Exklusiv

Britischer Krypto-Spezialist kapert Hamburger Sutor Bank

15. Dezember 2021

Von Heinz-Roger Dohms, Caspar Schlenk und Christian Kirchner

Die vor allem als Whitelabel-Partner etlicher deutscher Fintechs bekannt gewordene Sutor Bank wird verkauft. Nach Informationen von Finanz-Szene.de und Finance Forward steigt die britische BCB Group zunächst als Minderheitsgesellschafter bei dem Hamburger Geldhaus ein – die Zustimmung der Bafin vorausgesetzt, soll der britische Zahlungsdienstleister die Sutor Bank in einem zweiten Schritt dann komplett übernehmen. Zum Kaufpreis machten die beteiligten Parteien gestern keinerlei Angaben. In der Branche hieß es, vermutlich werde eher ein zweistelliger als ein dreistelliger Millionenbetrag fließen.

Die Sutor Bank ist in vielerlei Hinsicht ein Solitär im deutschen Kreditgewerbe. Das liegt zum einen an ihrer eher ungewöhnlichen Rechtsform (formal firmiert die Sutor Bank als „Max Heinr. Sutor oHG“) – es liegt aber auch daran, dass sich das Institut nur schwer einer bestimmten Gattung zuordnen lässt. Die Sutor Bank tummelt sich in der Vermögensverwaltung, sie managt zahlreiche Stiftungen, sie ist aber auch als Dienstleister von Investmentgesellschaften positioniert.

Zugleich hat sich Sutor in den vergangenen Jahren einen Ruf als verlässlicher B2B-Partner für Fintechs ohne eigene Banklizenz erworben. Der mittlerweile mit Raisin verschmolzene Einlagen-Broker Deposit Solutions stützt sich ebenso auf die Infrastruktur von Sutor wie der jüngst an Lloyd Fonds verkaufte Robo Advisor Growney. Darüber erweiterte Sutor – mit seinem umtriebigen Business-Development-Chef Hartmut Giesen – frühzeitig seine Services in Richtung digitale Währungen. Auf diese Weise gewannen die Hanseaten zum Beispiel den Krypto-Sparplan-Spezialisten Coindex und den Aktien- und Krypto-Broker Justtrade als Kunden.

Dank Krypto schaffen die Sutor-Eigner nun den Exit

Die ganz großen B2B-Kunden – auch das gehört zur Wahrheit – zog die Sutor-Bank mit ihren Whitelabel-Aktivitäten nicht an Land. Eine gewisse Bekanntheit erreichte die Sutor Bank auch als Garantiegeberin hinter den „Riester“-Fondssparplänen unter der Marke Fairr, doch auch dieses  Neugeschäft wurde erst im Mai eingestellt.

Dafür haben die Krypto-Aktivitäten allerdings entscheidend dazu beigetragen, dass die beiden geschäftsführenden Inhaber Thomas Meier und Robert Freitag nun einen mutmaßlich ordentlichen Exit hinlegen. Denn: Bei der übernehmenden BCB Group handelt es sich um einen ausgewiesenen Krypto-Spezialisten. Die Briten bieten Zahlungsverkehrs- und Kontolösungen rund um den institutionellen Handel mit digitalen Währungen an. Zu den Kunden gehören nach eigenen Angaben sogar Branchengrößen wie Coinbase, Bitstamp oder Kraken. Das wichtigste Produkt von BCB nennt sich „Blinc“. Dabei handelt es sich um einen digitalen Service, über den institutionelle Krypto-Player ihre Liquidität hin- und her transferieren.

Das Problem der BCB Group allerdings ist: Da ihre Services auch Einlagengeschäft berühren, können die Briten viele ihrer Transaktionen mangels eigener Banklizenz bislang nur mithilfe von Partnerbanken anbieten. Diese Notwendigkeit soll künftig entfallen – denn durch den Zukauf von Sutor verfügt die BCB Group, wenn die Finanzaufsicht ihr Plazet gibt, demnächst über eine eigene Lizenz. Ihre übrigen Geschäfte soll die Sutor Bank derweil weiter betreiben. Auch Thomas Meier und Robert Freitag, also die beiden Geschäftsleiter, bleiben an Bord.

Für das Geschäftsjahr 2020 hat die Sutor Bank noch keine Zahlen vorgelegt. Wie aus älteren Geschäftsberichten hervorgeht, hatten die Hamburger ihre Bilanzsumme zwischen 2014 und 2019 von knapp 40 Mio. Euro auf 4,3 Mrd. Euro ausgeweitet. Davon entfielen zuletzt allerdings rund 4 Mrd. Euro auf Treuhandgeschäfte, vermutlich wesentlich für Deposit Solutions. Einen heißen Reifen fährt die Bank trotz explodierter Bilanzsumme also nicht. Sondern: Die Erträge kommen praktisch ausschließlich aus dem Provisionsgeschäft. Das Betriebsergebnis – erwirtschaftet mit rund 120 Mitarbeitern – belief sich zuletzt auf 4 Mio. Euro.

Gewinn- und Verlustrechnung Sutor Bank (2019)

2019 (in Tsd. Euro 2018 (in Tsd. Euro) Veränderung
(in Tsd. Euro)
Zinsüberschuss -68 -8 -60
Provisionsüberschuss 16.321 15.047 +1.274
Laufende Erträge 16.253 15.039 +1.214
Personalaufwand 7.616 6.743 +873
Andere Verwaltungsaufwendungen 6.032 5.276 +756
Abschreibungen 367 393 -26
Laufende Aufwendungen 14.015 12.412 +1.603
Sonstige betriebliche Erträge 1.752 1.889 -137
Sonstige betriebliche Aufwendungen 326 970 -644
Bewertungsergebnis Wertpapiere 445 -120 +565
Bewertungsergebnis Kreditgeschäft -70 -14 -56
Betriebsergebnis 4.039 3.412 +627
neutrales Ergebnis -1.222 -768 -454
Ergebnis vor Steuern 2.817 2.644 +173
Ertragsteuern 480 376 +104
Abgeführter Gewinn 160 182 -22
Einstellungen in Fonds für allgemeine Bankrisiken 0 0 0
Bilanzgewinn 2.177 2.086 +91

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