Fidor und O2 stellen gemeinsames Banking-Angebot Ende Juni ein

29. April 2020

Von Hendrik Dahlhoff und Christian Kirchner

Die Münchner Challenger-Bank Fidor und der Telekommunikations-Konzern Telefonica stellen ihren gemeinsamen Dienst „O2 Banking“ per Ende Juni ein. Darüber haben die beiden Unternehmen heute ihre Kunden per E-Mail unterrichtet – das Schreiben liegt die Finanz-Szene.de vor. „O2 Banking“ wird allerdings nicht dichtgemacht, sondern von O2 mit einem neuen Banking-Partner weitergeführt, wie eine Sprecherin bestätigte.

Man habe sich „gemeinschaftlich dazu entschlossen, (…) Ziele und Strategien unabhängig voneinander weiterzuverfolgen“, heißt es in der Kunden-Mail. „Daher wird das aktuelle O2 Banking Angebot – ein Service der Fidor Bank – Ende Juni eingestellt.“ Laut Geschäftsbericht bediente die Fidor Bank AG per Ende 2018 rund 70.000 O2-Bankkonten im eigenen White-Label-Geschäftszweig „Banking as a Service“. Ein Sprecher von Fidor kündigte auf Nachfrage eine Stellungnahme an.

Zum 31. Mai will O2 mit einem neuen Partner an den Start gehen, nennt diesen aber noch nicht. Viele Details dieses neuen Programms hat das Unternehmen indes bereits auf seiner Internetseite (siehe hier) veröffentlicht (unter anderem ein kostenloses Girokonto, eine kostenlose Visa-Card sowie Apple- und Google Pay). Laut der Seite „können wir ein bestehendes Konto nicht fortführen oder automatisiert umziehen“.

Die ursprüngliche Idee hinter „O2 Banking“ war es, ein Bonusprogramm ins Zentrum des Angebots zu rücken. Kunden erhalten für Kartenzahlungen zum Beispiel Frei-Daten für die Nutzung ihres Mobilfunkvertrags, falls sie ebenfalls O2-Mobilfunk-Kunden sind. Alternativ konnten auch andere O2-Banking-Leistungen oder Amazon-Gutscheine gutgeschrieben werden. Diese Leistungen werden ebenfalls eingestellt. Im neuen O2-Banking-Programm soll laut den „FAQs“ ein Bonusprogramm erst im Herbst folgen.

Für die stark defizitäre Fidor Bank – 2018 betrug das operative Ergebnis minus 41 Mio. Euro, siehe hier – bedeutet das Ende des Projekts einen weiteren Rückschlag. Die O2-Banking-Kunden machten per Ende 2018 ein Fünftel der insgesamt rund 340.000 Kunden insgesamt aus – und ein Drittel aller Retail-Kunden. Erst vorvergangene Woche hatte Finanz-Szene.de aufgedeckt, dass der Fidor-Mutterkonzern, die französische BPCE, per Stellenangebot nach einem Deutschland-Chef für die hauseigene „Oney Bank“ sucht. Die große Frage lautet: Wenn die „Oney Banking“ nun ein eigenes Deutschland-Geschäft aufbaut – wofür braucht es dann noch Fidor?

Besagtem Schreiben zufolge werden die Kunden nicht automatisch auf das neue Angebot von O2 migriert. „Die Fidor Bank AG wird sich in den nächsten Tagen mit detaillierten Informationen zur Kontoschließung und den nächsten Schritten bei Ihnen melden“, heißt es. Man habe aber „vereinbart, für alle heutigen O2 Banking Kunden auch nach dem Ende der Zusammenarbeit eine Lösung zu finden“. Finanz-Szene.de bat die Fidor Bank um eine Stellungnahme zur Lage, erhielt jedoch bis zum späten Abend keine Rückmeldung.

Die Gründe für das Ende der Zusammenarbeit und des 2016 gestarteten Projekts zwischen O2 Banking und Fidor werden in dem Schreiben nicht genannt. Zuletzt litt Fidor unter zahlreichen technischen Störungen, über die auch Finanz-Szene.de wieder und wieder berichtet hatte, etwa hier, hier und hier.

Bleibt indes die Frage: Wer wird der neue Partner von o2 in Sachen Banking? Hier beginnt nun der Bereich unserer Spekulation – aber anhand der bereits sehr präzise vorgestellten Details des neuen o2 Banking-Programms, namentlich

  • Apple / Google Pay
  • eine Girocard + Visa Credit
  • einem “Starken Wertpapierangebot” (laut Telefonica -Pressemitteilung zum Start im Mai)
  • Überweisen: per Chat, Foto oder QR Code – oder per Spracheingabe
  • „Bargeldlos weltweit abheben” als Feature des neuen Banking-Programms (mit der Betonung unsererseits auf „abheben“, nicht „bezahlen“)

… sowie einer gewissen Digitalaffinität und ähnlichen White-Label-Programmen in der jüngeren Vergangenheit – dann lautet unser ganz heißer Tipp, dass der neue o2-Partner Comdirect heißen könnte. Die Bank ist White-Label-erfahren und bietet bereits Karten und Konten etwa in Zusammenarbeit mit Borussia Dortmund und dem HSV („Fan Konto“) an.

Finanz-Szene.de konfrontierte die Comdirect mit der Frage, ob man neuer o2-Partner werde – die Bank lehnte einen Kommentar ab. Auch o2 wollte diese (zugegeben: deduktive) Einschätzung nicht kommentieren und verwies darauf, dass man „bis Ende Mai“ den Vorhang lüfte. Was in beiden Fällen auch kein Dementi ist.

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