Exklusiv

CFD-Plattform von Comdirect, Flatex und S-Broker kollabiert

4. März 2020

Von Christian Kirchner

Der bei aktiven Tradern beliebte Online-Handel mit Differenzkontrakten (CFDs) steht nach Finanz-Szene.de-Informationen bei zahlreichen deutschen Brokern seit Montag quasi still – und wird dies wohl auf unbestimmte Zeit auch weiterhin tun. Ursache des Blackouts sei eine Störung beim sogenannten „Market Maker“, in diesem Fall die französische Société Générale, wie es von Anbietern auf Anfrage übereinstimmend heißt.

Die Panne ist für Kunden wie Broker extrem bitter – für die Kunden, weil sie die in der Regel hochvolatilen und mit vielfachen Hebeln ausgestatteten CFDs jetzt nur noch per Telefon oder E-Mail ordern und verkaufen können – und das in der momentan turbulenten Marktphase. Den Brokern wiederum geht ausgerechnet an den aktivsten Tagen seit Jahren massenhaft Provisionsgeschäft flöten. CFD-Trader gehören zu den aktivsten privaten Akteuren überhaupt. Sie handeln im Schnitt rund 400-mal pro Jahr.

Konkret geht bei der Comdirect, beim S-Broker, bei Onvista sowie bei Flatex – kurz: bei den Top-Adressen der aktivsten Trader hierzulande – schon seit Montag quasi nichts mehr. Welcher Schaden den Anbietern sowie deren Kunden entstanden ist und wer dafür aufkommen muss, ist bislang völlig unklar. Zumal sich ja viele, auch sehr praktische Fragen stellen: Was zum Beispiel ist mit offenen Positionen? Erst Recht, wenn große Kredithebel im Spiel sind. Die Anbieter nehmen allerdings Not-Dispositionen per eMail und Telefon an.

Die Comdirect jedenfalls sah sich heute Vormittag zu einer Stellungnahme in der Comdirect-Community veranlasst, …

Moin zusammen,
bevor jetzt hier die Spekulationen weitergehen: Wir haben gerade die Info bekommen, dass auch heute kein Handel starten wird. Ob und wann morgen der CFD-Handel wieder möglich ist, vermag ich euch nicht sagen. Jetzt erwartet ihr natürlich weiterhin eine Begründung und ich sehe auch hier die Verschwörungstheorien.

Allerdings: Die Begründung ist, dass die SocGen technische Probleme hat. Was im Detail das Probleme ist, kann ich euch nicht sagen, da ich keine Details habe. Das ist für alle Seiten, und ganz besonders für euch, eine massiv frustrierende Situation und ich versichere euch, dass wir euch mit Infos versorgen sobald wir diese haben. Ein kleines Trostpflaster, das ist mir bewusst.

Weiterhin gilt: Wenn ihr Positionen fiktiv schließen wollt, dann meldet euch telefonisch bei uns (es kann zu einer Warteschleife von einigen Minuten kommen) oder schreibt und eine E-Mail an cfd@comdirect.de.

… die das ganze Ausmaß des Dramas offenbart: Wer disponieren will mit möglicherweise offenen Positionen in einem irre schnellen Markt, soll eben anrufen (und die Warteschleife in Kauf nehmen) oder eine E-Mail schreiben. Krass.

Bei Flatex, das ebenfalls im CFD-Handel auf die Société-Générale-Plattform setzt, bittet man die Kunden ebenfalls anzurufen, stellt Wartezeiten wegen des „hohen Inbound-Volumens“ in Aussicht – und verbindet das ganze elegant noch mit dem Hinweis auf offene Stellen.

Die Société Générale will ihre prominente Marktstellung als Handelspartner der Broker durch einen Zukauf des entsprechenden (ehemaligen) Commerzbank-Geschäfts ausbauen: Dabei handelt es sich um das Equity Markets & Commodities-Geschäft (EMC), welches von der Commerzbank an die Franzosen verkauft wurde. Der Verkauf ist zwar fix, aber technisch und personell nach Informationen aus Finanzkreisen noch immer nicht vollständig abgeschlossen. Dabei sollte sollte die Transaktion im Laufe von Q1 eigentlich abgeschlossen sein. Das EMC-Segment erwirtschaftete im letzten Jahr unter dem Dach der Commerzbank (2017) Bruttoerträge von knapp 400 Mio. Euro und gilt als einer der wichtigen sogenannten „Marketmaker“ für Privatanleger-Produkte.

Finanz-Szene.de bat die Société Générale um eine Stellungnahme zur Lage. „Aufgrund eines technischen Problems in unserer IT-Infrastruktur ist das Market Making in CFDs durch Société Générale seit Montagmittag von einem Handelsausfall betroffen. Wir nehmen den Vorfall sehr ernst und arbeiten mit Hochdruck daran, das Problem zu beheben. Momentan gehen wir davon aus bis zum 05.03. zur Markteröffnung wieder handelbar zu sein“, hieß es von einer Specherin.

Nach Angaben des CFD-Verbands gab es in Deutschland zuletzt 195.000 CFD-Konten. 2018 verzeichnete der Verband 69 Mio. Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 1.580 Mrd. Euro (was kein Tippfehler ist, da das durchschnittliche Handelsvolumen aufgrund der den CFDs eigenen Hebeleffekte rund 23.000 Euro beträgt).

Randnotiz: Der Broker Consors ist dem Problem gerade noch so entkommen. Er wechselte den CFD-Marketmaker zum 1. März von einem Franzosen zum anderen, nämlich von der SocGen zu BNP Paribas.

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