Kurz gebloggt

Hohe Risikovorsorge: ING Diba erleidet Quartalsverlust

Die ING hat in ihrem Deutschland-Geschäft im ersten Quartal überraschend einen Verlust vor Steuern von 61 Mio. Euro erlitten. Ursächlich für die roten Zahlen war eine drastisch erhöhte Risikovorsorge von 413 Mio. Euro. Diese fiel annähernd vollständig (nämlich im Umfang von 391 Mio. Euro) im Geschäftsbereich Wholesale Banking an, also im Firmenkundengeschäft. Ein Sprecher sprach auf Nachfrage von einer “Folge des erhöhten Risikos bei Engagements mit Russland-Bezug”. Unterm Stich verzeichnete das Wholesale Banking ein Minus von 287 Mio. Euro, was das Retail-Banking (Gewinn vor Steuern +9% auf 226 Mio. Euro) nicht ausgleichen konnte.

Jenseits der zusätzlich gebildeten Risikovorsorge entwickelten sich die wesentlichen operativen Kennziffern weitgehend positiv: Der Zinsüberschuss stieg um 10% zum direkten Vorquartal, der Provisionsüberschuss legte um 9% zum Vorquartal. Interessanterweise lag das Provisionsergebnis damit auf Höhe des Q1 2021 (obwohl es sich dabei um das sogenannte “Meme Stock”-Quartal handelte, in dem Privatanleger besonders aktiv am Aktienmarkt zugange waren). Bei einem Abgleich mit den Werten des Vorjahresquartals ist zu beachten, dass sich die ING im vergangenen Jahr von ihrem Österreich-Geschäft getrennt hat (welche stets in den Zahlen enthalten waren) und die früheren Quartale nicht “pro forma” berechnet werden. Sprich: Die Werte sind nur grob vergleichbar.

Die Kosten stiegen in einem für die ING ungewöhnlich hohem Maße, und zwar um 4% zum Vorjahresquartal bzw. um 7% zum Vorquartal. Hier hätten gestiegene regulatorische Kosten sowie interne Konzernverrechnungen eine Rolle gespielt, hieß es. Die Quartalszahlen enthalten darüber hinaus noch zwei weitere spannende Datenpunkte: Zum einen haben die in der Breite eingeführten Negativzinsen auf Einlagen auch für Bestandskunden (siehe hier) Erfolg in dem Sinne, das die Kundeneinlagen um 7 Mrd. Euro (5%) sanken. Zum anderen: Im Geschäft mit Baufinanzierungen sank das ausgereichte Volumen leicht von 85,8 Mrd. auf 85,6 Mrd. Euro. Wie aus dem Umfeld der ING zu hören ist, sei dies aber eine Funktion von Bewertungseffekten und nicht einem schrumpfenen (Neu-)Geschäft geschuldet.

Die Zahlen stammen aus der am Morgen veröffentlichten Quartalsmitteilung des niederländischen Mutterkonzerns ING Groep. Aufgrund unterschiedlicher Bilanzierungsregeln weichen die Deutschland-Zahlen der ING Groep zwar meist leicht von denen der ING Diba ab, die nicht quartalsweise berichtet. Die Werte sind jedoch ein sehr guter Indikator für das hiesige Geschäft.

Hier die Zahlen in der Übersicht:

Veränderung…
in Mio. Euro Q1/2021* Q4/2021 Q1/2022 vs. VJ-Quartal* vs. Vorquartal
Zinsüberschuss 522 432 475 -9% 10%
Provisionsüberschuss 150 138 150 0% 9%
Erträge gesamt 711 618 705 -1% 14%
Kosten gesamt 330 340 353 7% 4%
Gewinn vor Steuern 367 235 -61 -117 -126
RoTE 13,5% 13,3% -3,3% -16,8 Ppt. -16,6 Ppt.
Cost-Income-Ratio 46,4% 55,0% 50,0% +3,6 Ppt. -5,0 Ppt.
Mitarbeiter 6.359 6.256 6.324 -1 1
Risikokosten in BP / Kredite 4 14 130 126 116
Veränderung…
Q1/2021* Q4/2021 Q1/2022 vs. VJ-Quartal* vs. Vorquartal
Gewinn Retail-Banking 255 207 226 -11% 9%
Gewinn Wholesale-Banking 112 28 -287 n.a. n.a.
Einlagen (Mrd. €) 148 136 129 -13% -5%
Immo-Kredite (Mrd. €) 81,3 85,8 85,6 5 0
andere Kredite (Mrd. €) 44,6 42 41,5 -7% -1%
davon Wholesale Banking 32,4 31,9 29,8 -8% -7%

Quelle: ING, * Im Vorjahresquartal noch inkl. Geschäft in Österreich; n.a.: nicht anwendbar wegen unterschiedlicher Vorzeichen; 

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