Commerzbank hat seit 36 Stunden heftige IT-Probleme im Brokerage

5. Februar 2020

Von Christian Kirchner

Auch Finanz-Szene.de hatte zu Jahresbeginn gute Vorsätze – zum Beispiel, keine aufgeregten Artikel mehr zu tickern, nur weil mal irgendwo das Online-Banking für ein paar Stündchen nicht zu erreichen ist. So etwas gehört ja mittlerweile zum guten Ton unter Deutschlands Kreditinstituten.

Die Folge dieses guten Vorsatzes allerdings ist, dass wir jetzt manchmal warten und warten und warten und unsere Leser vertrösten (die uns ja immer gleich mailen, wenn irgendwo was hakt) … und irgendwann merken wir: Upps, aus den paar Stündchen ist ja jetzt ein ganzer Tag geworden. So war es Anfang Januar bei der DKB. Und so ist es diese Woche bei der Commerzbank.

Als uns am Dienstag die ersten Leserzuschriften erreichten, dass das Online-Brokerage der Commerzbank nicht funktioniere – da ignorierten wir das erstmal. Dann allerdings wurde es Mittwoch. Und schließlich Mittwochabend. Und da dünkte uns (zumal auch längst die Social-Media-Accounts der Coba heißliefen): Kann es sein, dass unsere Gelbbank in ihrem Wertpapiergeschäft mit einem ausgewachsenen IT-Problem zum kämpfen hat? Eine Lösung nämlich war bis Redaktionsschluss – nach immerhin 36 (!) Stunden … – immer noch nicht in Sicht. Das ging aus den Twitter-Beiträgen der Bank hervor, die die aufgeregt zwitschernde Kundschaft einzufangen versuchte.

Konkret gibt es seit mindestens Dienstag früh massive Probleme für Kunden, sich überhaupt in ihr Depot via Website oder App einzuloggen – was gerade für aktive Trader essentiell ist. Sind die Kunden nach unzähligen Versuchen dann doch mal im System, klagen sie teils darüber, eigentlich bereits verbuchte Transaktionen nicht zu sehen und keiner Order aufgeben zu können, weil ihr verfügbarer Kontostand nicht stimme.

Imagemäßig ist das für die Commerzbank alles höchst misslich – darüber hinaus ist der Ausfall für das Frankfurter Institut allerdings auch geschäftlich sehr viel relevanter, als man vielleicht meinen könnte. Denn: Auch wenn man bei „Commerzbank“ vielleicht nicht automatisch an „Brokerage“ denkt: Per Ende 2018 (aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar) kamen die Coba-Kunden im Wertpapierbereich auf ein Bestandsvolumen von 93,4 Mrd. Euro. Insgesamt erwirtschaftete das Geldhaus mit dieser Klientel im Wertpapiergeschäft erstaunliche 757 Mio. Euro an Erträgen.

Bei Twitter und über das Portal „Allestoerungen.de“ ließen die Kunden ihrem Unmut freien Lauf:

„Es ist unglaublich, seit Monaten ist eine Ordererteilung nur schwierig, bzw. gar nicht möglich! Mittlerweile steht das komplette System seit mehr als 30 Stunden! E-Mails an das Beschwerdemanagement und die Vorstände bleiben unbeantwortet. (…) Ruft man bei der Hotline, oder seinen Kundenberater an, hört man immer nur, dass es „höhere Gewalt“ sei und dies mit Bedauern zur Kenntnis nimmt.“ (Quelle)

„Kann das leider exakt so bestätigen – Keine Kauf oder gar Verkaufsorder möglich , keine Depotauswahl, kein Aufruf des Orderbuchs! Beschwerdemanagement vertröstet mit warmen Worten, Hotline ist mangels ausreichenden System-Berechtigungen nicht handlungs- und aussagefähig.“ (Quelle)

„Meine gestrigen Transaktionen sind auch anscheinend verschwunden. Heute wieder kein Kauf oder Verkauf möglich. Kontostände werden als 0,0 angezeigt. Depotübersicht ist nicht aktuell.“ (Quelle)

„Das kann doch nicht sein! Was für eine Unverschämtheit! Gestern Aktien verkauft – heute wegen erneuter technischer Störungen kein Guthaben gutgeschrieben. Stattdessen wieder die verkauften Aktien im Depot. – Das sollte man wirklich mal an die BaFin melden!“ (Quelle)

„Seit Stunden wieder IT-Probleme bei der Commerzbank. Keine Wertpapierordererfassung möglich!“ (Quelle)

„Die Commerzbank ist disruptiv im Aktienhandel – aber auf eine nervige Art: Depot- und Aktienfunktionalitäten im Online-Banking sind seit Tagen nicht verfügbar“ (Quelle)

„Wie lange dauert es denn? Wer zahlt die Verluste bzw. entgangene Gewinne? Telefonisch ist auch keiner erreichbar.“ (Quelle)

Auf Anfrage von Finanz-Szene.de bestätigte die Commerzbank gestern die grundsätzlichen Probleme. Die Frage nach den genauen Ursachen blieb offen. Auf eine Aussage, wann das Brokerage wieder läuft, wollte sich die Bank nicht festlegen. Das Social-Media-Team setzte derweil eher hilflos klingende Tweets wie diesen hier ab:

„Unsere IT arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Lösung des Problems. Derzeit können wir leider nicht abschätzen, ab wann die Systeme wieder fehlerfrei funktionieren. Daher bitten wir um Entschuldigung und Geduld.“ (Quelle)

Die Panne weist Parallelen zu einem Ausfall auf, den die Commerzbank Ende Dezember in einer weitaus ruhigeren Börsenphase zu verzeichnen hatte. Auch damals kamen Kunden nicht in ihre Depots und konnten keine Kaufaufträge aufgeben. Auch damals war nur die Commerzbank betroffen – nicht aber die Tochter Comdirect.

Und Parallelen gibt es nicht nur beim Störungsbild, sondern auch, was die Ratschläge der Social-Media-Mitarbeiter an die Kunden angeht: Man möge sich doch bitte an die Filiale wenden.

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