Bei Onvista häufen sich seit Wochen die technischen Probleme

23. März 2020

Von Christian Kirchner

Die Comdirect-Tochter Onvista Bank ist eigentlich ein reiner Online-Broker. Und doch erhielt der Sitz der Bank in der Wildunger Straße in Frankfurt-Bockenheim in den vergangenen vier Wochen 22 Mal Besuch – allerdings virtuellen. Auf dem Kartendienst Google Maps hinterließen 22 Personen eine „Ein-Sterne-Bewertung“ und machten ihrem Unmut über Ausfälle des Ordersystems, nicht einsehbaren Depots und unbeantworteten eMails und Anrufen Luft.

„Webseite nicht erreichbar, während die Börsen weltweit einbrechen. Das ist nicht preiswert sondern billig und nutzlos.“
„Als Kunde eines Online Brokers erwarte ich, dass die Server auch an hektischen Handelstagen ausreichend funktionieren. Das war in den letzten Tagen bei der Onvista Bank leider nicht der Fall. Ebenso konnte man telefonisch keinen Mitarbeiter erreichen. Dies hat mich viel Geld gekostet.“
„Heute funktioniert mal wieder gar nichts bei Onvista, es ist nicht einmal eine Überweisung auf das Referenzkonto möglich. Offensichtlich ist die EDV-Hardware völlig unzureichend und die IT-Abteilung mit ihrer Aufgabe überfordert.“

Darauf gestoßen ist Finanz-Szene aufgrund zahlreicher Leserzuschriften mit der gleichen Stoßrichtung: Teils sei tagelang kein Handel und auch keine Kommunikation mit Onvista möglich.

Nun erfordert die Berichterstattung über Störungen in bewegten Zeiten eine gewisse Sensitivität – und liegt auf der Hand, dass die hektischen Kapitalmärkte auch zu sehr starken Trading-Aktivitäten führt. Die schiere Zahl der Beschwerden seit nunmehr vier Wochen sowie ihre Beschreibungen gehen indes deutlich über die üblichen „Störungsmeldungen“ hinaus – und sind für nicht weniger Kunden ein handfestes Problem in bewegten Märkten.

Daher erkundigte sich Finanz-Szene.de bei der Onvista-Mutter Comdirect (bei der im übrigen der Handel dem Vernehmen nach völlig reibungslos läuft), was hinter den Problemen steckt. Die Antworten einer Sprecherin:

„Es ist korrekt, dass es bei der onvista bank in den vergangenen Wochen an einzelnen Tagen zu längeren Antwortzeiten und eingeschränkten Verfügbarkeiten bei diversen Kunden gekommen ist. Auslöser waren die massiven Kurseinbrüche an den europäischen Börsen, die zu stark volatilen Märkten übergingen. Auch bei der onvista bank wurden stark ansteigende Aktivitäten der Kunden verzeichnet“, heißt es dazu auf Anfrage. Und weiter: Am 24. und 28. Februar sowie am 2. März habe es „massive Verzögerungen bei der Anmeldung in der Handelsapplikation („Webtrading“) sowie der dortigen Darstellungen der Wertpapierdepots“ gegeben. In stark volatilen Märkten werde zudem der Direkthandel deaktiviert, wenn die Direkthandelspartner bei Kursanfragen nicht oder nur verzögert antworten – in dem Fall sei dann nur der börsliche Handel über Xetra verfügbar.

Weitere Schwierigkeiten habe es in der Woche ab dem 9. März gegeben („hohe Anzahl an Anfragen im Webtrading“ und „Schwankungen in einer Datenbank der Finanz- und Kursdatenplattform“, Schwierigkeiten bei der Anmeldung habe es dann wieder am 20. März gegeben – dem Zeitpunkt der Finanz-Szene.de-Anfrage. „Diese Einschränkung konnte kurzfristig behoben werden“, erklärte Onvista dazu.

Befragt nach der beklagten mangelnden Erreichbarkeit erklärte Onvista: „Aufgrund der technischen Einschränkungen war auch der Kundenservice der onvista bank zeitweise überlastet, sodass es zu erhöhten Wartezeiten kam. Darüber hinaus hat auch die onvista bank Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter sowie zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus getroffen, die zu einer Veränderung der Erreichbarkeit führen. Die Bearbeitungszeit im Kundenservice der onvista bank ist aktuell länger als gewohnt.“

Vereinfacht gesprochen: Das Problem ist offenbar, dass die Kunden Geschäft machen wollen – kein Ruhmesblatt für einen Broker, der in diesen Tagen die Chancen auf die provisionsstärksten Handelstage eines Jahrzehnts hat.

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