Exklusiv

Das Comdirect-Geheimprojekt: Stock Republic statt Trade Republic

28. April 2022

Von Caspar Schlenk

Dieses Mal soll alles besser laufen. Rund sieben Jahre ist es her, dass ein junges Team in die „Startup-Garage“ der Comdirect einzog. Die drei Gründer werkelten damals an einer Trading-App für die junge Generation. Ein Produkt, das in der Bank Anklang fand: Ursprünglich wollte Comdirect bei dem Startup investieren. Doch nach längeren internen Diskussionen verwarf man die Pläne und sagte den Deal ab, um eine eigene Anlage-App zu entwickeln. Ein fundamentaler Fehler, wie sich herausstellte. Das damals verschmähte Fintech heißt heute Trade Republic – Bewertung: 5,3 Mrd. Dollar. 

Aus diesem Fehler hat das Bankmanagement offenbar gelernt. Wieder ist vor einigen Monaten ein junges Team in den Accelerator „Startup Garage“ eingezogen, das an einem Investment-Feature arbeitet. Ein halbes Jahr später steht ein gemeinsames Produkt vor dem Start, wie die Comdirect gegenüber Finance Forward und Finanz-Szene bestätigte. Die Beta-Phase läuft bereits. Schon beim Namen dürften Erinnerungen wach werden: das Fintech heißt „Stock Republic“.

Trotz des ähnlichen Namens handelt es sich offenbar nicht um eine Copycat von Trade Republic. Das schwedische Fintech entwickelt eine Social-Trading-Plattform. Als Kunde kann man erfolgreichen Tradern folgen, in einem Newsfeed die Aktivitäten verfolgen oder sich in Gruppen mit Freunden austauschen. Diesen Service, der Etoro oder Shares ähnelt, wird aber nicht an Endkunden verkauft, sondern an andere Banken. Über eine Schnittstelle wird das Depot mit Stock Republic verbunden.

Auch aus der verpassten Investmentchance hat die Comdirect gelernt. Im vergangenen Sommer ist die Bank mit ihrem Frühphasen-Investor Main Incubator bei dem Unternehmen eingestiegen. Schon zu der Zeit hieß es, dass Bank und Fintech würde an einem „Proof of Concept“ arbeiten, um den Comdirect-Kunden das Angebot freizuschalten.

Dies befindet sich nun offenbar in der Vorbereitung, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Ein Name für das neue Projekt ist auch schon gefunden: Es soll „Histocks“ heißen, die Domain Histocks.de leitet noch auf die Seite der Comdirect weiter.

Die Situation für die Bank ist seit der Trade-Republic-Absage nicht einfacher geworden, um neue Projekte umzusetzen. Nach dem Zusammenschluss mit der Mutter Commerzbank sind viele Leute aus Quickborn gegangen. Auch interne Initiativen sollen teilweise erst einmal gestoppt worden sein: Demnach gab es Pläne für eine eigene CFD-App, die eine junge Zielgruppe ansprechen sollte. Durch die sogenannte „Contract for Differences“ lassen sich auch Teile von Aktien handeln, die Geschäfte sind meistens aber riskanter. Durch die Teil-Aktien ist der Einstieg auch mit niedrigen Summen möglich.

Mit Histocks wagt die Bank nun den zweiten Anlauf: Auch in diesem Fall wird Histocks wohl eher eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Doch diese sind mittlerweile eine andere Bedienbarkeit gewöhnt, die Standards für die sogenannte „User Experience“ sind hoch – spätestens seit Trade Republic.

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