Exklusiv

Buchungs-Panne bei Commerzbank ist Spätfolge des HSBC-Desasters

12. Januar 2022

Von Christian Kirchner

Die Steuer-Panne mit teils horrenden Abbuchungen bei tausenden Kunden von Commerzbank und Comdirect steht in direktem Zusammenhang mit der geplatzten Auslagerung der Wertpapierabwicklung an die HSBC Deutschland. Das zeigen Reaktionen des Kundenservice sowie Einträge von Insidern im Comdirect-Kundenforum.

Wie berichtet, hatten sich tausende Kunden in den ersten Januartagen mit teils sechsstelligen Abbuchungen von Kapitalertragssteuern konfrontiert gesehen – selbst, wenn die tatsächliche fällige Steuerlast in Wirklichkeit nur bei einigen hundert Euro lag. Das Problem entstand stets dann, wenn die entsprechenden Buchungen Anfang 2022 erfolgten, aber ein Valuta noch zum Jahresende 2021 hatte. Dann nämlich wurden bei der Berechnung nicht die Ausschüttungen zugrundegelegt – sondern fälschlicherweise die gesamten im Vorjahr angefallenen Kapitalerträge belastet. Die Folge (mal abgesehen von dem Schock, dass Kunden einen Missbrauch wittern könnten): In Extremfällen waren Referenzkonten so weit überzogen, dass sie nicht mehr nutzbar waren für Abhebungen oder Kartenzahlungen.

Der Hintergrund der Blamage: Eigentlich hatte die Commerzbank ihre komplette Wertpapierabwicklung an die HSBC auslagern wollen. Infolge technischer Schwierigkeiten stoppte das Management diesen Prozess jedoch Mitte vergangenen Jahres und nahm für bereits aufgelaufene Kosten eine Abschreibung über 200 Mio. Euro in Kauf. Kurz darauf verlor IT-Vorstand Jörg Hessenmüller seinen Job.

Da die Abwicklung von Steuern stets bezogen auf ein Kalenderjahr erfolgen muss, hatte die HSBC bereits zum Jahreswechsel 2020/21 die Berechnung der Steuern übernommen. Eine Rückübertragung dieser Verantwortlichkeit zur Commerzbank konnte dann erst wieder zum gerade erfolgten Jahreswechsel 2021/2022 erfolgen. Genau bei dieser Rückübertragung entstand dann der Fehler, die Commerzbank nahm die Tätigkeit wieder auf und griff dabei auf den falschen Datensatz zu.

Vollständig behoben ist die Panne übrigens immer noch nicht. “Die Stornierung der falsch abgerechneten Steuerbeträge wurde bis auf wenige Einzelfälle am letzten Freitag abgeschlossen, die Neuabrechnung ist noch in Arbeit”, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage. Zu den Ursachen der Panne wollte er sich allerdings nicht äußern.

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