Exklusiv

Deutsche Bank hält Norisbank für sanierungsreif – scheut aber die Kosten

8. Dezember 2021

Von Christian Kirchner

Die Deutsche Bank hält ihre defizitäre Tochter Norisbank für dringend renovierungsbedürftig – scheut aber die hierfür notwendigen Investitionen. So heißt es im dieser Tage vorgelegten Geschäftsbericht der Direktbank für 2020, die Mutter habe bereits vor zwei Jahren “ein Projekt initiiert, um die Norisbank perspektivisch zu einem stark wachsenden Anbieter […] zu entwickeln”. Dafür sei aber eine “tiefgreifende Transformation” erforderlich, die “alle Bereiche grundlegend […] umfasst und signifikante Investitionen in den Umbau der Bank erfordert”. Aufgrund der “besonderen ökonomischen Herausforderungen im Kontext der COVID19-Krise” sei die Umsetzung dieser Strategie allerdings “verschoben” worden.

Tja, auf wann? Das geht aus dem Bericht nicht hervor. Allerdings ist im Umfeld der Deutschen Bank zu hören, dass das Projekt bis heute nicht angestoßen worden sei. Auf Nachfrage äußert sich ein Sprecher eher ausweichend: Die Deutschen Bank arbeitet derzeit an einer “umfassenden Transformation” des hiesigen Retailgeschäfts. Dies solle “perspektivisch auch zu positiven Impulsen für die Norisbank führen”.

2020 blieb die Bank im Minus – und 2021 sieht es ähnlich aus

Die Aussagen im Geschäftsbericht und die operativ nach wie vor trübe Lage werfen die Frage auf, wie es mit der Norisbank überhaupt strategisch weitergeht, denn das Bild gleicht sich Jahr um Jahr: Die als günstige Online-Bank positionierte Tochtergesellschaft hat eine der höchsten Kundenfluktuationsraten der ganzen Branche, die Cost-Income-Ratio bewegt sich konstant über 100%, operativ ist die Bank “rot”, und zwar ohne Aussicht auf Besserung. Auch für das laufende Jahr geht die Norisbank laut Geschäftsbericht von einem “negativen Ergebnis im niedrigen einstelligen Millionenbereich” aus.

So sank der für das Ergebnis entscheidende Zinsüberschuss 2020 um 19% (!) auf nur noch 34,3 Mio. Euro – unter anderem, weil die Einlagen der Kunden stiegen (um 14% auf 4,2 Mrd. Euro), nicht aber die Kreditvolumina (unverändert bei rund 0,6 Mrd. Euro).

Der Provisionsüberschuss stieg zwar – unter anderem wegen neuer Kontoführungsgebühren von inaktiven Kunden – um 0,8 Mio. Euro, beträgt insgesamt aber nur 2,1 Mio. Euro. Den Verlust konnte die Norisbank unterm Strich von 18,4 Mio. auf 2,8 Mio. Euro senken. Dies ist allerdings der Tatsache geschuldet, dass die hohe Abschreibung des Geschäfts- und Firmenwertes weggefallen ist. Die Kosten stiegen um 9%, die Cost-Income-Ratio betrug 107%.

64.000 Kunden kamen, doch 44.000 gingen auch

Immerhin: Der Norisbank gelang es 2020 zum ersten Mal seit längerem wieder, die Zahl der Kunden zu steigern. Sie gewann 64.000 Neukunden für sich, verlor parallel 44.000 und stand per Jahresultimo bei 570.000 Kunden (nach zuvor 550.000).

Unter dem Strich bleibt die Bank ein Haus für "Schnelldreher" in der Kundschaft: Seit mindestens sieben Jahren schon verlassen die Bank in guten Jahren 40.000 Kunden, in schlechten gar 70.000 (siehe hier). Zum Vergleich: Andere Direktbanken verlieren (brutto) pro Jahr lediglich 3-5% ihrer Kunden – nicht 7-13% Prozent wie die Norisbank.

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