auch neue Kunden akquirieren wollte. In diesem Kontext sei auch die Verpflichtung Michael Eichlers im Jahr 2014 zu sehen gewesen, sagen Unternehmenskenner. Eichler hatte zuvor im Vorstand der deutschen Credit-Suisse-Ablegers gesessen. Nun sollte er seine Kontakte in die Community nutzen, um die Marktposition des Bank-Verlags zu stärken. Am Standort Frankfurt wurde das neue Vertriebsteam aufgebaut, fernab der Zentrale in Köln.

Warum Eichler nun gehen soll, er nicht mehr als Geschäftsführer firmiert, das Vertriebsteam aufgelöst wird – offiziell waren hierzu gestern keinerlei Auskünfte zu erhalten. Kenner sagen, die Erfolge der Vertriebsbemühungen seien überschaubar gewesen, Aufwand und Ertrag hätten in keinem vorteilhaften Verhältnis gestanden. Gesichert sind diese Erkenntnisse nicht, es gibt auch anderslautende Stimmen. Gut denkbar, dass man in einigen Tagen klarer sehen wird.

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