Exklusiv

DKB startet Robo-Advisor. Und partnert mit gleich zwei Fintechs

10. September 2021

Von Caspar Schlenk und Heinz-Roger Dohms

1.634 Tage ist es her, dass der Chef der zweitgrößten deutschen Direktbank DKB, Stefan Unterlandstättner, zum ersten Mal von seinen Robo-Advisor-Plänen berichtete. „Wir gucken uns das an und haben auch schon Gespräche mit Anbietern geführt“, sagte er auf der Bilanz-Pressekonferenz am 22. März 2017. Also vor ziemlich genau viereinhalb Jahren.

Was folgte, war ein Hin und Her, wie man es selten erlebt hat. Erst galt das Berliner B2B-Fintech Elinvar als favorisierter Robo-Partner der DKB. Dann der Marktführer Scalable Capital. Auch Namen wir Quirion kursierten – bevor Privatkundenchef Thilo Hacke im Mai 2019 dann doch wieder Elinvar aufs Schild hob. Im gleichen Jahr sollte der Launch erfolgen. Woraus nichts wurde. Stattdessen: Passierte weitere 24 Monate lang – nichts.

Nun allerdings soll der Robo-Advisor der DKB tatsächlich starten. So jedenfalls schildern es Insider übereinstimmend gegenüber Finance Forward und Finanz-Szene.de. Eigentlich sei Anfang September als Starttermin vorgesehen gewesen, heißt es. Dann allerdings gab es den Schilderungen zufolge doch wieder Probleme. Die Testphase wurde kurzerhand noch mal um einige Wochen verlängert. Und nun? Soll es nach dem Willen der Beteiligten im Oktober endlich, endlich losgehen.

Was die Frage aufwirft: Ist es dazu nicht mittlerweile zu spät? Nicht wegen der vier Wochen. Sondern wegen der viereinhalb Jahre.

Tatsächlich ist der Hype um die Robo-Advisor – der damals, vor 1.634 Tagen, noch herrschte – längst abgeklungen. Es gibt zwar immer noch etliche Anbieter. Auf mindestens 1 Mrd. Euro  unter Verwaltung oder wenigstens einen hohen dreistelligen Millionen-Anlagebetrag kommen aber lediglich Scalable Capital, Liqid, Raisin Invest, die Comdirect (mit ihrem Robo Cominvest) sowie Quirion.

Warum man bei der DKB nun trotzdem noch startet? Vermutlich, weil das Wertpapiergeschäft in den zurückliegenden anderthalb Jahren einen ungeahnten Boom erfahren hat. Davon profitieren zwar in erster Linie die Neobroker, also beispielsweise Trade Republic. Das Kalkül vieler Branchenvertreter allerdings lautet: Der Aktien- und Kryptohandel ist bloß so etwas wie die Einstiegsdroge. Früher oder später werden viele Jung-Trader ihre Geldanlage langfristig ausrichten – wovon dann auch die Robos profitieren.

Wird’s wirklich so kommen? Die DKB scheint die Hoffnung immerhin zu hegen. Und hat sich dafür den Informationen von Finance Forward und Finanz-Szene.de zufolge nicht nur mit einem Robo-Advisor zusammengetan, sondern gleich mit zweien. Die technische Infrastruktur soll (wie vor vier Jahren intern bereits angedacht und vor zwei Jahren erstmals namentlich angekündigt) von Elinvar kommen – einem hochgewetteten Finanz-Startup, das sich bislang vor allem als Digitalisierungs-Helfer von Privatbanken wie M.M. Warburg oder Donner & Reuschel einen Namen gemacht hat.

Einerseits klingt das nach einer sehr soliden Wahl. Andererseits: Bei Elinvar handelt es sich tatsächlich um einen reinen Technologieanbieter. Einem Partner wie Warburg reicht das. Genügend Expertise in der Vermögensverwaltung bringen die Private-Banking-Spezialisten ja selbst mit. Das Problem mit der DKB dagegen ist: Sie verfügt weder über das eine noch das andere. Also weder über die notwendige Technologie noch über einen eigenen Investmentansatz.

Und so braucht es also einen zweiten Partner. Für die VV. Und dieser Partner ist in der Tat eine Überraschung. Es handelt sich laut den Recherchen von Finance Forward und Finanz-Szene.de nämlich – um Solidvest, den Robo-Advisor des Münchner Vermögensverwaltung DJE Kapital (das „DJE“ steht bekanntlich für „Dr. Jens Ehrhardt“). Was hieran nun besonders erstaunt: Bei Solidvest können Anleger anders als bei praktisch allen anderen digitalen Vermögensverwaltern eine Einzelaktien-Strategie fahren. Soll also das das Alleinstellungsmerkmal der DKB im Robo-Geschäft werden? Einzelaktien?

Auszuschließen ist’s nicht. Wirklich plausibel aber auch nicht. Weil: Die DKB mit ihren 4,8 Mio. Kunden spricht (ähnlich wie die ING Diba, die im Robo-Geschäft seit einigen Jahren einigermaßen erfolgreich mit Scalable kooperiert) eine zwar aufgeklärte, aber nicht unbedingt wertpapier-affine Klientel an. Mit ETF-basierten Portfolios erreicht man diese Kundengruppe vermutlich eher als mit Stock-Picking – verdient aber natürlich auch mit dem typischen kostenfreien ETF-Sparplan (den die DKB lange auf dem Angebot fernhielt) auch kaum Geld.

Andererseits: Der Handlungsdruck ist da. Passieren muss etwas im Wertpapiergeschäft. Die Depotdurchdringung bei den inzwischen rund 4,8 Millionen Privatkunden ist trotz 160.000 neuer Depots im letzten Jahr mit nur 13% sehr niedrig (ING: 20%, Comdirect: 60%), das Provisionsgeschäft nach Jahren des Defizits insgesamt inzwischen schwach rentabel (H1: 16 Mio. Euro Provisionsüberschuss).

Warum aber dann Solidvest? Weil man sich die DJE Kapital bei der Dreierkombination von DKB, Elinvar und Solidvest hinzudenken müsse, sagt ein Kenner. Schließlich gebe es im Ehrhardt-Universum zum Beispiel aktiv gemanagte Dachfonds, die in Passivprodukte wie ETFs investieren. Dieser Ansatz könnte durchaus auch zu einem Robo-Produkt passen.

Ob das wirklich der Deal ist? Im Oktober wird man’s wissen. Es sei denn, der Start des DKB-Robos verzögert sich ein weiteres Mal.

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