Kurz gebloggt

Elinvar: Für 5 Mio. Euro Erträge braucht’s 10 Mrd. Euro Assets

Vom Elinvar-Paradoxon hatten wir ihnen vor einiger Zeit ja schon mal ausführlich erzählt. Einerseits wird das Berliner “Wir bauen eine digitale Plattform für Vermögensverwalter aller Art”-Fintech mit Fundings prominenter Geldgeber (Goldman Sachs!) geradezu überhäuft und stellt munter immer neue Leute ein – andererseits übt es sich beim Vertrieb (jedenfalls gemessen an den Erträgen) in fast aufreizender Bescheidenheit.

Ausweislich der jüngst veröffentlichten Geschäftsberichts stiegen die zuvor sogar sinkenden Provisionserträge zwar 2020 wieder an. Aber auch nur auf 1,5 Mio. Euro (nach zuvor 1,0 Mio. Euro), was gemessen an den Verwaltungsaufwendungen von fast 11 Mio. Euro immer noch seeeehr dünn anmutet. Zugegeben: Hinzu kamen noch “sonstige betriebliche Erträge” in Höhe von knapp 1,2 Mio. Euro (herrührend quasi komplett aus Einmalgebühren) – mit Gesamterträgen von 2,7 Mio. Euro blieb Elinvar hinter dem selbst gesteckten (“mindestens” 3 Mio. Euro) jedoch abermals zurück.

Wie’s kommt? Da verweisen wir nochmal auf die große Vorjahres-Analyse. Brutalst abgekürzt: Elinvar war gestartet als eine Art “Scalable Capital für B2B”, also als digitaler Vermögensverwalter auf Whitelabel-Basis. Inzwischen wandelt sich das Fintech allerdings eher zu einem Player à la Solarisbank, also zu einem “As a Service”-Fintech – auch wenn es nicht um “Banking as a Service” geht, sondern sozusagen um “Wealth Management as a Service”: Elinvar ist seinem Wesen nach mithin nicht selber ein Vermögensverwalter, sondern will Vermögensverwaltern sogenannte Kernprozesse wie Kundenmanagement, Online-Abschlussstrecke, Portfoliomanagement, Reporting oder Rechnungsstellung abnehmen.

Wie viele Assets braucht Elinvar, um profitabel zu werden?

Als KPI gibt Elinvar dementsprechend auch nicht die “Assets under Management” an. Sondern die “Assets under Administration”. Was ungefähr bedeutet: Für Anlageentscheidungen fühlen sich die Berliner nicht zuständig. Wohl aber für den ganzen Krempel, der sonst so anfällt.

Das große Geheimnis lautete dabei bislang: Von welche Volumina reden wir hier eigentlich? Was das betrifft, lüftet besagter Geschäftsbericht nun erstmals den Schleier. Für 2020 wird zwar noch keine Zahl genannt. Wohl aber für 2021. Da sollten die “Assets under Administration” (AUA) laut Prognosebericht nämlich erstmals über 10 Mrd. Euro hinausschießen – bei Gesamterträgen von gut 5 Mio. Euro und einem neuerlichen Fehlbetrag “im höheren einstelligen Millionenbereich”.

Bei Elinvar landen also keine Prozente. Sondern nur Zehntelpromille. Oder anders gesagt: Für 5 Mio. Euro braucht – stark vereinfacht ausgedrückt– 10 Mrd. Assets. Soll der Business Case von Elinvar eines Tages aufgehen, dann wird es hierfür mithin AUAs in grob gesagt beträchtlicher zweistelliger Milliardenhöhe brauchen. Eine spannende Wette. Aber einstweilen auch eine teure. Per Ende 2021 dürfte das Fintech schon gut 30 Mio. Euro verbrannt haben.

Berliner Fintech Elinvar verdoppelt Management-Team

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