Exklusiv

Deutsche Bank verliert zweiten „Digitalchef“ binnen 12 Monaten

22. April 2021

Von Christian Kirchner

Der Chief Digital Officer für das hiesige Privat- und Firmenkundengeschäft, Michael Koch, verlässt die Deutsche Bank, wie Finanz-Szene.de von Insidern erfahren hat. Die Gründe sind nicht ganz klar, dem Vernehmen nach hat der Manager allerdings bereits eine neue Position in Aussicht. Wie genau Kochs Aufgaben verteilt und Titel vergeben werden, ist noch in Klärung. Nach unseren Informationen soll Frank Pohlgeers, bislang Head of Digital Sales der Privatkundenbank, zumindest Teile der Zuständigkeiten übernehmen. Die Deutsche Bank bestätigte den Weggang Kochs, wollte aber ansonsten keine weitere Stellungnahme abgeben.

Nach Markus Pertlwieser im vergangenen Jahr verlässt damit der zweite führende Digitalstratege die Privatkundenbank – wobei es sich, wie auch bei Pertlwieser, den Insidern zufolge um eine Trennung „im Guten“ handeln soll. Koch arbeitet ausweislich seines Social-Media-Profils seit 24 Jahren für das größte deutsche Geldhaus. Dort stand er in den vergangenen Jahren zwar häufig im Schatten Pertlwiesers, der als Gesicht für die Digitalisierung der Deutschen Bank galt und später auch den Geschäftsbereich „Digital Ventures“ verantwortete. Allerdings war auch Koch prägend für die Sparte – und zwar nicht erst, nachdem Pertlwieser das Haus im vergangenen Sommer verlassen hatte und später als CEO beim Berliner Fintech Penta anheuerte.

Koch agierte über die Jahre stärker im Hintergrund. Er war zeitweise Chef der 2016 vorgestellten Digitalfabrik der Deutschen Bank und kümmerte sich, wie über die Jahre wiederholt zu hören war, auch sonst vor allem um wichtige interne Aufgaben – also Dinge, die oft technischer und organisatorischer Natur waren. Dazu zählten zum Beispiel komplexe Projekte wie die gelungene Einführung von Apple Pay.

Zuletzt war es eher ruhig geworden um Koch. Das hängt laut Schilderungen aus der Bank auch damit zusammen, dass sich die digitalen Aufgaben in der Privatkundensparte seit einiger Zeit vor allem um die Frage drehen, wie man die Postbank technisch komplett integriert und Synergieeffekte hebt. Auch wegen des verordneten Sparzwangs soll wenig Luft für solche Ideen und Investitionen sein, die nicht unmittelbar Erträge oder Kosteneinsparungen generieren.

Die Postbank, ihre IT – und die schwierige Integration

Bereits auf ihrem Investorentag Ende 2020 hatte die Deutsche Bank angekündigt, dass sie den Zeitplan und die erhofften Einsparungen der IT-Konsolidierung der Postbank anpassen müsse. Hatte sie früher von 400 Mio. Euro gesprochen, die sie mit der Postbank-Integration alleine in der IT und Operations einsparen könne – und zwar bereits im Jahr 2022 -, so korrigierte sie diese Ziele urplötzlich. So soll es zunächst einmal bei den 2019 gestemmtem Netto-Einsparungen von 100 Mio. Euro bleiben. Weitere Netto-Einsparungen traue sich die Bank nun volle drei Jahre bis 2022 nicht mehr zu – Begründung: man investiere mehr.

Erst 2024 will man dann doch noch bei insgesamt 400 Mio. Euro landen – faktisch eine Verschiebung der eigentlich für 2022 angekündigten Sparziele bei IT und Operations um zwei Jahre. Zur neuen Planung gehört auch, dass die IT-Systeme der Postbank nicht wie angekündigt schon 2022, sondern erst 2023 abgeschaltet werden sollen. Ob Kochs Abgang mit all diesen Entwicklungen in Zusammenhang steht, ist unklar. Im Umfeld der Bank heißt es allerdings, man bedauere intern Kochs Weggang.

Problematisch sieht es auch bei den Gewinnzielen der Privatkundensparte aus. Diese soll gemäß der Mitte 2019 verkündeten Strategie im kommenden Jahr 2 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern erwirtschaften und damit maßgeblich zum Unternehmensziel von 8% Eigenkapitalrendite beitragen. Davon ist das Institut Analysten zufolge allerdings weit entfernt: Im laufenden, noch von Umbauarbeiten geprägten Geschäftsjahr rechnen die Experten im Durchschnitt mit einem Vorsteuergewinn von 0,5 Mrd. Euro – und selbst im kommenden Jahr nur mit 1,2 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern. Für die Unternehmensbank sieht es noch etwas düsterer aus: Hier hat die Deutsche Bank ebenfalls 2 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern als Ziel für 2022 ausgegeben, Analysten rechnen aber aktuell nur mit 1,1 Mrd. Euro.

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