Exklusiv

Deutsche Bank, Allianz und VW legen bei Verimi nach

9. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms und Caspar Schlenk

Der 2018 als Login-Dienst der deutschen Wirtschaft gestartete Identity-Spezialist Verimi bekommt so etwas wie eine zweite Chance. Laut Recherchen von Finanz-Szene.de und Finance Forward investieren vier der zwölf Gesellschafter – nämlich die Deutsche Bank, die Allianz, VW Financial Services und Samsung – noch mal eine insgesamt achtstellige Summe in das Berliner Unternehmen. Darüber hinaus soll ein neuer, uns namentlich nicht bekannter Investor bereit sein, sich ebenfalls in signifikantem Umfang an Verimi zu beteiligen. „Das ist ein sehr prominenter Name und wird dem Projekt noch mal einen richtigen Schub verleihen“, sagte uns eine mit den Vorgängen vertraute Person. Läuft alles glatt, soll der neue Investor in den nächsten Wochen präsentiert werden.

Verimi war vor drei Jahren als sogenannter „Single Sign-on“-Dienst gestartet und sollte die deutsche Antwort auf die Identifizierungs-Features globaler Techkonzerne wie Google oder Facebook werden. Die großen Erwartungen konnte das Projekt allerdings nicht erfüllen. Zwar gelten die Verimi-Lösungen als technisch anspruchsvoll. Das Startup tut sich aber schwer, auf die notwendige Reichweite zu kommen. Das Grundproblem: Während die Verbraucher mit Diensten wie “Facebook Connect”,  “Login with Google“ oder „Sign-In with Apple“ fast automatisch in Berührung kommen, mangelt es Verimi bis heute an  Sichtbarkeit. Die Hoffnung, die Verbraucher würden Verimi eigens ansteuern, um die verifizierte Identifizierung vorzunehmen, erwies sich als verfehlt. Aus seiner Nischen-Position kam das Konzern-Startup nie wirklich heraus. Die drei ursprünglichen Geschäftsführer verließen das Verimi frühzeitig, zwei der wichtigsten Gesellschafter, nämlich Springer und die Telekom (die via T-Systems beteiligt ist) schlossen sich dem Wettbewerber „European netID Foundation“ an.

Dass die Deutsche Bank, die Allianz, VW Financial Services und Samsung ihr Engagement trotz dieser Rückschläge intensivieren, ist nicht nur ein positives Signal – sondern es verstärkt den Eindruck, dass Verimi seinen Fokus im Laufe der vergangenen Monate deutlich verändert hat: Im Mittelpunkt steht erkennbar nicht mehr das Massengeschäft. Sondern die sogenannten „hochwertigen Identitäten“, wie sie besonders in hochregulierten Branchen beziehungsweise Lebensbereichen zum Einsatz kommen. Das gilt zum Beispiel für die Finanzindustrie, in der bekanntlich das Geldwäschegesetz eine eminent wichtige Rolle spielt. Es gilt für Telekomanbieter, die TKG-konforme (das Kürzel steht für Telekommunikations-Gesetz) Identifizierungs-Verfahren benötigen. Und es gilt im behördlichen Kontext. Stichwort „eIDAS“ – also die Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste.

Dass von den vier investitionsbereiten Altgesellschaftern gleich drei der Finanzindustrie entstammen, dürfte folglich kein Zufall sein. Die Deutsche Bank nutzt Verimi jetzt schon – etwa für die Anmeldung im Online-Banking, siehe hier – und will die Zahl der Use Cases in den kommenden Monaten weiter erhöhen, wie zu hören ist. „Nachdem der Kunde einmal den Ident-Prozess durchlaufen hat, kann es sich per One-Click fortan problemlos identifizieren. Kontenübergreifend. Bankenübergreifend. Und dann starker Authentifizierung komplett PSD2-konform“, sagte einer, der die Pläne kennt. Ähnliche Ideen werden der Allianz nachgesagt, die Verimi bislang auf ihrem „Meine Allianz“-Portal einsetzt (siehe hier), aber ebenfalls weitere Use-Cases prüfen soll. Bei Volkswagen wiederum plant die Finanztochter VWFS den Roll-out unter anderem in Autohäusern. Das Ziel: Durch Verimi soll beim per Kredit oder Leasing die Zahl der Prozessschritte signifikant reduziert werden.

Bleibt die Frage, wer der sagenumwobene fünfte Investor ist. Dass es diesen gibt, wurde Finanz-Szene und Finance Forward gleich von mehreren Seiten bestätigt – den Namen des ominösen neuen Gesellschafters wollte aber keine unserer Gesprächspartner preisgeben. Ein Tech-Player? Würde nicht zur Story passen. Ein Fintech? Auch nicht wirklich, zumal Verimi in Startup-Kreise eher kritisch gesehen wird. Was vielleicht passen würde: ein Player aus dem Bereich der Immobilienfinanzierung. Wobei – das ist schiere Spekukation. Die übrigen acht Bestandsinvestoren, die bei der aktuellen Funding-Runde allem Anschein nach nicht mitziehen (neben Springer und T-Systems sind das die Bundesdruckerei, Daimler, Core, Deutsche Bahn, Giesecke & Devrient, Lufthansa) bleiben angeblich allesamt an Bord. Allerdings werden ihre Anteile natürlich verwässert.

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