Kurz gebloggt

Die Yomo-App der Sparkassen. Eine Chronologie zum Abschied

4. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

„Der Rollout ist geplant. Dauert nicht mehr lange. So twitterte es der „@yomo_app„-Account am 30. August 2016 um 16.20 Uhr in die Welt hinaus. Heute weiß man: Dies war ein Irrtum. Ein Irrtum unter vielen. Denn der wirkliche „Rollout“ für Yomo, das digitale Konto der Sparkassen – er kam nie. Und er wird wohl auch nicht mehr kommen.

Denn wie am Wochenende zunächst das „Handelsblatt“ (Paywall) berichtete, wird das Yomo-Konto  – einst gedacht als Frontalangriff auf N26 – niemals livegehen (auch wenn Insider sagen, die Entscheidung sei noch nicht final). Stattdessen zitiert das „HB“ aus einem Rundschreiben des DSGV, wonach Yomo zur einer bloßen App verkommt, mit dem der Kunde dann sein eigentliche Sparkassen-Onlinekonto verknüpfen kann.

Zum Abschied eine Chronologie in Zitaten:

2. Mai 2016: Die Enthüllung

„Nach Informationen der ‚Süddeutschen Zeitung‘ arbeiten mehrere Großsparkassen (…) seit Monaten an einem Konkurrenten zu Number 26. Das millionenschwere Geheimprojekt trägt den Namen Yomo (eine Abkürzung für „Your Money“)

(Quelle: SZ)

10. Juni 2016: Der Plan

„Yomo ist der Versuch, eine Smartphone-Konto für die „mobile only“-Klientel zu entwickeln. Hier entwickeln einige Sparkassen gemeinsam ein neues Produkt für eine spezifische Kundengruppe. Wir wissen noch nicht, wie das Produkt letztlich aussehen wird. In den kommenden Monaten wird sich das aber konkretisieren“

(DSGV-Vorstand Joachim Schmalzl im „Handelsblatt“)

30. August 2016: Die Ankündigung, Teil I

2. September 2016: Der Moment des Durchdrehens

9. März 2017: Die Weissagung

„Jungs, Yomo ist aber keine wirklich zentrale Lösung, sondern bisher ein Flickenteppich. Wie willst Du das sinnvoll vermarkten?“

(Der Fintech-Blogger André Bajorat in einem Streitgespräch mit seinen Blogger-Kollegen Jochen Siegert und Maik Klotz, die sich zur Verwunderung Bajorats als große Yomo-Fans geoutet hatten)

28. Juni 2017: Der Pseudo-Launch

„Die „Yomo“-App – Yomo für „Your Money“ – steht ab Anfang Juli, also ab kommender Woche, für iPhones und Android-Handys zum Herunterladen bereit. Das teilte die Münchner Stadtsparkasse, die bei Yomo federführend ist, auf Anfrage mit.“

(Quelle: Handelsblatt)

21. Februar 2018: Der erste Sargnagel

„Die Yomo genannte „Mobile-Bank“-Initiative der deutschen Sparkassen entwickelt sich zum Fiasko. Wie Recherchen von ‚Finanz-Szene.de‘ zeigen, hat sich die Haspa – und damit die größte Sparkasse hierzulande – zumindest vorübergehend aus dem Projekt zurückgezogen.“

(Quelle: Finanz-Szene.de)

11. Mai 2018: Das Eingeständnis, Teil I

„Yomo ist weiterhin in der Erprobungsphase, diese dauert noch bis Jahresende“

(Ein Sprecher der Sparkasse München auf „Handelsblatt“-Anfrage)

23. November 2018: Die Ankündigung, Teil II

„‚Yomo wird in 2019 in den breiten Einsatz gehen‘, erklärt Franz-Theo Brockhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung des Sparkassen-IT-Dienstleisters Finanz Informatik (FI). Eine komplett überarbeitete Version, an der sich 130 der 385 Sparkassen beteiligen wollen, soll im Dezember an den Start gehen. Zunächst unter dem Dach der Tochter Star Finanz entwickelt, sei die App von den Sicherheitsexperten und Juristen der FI, was etwa Software-Engineering oder auch die allgemeinen Geschäftsbedingungen angehe, nochmals nach Strich und Faden auseinandergenommen worden, sagt er. Auf diese Weise habe FI vor dem breit angelegten Neustart jegliches Risiko ausschalten wollen. ‚Dies ist auch ein Stück Reengineering gewesen‘, erklärt er.

(Quelle: Börsen-Zeitung auf Basis eines Interviews mit Franz-Theo Brockhoff)

14. Mai 2019: Die Ankündigung, Teil III

„Der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) rechnet aber damit, dass Yomo zumindest im Laufe des Jahres loslegt: ‚Das sagen derzeit alle Informationen, die mir zur Verfügung stehen‘. Er persönlich glaube an Yomo. ‚Und ich gehe davon aus, dass demnächst einige Sparkassen Yomo einführen werden.'“

(Quelle: Das „Handelsblatt“ auf Basis eines Interviews mit DSGV-Chef Helmut Schleweis)

19. November 2019: Das Eingeständnis, Teil II

„Die deutschen Sparkassen kommen mit ihrem Smartphonekonto Yomo (Abkürzung für „Your Money“) nicht voran. Bislang bieten lediglich zwölf der knapp 400 deutschen Sparkassen ein solches App-basiertes Girokonto an, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) auf Anfrage mitteilte.“

(Quelle: Handelsblatt)

31. Januar 2020: Der wohl finale Sargnagel

„Yomo ist eine App, kein Konto. Anstatt einer Verknüpfung mit einem dezidierten Yomo-Konto (App = Konto) rückt Yomo künftig näher an die Sparkasse und kann jedes Sparkassen-Girokonto abbilden (App = Infrastruktur).“

(Auszug aus einem Rundschreiben des DSGV, zitiert im Handelsblatt)

1. Februar 2020: Das Schlusswort

RIP @yomo_app sehr sehr hoffnungsvoll und vor allem zeitnah als Fast Follower gestartet aber durch S-Apparatschiks fast lehrbuchmässig nach Christensen‘s #innovatorsdilmma zerrieben. Hoffentlich lernen genau diese daraus für weitere #Digitalisierungsinitiativen der SFG

(Der Fintech-Blogger Jochen Siegert bei Twitter)

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