Kurz gebloggt

DKB meldet siebten Ergebnisrückgang in Folge

13. November 2020

Von Christian Kirchner

Mit Verlaub: Kann es sein, dass die Ergebnisse der DKB Quartal um Quartal sinken, während die Ergebnisse der beiden wichtigsten Konkurrenten grosso modo stabil bleiben (ING Deutschland) bzw. zuletzt nachgerade explodiert sind (Comdirect)?

Schauen Sie sich dazu doch bitte mal folgende Tabelle an, die auf Zahlen Zahlen der BayernLB basiert (also der DKB-Mutter, die gestern – siehe unsere News-Rubrik – ihre Q3-Zahlen veröffentlicht hat):

Vorsteuer-Gewinn Vergleich zur Vorjahres-periode absolut Vergleich zur Vorjahres-periode relativ
Q1 2019 96 Mio. € -18 Mio. € -16%
6M 2019 147 Mio. € -57 Mio. € -28%
9M 2019 241 Mio. € -51 Mio. € -17%
2019 301 Mio. € -16 Mio. € -5%
Q1 2020 28 Mio. € -68 Mio. € -71%
6M 2020 115 Mio. € -32 Mio. € -22%
9M 2020 234 Mio. € -7 Mio. € -3%

Quelle: BayernLB-Mitteilungen

Klar, das ist alles nicht dramatisch, zumal vor dem Hintergrund der Corona-Krise. „Quartal vs. Quartal“ wäre auch mal ein Plus darunter, und knapp neun Prozent Eigenkapitalrendite und 65% Cost-Income-Ratio – die muss man im deutschen Bankenmarkt erst mal verdienen. Aber: Seit Ende 2018 ging das Ergebnis nun mal in sieben der letzten sieben Zwischen- bzw. Jahresberichte zurück.

Und warum gehen die Ergebnisse der DKB tendenziell zurück? Auch das lässt sich den regelmäßigen Mitteilungen der BayernLB entnehmen:

  • Q1/2019: „… insbesondere aufgrund von Personalaufbaumaßnahmen und strategischen Projekten, beides im Zusammenhang mit weiteren Digitalisierungsinitiativen“
  • Q2/2019: „… aufgrund von steigenden Aufwänden für Regulatorik und strategischen Investitionen in Digitalisierung und Kundenservice“
  • Q3/2019: „… strategische Investitionen in Digitalisierung und höhere Aufwendungen für überplanmäßiges Kundenwachstum“
  • Q4/2019: „… strategischen Investitionen in Digitalisierung und Kundenservice sowie gestiegene Aufwendungen aus Bankenabgabe und Einlagensicherung“
  • Q1/2020: „… eingeleiteten Investitionen in das digitale Leistungsangebot“
  • Q2/2020: „… strategische Investitionen in Vertrieb und Digitalisierung (…) sowie gestiegene Aufwendungen aus Bankenabgabe und Einlagensicherung.“
  • Q3/2020: „….Investitionen in die IT-Infrastruktur und den Vertrieb“

Sprich: Bei der DKB lahmt selbstverständlich nie das Geschäft. Sondern: Die sich kontinuierlich verschlechternden Zahlen dienen als Beleg, dass die zweitgrößte deutsche Direktbank auf dem richtigen Weg ist: Es wird investiert, es wird digitalisiert, man wächst, man baut auf, und selbstverständlich geschieht das grundsätzlich auf „strategische“ Art und Weise.

Was zur nächsten spannenden Frage führt: Wie sieht es eigentlich beim Kundenwachstum aus? Kurz zu Erinnerung: Immer mehr Kunden zu gewinnen, das ist ja das, was bis vor Kurzem fast alle deutschen Banken unbedingt wollten, urplötzlich aber kaum noch eine. Die Deutsche Bank verliert Kunden (siehe hier), die HVB auch (siehe hier), die Commerzbank hat sich von ihrem Neukunden-Dogma verabschiedet (siehe hier), die gerade auf die Coba verschmolzene Comdirect wuchs auf Q-Basis zuletzt nur noch um 39.000 Kunden (einschließlich Depotkunden), und selbst der deutschen ING hat ein Umdenken stattgefunden (siehe hier).

Und die DKB? Die macht da nicht mit, auch nicht bei den ganzen neuen Kontogebühren – sondern kündigte 2019 an, ihre Kundenzahl binnen fünf Jahren auf acht Millionen Kunden verdoppeln zu wollen.

Zwischenstand? Ziehen wir offizielle Berichte mit den Formulierungen aus den Quartalsberichten bis gestern zusammen, sieht die Lage so aus:

Kundenzahl
Q2/2019 „4,15 Mio.“
Q3/2019 „4,2 Mio.“
GJ 2019 4,368 Mio
Q1/2020 „mehr als 4,4 Mio.“
Q2/2020 4,464 Mio.
Q3/2020 „mehr als 4,5 Mio.“

… womit die DKB also binnen Jahresfrist und per September roundabout 300.000 Kunden gewonnen haben dürfte. Damit liegt sie zwar leicht über dem Mittel der letzten Jahre (siehe auch unsere Analyse hier) …

… gemessen an den eigenen sehr ambitionierten Zielen ist das allerdings (noch) viel zu wenig. Um bis 2024 auf acht Millionen Kunden zu kommen, müsste die DKB ihre Kundenwachstum annähernd verdreifachen werden auf knapp 800.000 Neukunden pro Jahr. Oder es braucht einen anorganischen Move.

Und bis dahin?

Erstaunlicherweise ist von zwei Effekten in den DKB-Zahlen rein gar nichts zu sehen: Karteneinsatz und Trading-Boom. Der Provisionsüberschuss liegt nach neun Monaten bei minus 1 Mio. Euro. Erklärung hierfür im Quartalsbericht? Keine.

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