Kurz gebloggt

Deutsche ING sieht in den Bigtechs die Gewinner der PSD2

28. November 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Der Frage, wie die ING Deutschland die PSD2 umsetzt, haben wir uns in den vergangenen Monaten sehr ausführlich gewidmet. Siehe unsere Artikel …

Was uns allerdings nie ganz klar wurde: Wie denkt die größte deutsche Online-Bank eigentlich über die PSD2? Ist sie ein Anhänger der Open-Banking-Vision? (Tendenz: nein). Ist die PSD2 für die ING Diba ein Mittel zum Zweck, wobei der Zweck in der Stärkung des eigenen Ökosystems liegt? (Tendenz: kann sein). Und welche Rolle spielen die Fintechs in dieser Strategie? Sind sie Partner? Helfer? Konkurrenten?

Um es kurz zu machen: In dieser Woche hat sich die deutsche ING (oder jedenfalls einer ihrer Manager) erstmals sehr grundsätzlich zur PSD2 positioniert. Und die Aussagen lassen aufhorchen. Denn sie lesen sich fast so, als sähe die ING Diba in der neuen Richtlinie vor allem: eine Gefahr fürs eigene Geschäftsmodell.* Wobei die Gefahr nicht von den Fintechs ausgeht. Sondern: „Google, Facebook und Apple sind die eigentlichen Gewinner.“

So sagte es Martin Schmidberger, Bereichsleister Kundeninteraktionen, am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion der Stiftung Datenschutz in Berlin.

Wir selbst waren bei der Veranstaltung nicht zugegen – wohl aber die Kollegen von „Heise“ (hier geht’s zu deren sehr lesenwertem Originalartikel). Und die zitieren Schmidberger unter anderem wie folgt (wobei wir uns von der ING haben bestätigen lassen, dass die Sätze wirklich so gefallen sind):

  • Dank der PD2-Schnittstellen könnten die Tech-Riesen „wie eine Bank agieren, ohne eine zu sein“
  • Der Wettbewerb verlagere sich zu den „Non-Banks“ (aktuelle Beleg: Die Banking-Pläne von Google in den USA und Check24 in Deutschland)
  • Der Wettbewerbsgedanke (um den es  bei der PSD2 ja eigentlich gehen sollte) stoße dabei jedoch an Grenzen, da die BigTechs ihre massiven Kundenvorteile ausspielten
  • Unterm Strich seien es immer Google & Co., die von gesetzlichen Auflagen zum Datenteilen am stärksten profitierten, „da sie schon eine etablierte Plattform haben“ und Einwilligungshürden beim Kunden leicht überspringen könnten.

Und die Fintechs? Schmidberger meint „Heise“ zufolge, die große Frage sei doch, wer noch den „zentralen Zugang zum Kunden“ habe. Startups gehörten eher nicht dazu, da sie sich als Nischenplayer schwertäten, die erforderliche Einwilligung vom Kunden für den Datenzugang zu bekommen.

Starke Aussagen. Denn wenn (wenn!) stimmt, was Schmidberger sagt, dann müssten sich nicht nur die Wettbewerbspolitiker fragen lassen, ob es das ist, was sie wollten. Sondern: Die gleiche Frage ginge dann auch an die (deutsche) Fintech-Lobby.

Denn für wen hätte sie dann jahrelang lobbyiert? Für Google?


*In der ursprünglichen Fassung des Artikels hatten wir geschrieben, die ING sehe in der PSD2 eine Gefahr für ihr Geschäftsmodell. Wir haben die Formulierung abgeändert, um klarzumachen, dass es sich hierbei um eine Interpretation unsererseits handelte.

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