Exklusiv

Check24-Bank erhält Bafin-Lizenz und soll am 1. Oktober starten

18. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Das größte deutsche Vergleichsportal Check24 will „wenn alles glatt läuft“ bereits zum 1. Oktober mit seiner „C24 Bank“ an den Start gehen. Diese Festlegung hat Geschäftsführer Christoph Röttele gestern im Exklusiv-Gespräch mit Finanz-Szene.de getroffen. Zuvor hatten wir das Unternehmen mit einer Entdeckung konfrontiert, die einer unserer Leser in den Tiefen der Bafin-Homepage gemacht hatte. Dort stand schwarz auf weiß geschrieben, dass die Finanzaufsicht der „C24 Bank“ per 14. Mai (und damit rund ein Jahr nach Antragstellung) die angestrebte Vollbank*-Lizenz erteilt hat – was Röttele so bestätigte.

Noch deutlich spannender als der Erhalt der Lizenz und die Nennung des geplanten Launch-Termins ist allerdings eine weitere Facette. So gestattete Röttele in dem Gespräch mit uns erstmals einen Einblick in das Geschäftsmodell der „C24 Bank“. Und zwar: Anders als von manchen deutschen Retailbankern geargwöhnt, will der Internet-Gigant die Banklizenz nicht dazu nutzen, seine eigenen die Zins- und Kreditvergleiche in Zukunft mit eigenen Produkten zu fluten. Sondern: „Wir wollen zunächst einmal nur ein Girokonto und eine Karte anbieten“, so Röttele – ein minimalistisches Setup, das auf den ersten Blick an Challenger-Banken wie N26 erinnert und fast langweilig anmutet.

Die Besonderheit des Ansatzes zeigt sich erst bei näherem Hinsehen. So soll die Produktpalette nämlich sehr wohl – und zwar gleich vom Start weg – auch Zins- und Kreditangebote enthalten. Diese allerdings kommen nicht von der „C24 Bank“ selber. Stattdessen sollen die Kunden von der Oberfläche der Bank direkt zu den entsprechenden Produktvergleichen von Check24 durchgeleitet werden. Heißt: Der Kunde der „C24 Bank“ erhält dann seinen Ratenkredit beispielsweise von der Postbank, seine Baufinanzierung von einer Sparkasse oder er legt sein Tagesgeld bei irgendeiner ausländischen Hochzinsbank an. Im Grunde ist es derselbe Ansatz, den Check24 jetzt auch schon verfolgt – allerdings mit dem Unterschied, dass der Kunde über die Girokonto-Verbindung noch sehr viel tiefer als bislang ins eigene Ökosystem gelockt wird.

Sollte dieser Ansatz funktionieren, sind die Folgen für die klassischen Retail-Banken weitreichend. Schließlich hat die Branche genug damit zu tun, den Kundenzugang gegenüber Bigtechs wie Apple oder Google sowie gegen Finanz-Startups wie N26, Penta oder Finanzguru zu verteidigen. Dabei bringt Check24 gegenüber normalen Fintechs mindestens drei Vorteile mit:

  1. Das Vergleichsportal verfügt über eine sehr große Kundenbasis
  2. Check24 ist eine eingeführte Marke
  3. Die Münchner verfügen über eine enorme Finanzkraft, sind also beim Aufbau ihrer Bank nicht auf externes Eigenkapital angewiesen – was gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise ein Vorteil sein könnte

Wie ernst es Check24 bei seinen Banking-Plänen ist, zeigt sich auch daran, dass die „C24 Bank“ ohne Whitelabel-Partner (also ohne die Sutors und Solarisbanks dieser Republik) hochgezogen wurde. „Das einzige, was wir zugekauft haben, ist das Kernbanksystem. Alles andere haben wir selber und nach unseren eigenen Bedürfnissen entwickelt – sprich: die komplette Banking-Infrastruktur“, sagte uns „C24 Bank“-Geschäftsführer Franz Josef Nick. Seinen Angaben zufolge arbeiten schon jetzt an die 80 Mitarbeiter für das Institut, darunter Entwickler, Produktmanager sowie Regulierung- und Compliance-Experten. „Richtung Launch wird diese Zahl noch einmal deutlich steigen, weil dann auch die Kollegen hinzukommen, die sich direkt um die Kunden kümmern werden“, sagte Nick, der von 2007 bis 2015 Vorstandschef der Targobank war.

Wie die Konto-Lösung bepreist wird, ist Röttele zufolge noch nicht klar. Allerdings darf man davon ausgehen, dass es vermutlich ein kostenloses Angebot geben wird – mit gewissen Einschränkungen wie etwa einer begrenzten Zahl von Bargeld-Abhebungen. Bei der Karte, die es zum Girokonto geben wird, soll es sich um eine Mastercard Debit handeln – auch das ist eine Parallele zu N26. Und ein weiterer Beleg, dass die Girocard der deutschen Kreditwirtschaft nicht unantastbar ist.

Vergleichsportal Check24 stellt Antrag auf Vollbank-Lizenz


Ja, wir wissen, dass man heutzutage nicht „Vollbank-Lizenz“ sondern „Banklizenz“ sagt. Wir finden das Wort aber so schön …

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