Fidor Bank soll an Finanzinvestor Ripplewood gehen

31. August 2020

Von Christian Kirchner

Die Münchner Fidor Bank, bislang im Besitz der Pariser Großbank BPCE, steht vor dem Verkauf an den US-Finanzinvestor Ripplewood. Das geht aus einer kurzen Mitteilung der BPCE hervor. Die spektakuläre Meldung stammt von Anfang August, wurde von deutschen Medien (so weit wir das nachverfolgen konnten) aber komplett übersehen. Dem Vierzeiler zufolge befindet sich BPCE – das ist das Zentralinstitut der französischen Sparkassen und Volksbanken – in exklusiven Gesprächen mit Ripplewood und erwartet, sofern die Regulierer zustimmen, einen Abschluss der Transaktion im ersten Halbjahr 2021. Die Suche nach einem Käufer hatte vor knapp zwei Jahren begonnen und war seitdem nach Angaben aus Finanzkreisen mal mehr, mal weniger intensiv betrieben worden.

BPCE hatte die Fidor Banken – einst gerühmt als technologische Avantgarde unter den deutschen Neobanken – 2016 für dem Vernehmen nach rund 100 Mio. Euro erworben. Der Kauf entpuppte sich indes als Fiasko für die Franzosen: Gleich dreimal musste Fidor mit mittleren zweistelligen Millionenbeträgen rekapitalisiert werden, nachdem 2017 ein Verlust in der normalen Geschäftstätigkeit von 110 Mio. Euro und 2018 (siehe hier) von 41 Mio. Euro aufgelaufen war. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Zeitweise fiel die Fidor Bank mit massiven Störungen auf (siehe hier und hier). Im April endete die Bankpartnerschaft mit dem Telekom-Anbieter O2, dessen Banking-Angebot nun von der Comdirect kommt (siehe hier).

Die O2-Banking-Kunden machten per Ende 2018 – auch hier liegen noch keine neueren Zahlen vor – ein Fünftel der insgesamt rund 340.000 Fidor. Kunden insgesamt aus. Dass sich der bisherige Eigner BPCE von Fidor auf dem deutschen Markt überhaupt nichts versprach, deckte Finanz-Szene.de indirekt Mitte April auf:  Nach Informationen von Finanz-Szene.de wurde der Frankfurter Headhunter Boyden beauftragt, einen“Deutschland-Chef“ für eine gewisse Oney Bank zu suchen, um einen Marktstart in Deutschland vorzubereiten. Eigner der „Oney Bank“ ist: BPCE.

Der geheime Deutschland-Plan der Pariser Großbank BPCE

Welche Pläne Ripplewood mit der Fidor Bank verfolgt ist unklar. Die US-Private-Equity-Gesellschaft verwaltet rund 10 Mrd. US-Dollar und hält ein sehr breit diversifiziertes Portfolio an Unternehmen aus der Auto-, Telekom, Industriebranche. Ripplewood gilt als Spezialist für den Aufkauf von Unternehmen in schwierigen Lagen – was für Fidor zweifelsohne zutrifft. Als dezidierter Fintech-Investor sind die Amerikaner dagegen bislang nicht aufgefallen.

Geht es Ripplewood also in erster Linie um die „Distressed Assets“ von Fidor? Oder steckt mehr dahinter? Werden einzelne Sparten wie „Fidor Solutions“ nach einer ersten Aufräumphase möglicherweise weitergereicht? Eines jedenfalls dürfte der sich anbahnende Verkauf an Ripplewood zeigen: Strategische Interessenten waren offenkundig nicht bereit, für Fidor noch einmal richtig Geld auf den Tisch zu legen.

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