Kurz gebloggt

DKB melkt Geschäftskunden – und erhöht von 0 auf 15 Euro

8. Februar 2021

Von Christian Kirchner

Die DKB ist fraglos eine erfolgreiche Bank, die allein 2019 knapp 300 Mio. Euro verdient hat. Dass Provisionsgeschäft allerdings trägt hierzu traditionell eher wenig bei – wenn überhaupt: Minus (minus!!!) 7 Mio Euro standen zum Beispiel im ersten Halbjahr 2020 zu Buche, nach minus 13 Mio. Euro im Vorjahr. Warum das so ist? Etwas vereinfacht: Das Kern- und Ankerprodukt „DKB Cash“ ist nun mal kostenlos – aber es kostet die Bank …

Was also tun? In einem erstaunlichen Preis-Move hat die zweitgrößte deutsche Direktbank nun bewiesen, dass ihr die Provisionserlöse zumindest nicht völlig gleichgültig sind. Bislang hatte die BayernLB-Tochter ihre „DKB Business“-Konto für Freiberufler (also etwa Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Journalisten, Apotheker, Ärzte …) genau wie das Retailkonto kostenlos angeboten. Damit allerdings ist seit Anfang Oktober Schluss – was vielen Kunden (darunter auch ein Finanz-Szene.de-Leser) allerdings mutmaßlich erst jetzt auffiel. Nämlich mit dem Kontoauszug fürs vierte Quartal, auf dem eine Belastung von 45 Euro ausgewiesen wird.

Sprich: 15 Euro pro Monat. Nach zuvor 0 Euro. Ein Preissprung, wie es ihn auch nicht alle Tage gibt …

Die DKB wird damit von jetzt auf gleich vom Billigheimer zum Teuerhansel.  Die Commerzbank ruft für ihr Geschäftskonto einen Grundpreis von 9,90 Euro auf, bei der Deutsche Bank sind es im Basisangebot ebenfalls 9,90 Euro, bei der Hypo-Vereinsbank 7,00 Euro (wobei die drei Institute jeweils auch teuerere und teils sogar deutlich teuerere Varianten im Angebot haben). Nur haben diese Banken auch ein umfangreiches Filialnetz. Anders als die DKB. Die ist, was die Filialfrage angeht, eher mit Business-Banking-Fintechs wie Fyrst, Holvi oder Kontist zu vergleichen, die allesamt mit kostenlosen Basic-Angeboten um Kunden werben.

Der Finanz-Szene.de-Leser, der uns auf die Sache aufmerksam machte, schilderte uns übrigens glaubhaft, dass er von der Erhöhung (bzw.: eigentlich geht es ja gar nicht um die „Erhöhung“ eines Preises, sondern um die erstmalige Bepreisung als solche) tatsächlich erst durch die Abbuchung erfahren habe. Was wiederum damit zusammenhängen könnte, den Banken hier eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 2016 zupass kommt. Seitdem reicht es, den Kunden etwaige Änderungen bei Preisen und Geschäftsbedingungen in „Textform“ mitzuteilen – in Abgrenzung zur „Schriftform“. Die Banken müssen den Kunden nun kein Schreiben mit Unterschrift mehr zusenden – das ganze geht auch per Mail oder per „elektronischer Mitteilung“, zu der Banken Kunden in der Regel als Kommunikationsform auch zwingen.

So lief es jedenfalls auch im Fall des Finanz-Szene.de-Leser, dem die DKB auf Nachfrage mitteilte: „Wir haben unsere Kunden auf zwei Wegen über die Änderung des Preis- und Leistungsverzeichnisses informiert, einmal mit einer Information auf dem Kontoauszug Monat Juli 2020 sowie über eine Finanzstatusmeldung im Internetbanking (Juli bis September 2020).“

Erstaunlich: Auf unsere Anfrage reagiert die DKB mit einer anderen Variante als gegenüber dem Kunden. „Über die Veränderung der für Businesskund*innen gültigen Entgelte haben wir im letzten Jahr pflichtgemäß informiert. Die hierzu notwendigen Informationen wurden u.a. im Kontoauszug (im Juli 2020), in verschiedenen Mailings, in einer langfristigen Finanzstatusmitteilung im Internetbanking (vom 30.7.-01.10.2020), in einem Brief an bestimmte Kundengruppen, sowie auch auf unserer Homepage entsprechend kommuniziert.“ Macht fünf statt zwei Wege, oder steckt hier der Teufel etwa im Detail der Formulierung „u.a.“?

Gut jedenfalls für die DKB und andere Banken: Während massive Preisanpassungen im Retailgeschäft zu Abwanderungen führen, tun sich Geschäftskunden normalerweise deutlich schwerer, ihre Bankverbindung zu wechseln. Rechnen wir also mal durch, was passiert, wenn das mutmaßliche Kalkül der DKB aufgeht und ein großer Teil der Kunden trotz des Preisschocks bei der Direktbank bleibt.

Also:

  • Im 2019er Geschäftsbericht ist die Rede von rund „63.000 individuell gewerblich und privat betreuten Kunden“, 2018 war in einer Präsentation die Rede von „40.000 Geschäftskunden“. Genauere Angaben über die Zahl der betroffenen Kunden will die Bank nicht machen und verweist auf den Geschäftsbericht.
  • Multipliziert man jedenfalls (nur) die 40.000 Kunden mit 180 Euro pro Jahr wären das theoretisch bis zu 7,2 Mio. Euro Provisionserlöse pro Jahr

Wie viele Kunden es genau betrifft, bleibt zwar vage, aber die Richtung dürfte stimmen –  und je nachdem, wie sich das übrige Provisionsgeschäft entwickelt, könnten’s am Ende die 15 Euro sein, die die DKB beim Provisionsergebnis demnächst über die Nulllinie hieven.

Das gab es diese Woche sonst noch in unserer Rubrik „Produkt & Kunde“

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