Exklusiv

Die Volksbank, die dem Fintech Billie 100 Mio. Euro bereitstellt

25. Oktober 2021

Von Caspar Schlenk

Matthias Knecht hatte von der hessischen Volksbank gehört, die gerne mit Fintechs zusammenarbeitet. „Irgendwann habe ich dem Chef Ralf Magerkurth nachts um halb zehn auf Linkedin geschrieben“, erzählt Knecht, Gründer des Berliner Factoring-Fintechs Billie. Schon wenige Minuten später habe er eine Antwort erhalten. Innerhalb von wenigen Wochen waren sich Knecht und Volksbank handelseinig. „Das ging rasant schnell, eine Geschwindigkeit, die ich von Goldman erwartet hätte, nicht von einer Volksbank.“

Der Name Magerkurth taucht mittlerweile häufiger in der deutschen Fintech-Szene auf. Er ist der Chef der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank, einem Zusammenschluss von regionalen Banken in Südhessen und Franken. Sein neuester Deal: Seine Bank steckt rund 100 Mio. Euro in Billie, also jenes Finanz-Startup, das gerade erst ein großes Funding mit Tencent und Klarna abgeschlossen hat.

Als Teil der Finanzierungsrunde hat sich Billie eine neue Kreditlinie gesichert. Rund 171 Mio. Euro (200 Mio. Dollar laut Billie) stellen die Magerkurth-Volksbank, das Berliner Fintech Raisin und die Hamburger Varengold-Bank insgesamt bereit. Das Fintech finanziert auf diesem Wege sein weiteres Wachstum, es drängt zurzeit in den Markt für das sogenannte „Buy now, pay later“. Die beliebte Zahlart für Endkunden soll nun auch bei Unternehmenskunden bekannt gemacht werden. Für diesen Schritt arbeiten die Berliner mit dem „Buy now, pay later“-Spezialisten Klarna zusammen. Ab dem kommenden Jahr soll das Billie-Angebot über das Händlernetz des schwedischen Payment-Riesen vertrieben werden. Schon zuletzt drängte Billie stärker in das Segment, beispielsweise über den Online-Händler Contorion.

Im Hintergrund handelt es sich um einen Forderungsankauf von Billie (Factoring), das Fintech kauft dabei dem Händler die Forderung ab und holt sich auf der anderen Seite Refinanzierungspartner – wie jetzt mit der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank, Raisin und Varengold. „Im Durchschnitt haben die Käufer ein Zahlungsziel von 30 Tagen“, sagt Knecht. „Das heißt, aus den 200 Mio. Dollar können wir 2,4 Mrd. Dollar pro Jahr finanzieren.“ Noch schöpfe Billie diesen Betrag aber nicht aus.

Für die Volksbank ist es der jetzt fünfte Fintech-Deal

Für Magerkurth und die Volksbank ist es bereits der fünfte Fintech-Deal. Erst vergab das Unternehmen über das Banking-Startup Penta KfW-Kredite. Dann folgte eine Partnerschaft mit den beiden Gründungen von Miriam Wohlfarth, einmal finanzierte er das neue Embedded-Finance-Startup Banxware mit 100 Mio. Euro, dann den „Buy now, pay later“-Anbieter Ratepay sogar mit 200 Mio. Euro.

Im Juli verkündete dann die Kreditplattform Creditshelf eine Kooperation mit der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank. Die Unternehmenskunden der Bank können künftig Kredite über die Plattform erhalten. „Wir leben Ökosystem-Banking“, ließ sich Magerkurth in diesem Kontext zitieren.

Die Bank, mit einer Bilanzsumme von rund drei Mrd. Euro, probiert sich aus – auch, weil sie dazu gezwungen ist. „Da wir aus einer strukturschwachen Region stammen, müssen wir in der Kreditvergabe andere Wege gehen als andere Regionalinstitute“, sagte der Volksbank-Chef vor einiger Zeit gegenüber Finanz-Szene.de. Nun müssen allerdings die verschiedenen Fintech-Partner abliefern. Im Geschäftsbericht des kommenden Jahres dürfte sich erstmals abzeichnen, wie gut die Kooperationen funktionieren.

Factoring-Fintech Billie erhält Refi-Linie über 50 Mio. Euro

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing