Live-Blog

ING Deutschland verteidigt ihr Jahresergebnis – einigermaßen

3. Februar 2022

Von Christian Kirchner

Die ING Diba dürfte ihr Jahresergebnis ausweislich des Zahlenwerks ihrer niederländischen Mutter grob verteidigt haben. Wie aus den am Morgen veröffentlichten Ergebnissen der Amsterdamer Großbank hervorgeht, fiel 2021 in ihrem Deutschland-Geschäft ein Gewinn vor Steuern von 1,125 Mrd. Euro an. Das entspricht einem Minus von 2% zum Vorjahr. Genaue Zahlen zu ihrer hiesigen Geschäftsentwicklung wird die ING Deutschland bei ihrer Bilanzpressekonferenz am Mittag veröffentlichen. Die Ergebnisse unterscheiden sich aufgrund unterschiedlicher Bilanzregeln und der Behandlung interner Verrechnungen normalerweise leicht von jenen, die die Mutter für das Deutschland-Geschäft ausweist. In der Tendenz entwickeln sich die Zahlen jedoch meist sehr ähnlich.

Insgesamt dürften sich laut den Zahlen der Mutter die wesentlichen operativen Kennziffern der ING Deutschland – wenngleich auf weiter extrem hohem Niveau – leicht eingetrübt haben. Die Erträge sanken vor allem aufgrund eines deutlich rückläufigen Zinsergebnisses um 4%, während die Kosten um 6% stiegen. Auf beide Entwicklungen hatte die ING Deutschland bereits im Frühjahr in ihrer Prognose hingewiesen. Im Retail-Geschäft sank der Vorsteuergewinn um 17%, im Firmenkredit-Geschäft stieg er hingegen um 73%, wobei hier das 2020er-Vergleichsergebnis von einem hohen Einmaleffekt (Wirecard-Kredit …) geprägt gewesen war. Dass der Ergebnisrückgang insgesamt überschaubar blieb, verdankt die Frankfurter Oranje-Bank einer sehr deutlich gesunkenen Risikovorsorge. Statt 267 Mio. Euro (Wirecard-Kredit …) mussten nur 117 Mio. Euro zusätzlich aufwendet werden.

Auf Q4-Sicht sank der Zinsüberschuss im Deutschland-Geschäft um 14% zum Vorquartal – und gar um 16% zum Vorjahresquartal sank. Und das obwohl zum Beispiel bei der Deutschen Bank oder der Hypo-Vereinsbank die Zinsgewinne zuletzt wieder stiegen. Gleichwohl trägt bei der hiesigen ING die verschärfte Verwahrentgelt-Politik Früchte: Im Juni hatte die Bank bekannt gegeben, Minuszinsen jenseits eines Freibetrags von 50.000 Euro auch von Bestandskunden zu erheben. Seit November werden die Maßnahmen nach und nach durchgesetzt. Als offenkundige Konsequenz daraus reduzierten sich die Kundeneinlagen im Q4 um knapp 5 Mrd. auf nunmehr 136 Mrd. Euro – wodurch das Zinsergebnis zumindest ein wenig entlastet worden sein dürfte.

Die wesentlichen Zahlen in der Übersicht:

in Mio. Euro 2020 2021 Veränderung
Zinsüberschuss 2.090 1.943 – 7%
Provisionsüberschuss 468 525 + 12%
Erträge gesamt 2.684 2.589 – 4%
Kosten gesamt vor Risiko 1.270 1.346 + 6%
Risikovorsorge 267 117 – 56%
Gewinn vor Steuern 1.146 1.125 – 2%
RoTE 13,1% 13,3%  + 0,2 Ppte.
Cost-Income-Ratio 47,3% 52,0% + 4,7 Ppte.
Mitarbeiter 6.183 6.256 + 1%
Risikokosten in Basisp. 22 9 – 13 BP

Weitere wichtige Kennziffern:

in Mio. Euro 2020 2021 Veränderung
Gewinn Retail-Banking 950 786 – 17%
Gewinn Wholesale-Banking 197 340 + 73%
Einlagen (Mrd. €) 145,6 136 – 7%
Immo-Kredite (Mrd. €) 80,3 85,8 + 7%
andere Kredite (Mrd. €) 41,9 42 0

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing